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Flucht aus Dubai

Dubai-Influencer: Wenn das Regime doch nicht so geil ist

Die Influencer*innen Sami Slimani und Paola Maria – Fotos: Imago

Einige Dubai-Influencer treten die Flucht nach vorne an. Bzw.: nach Hause. Raus aus dem Unrechts-Emirat, heißt es. Dabei hat es ihnen doch vorher so gut dort gefallen. Hoffentlich ist der Grund ein anderer, als die vor Kurzem erworbenen Steuer-Daten aus Dubai.

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Deutschland ist ein fürchterliches Land. Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit, Grundrechte? Überbewertet. Zumindest schienen das einige deutsche Influencer*innen so zu sehen. Zum Hintergrund: Vor einiger Zeit brach eine regelrechte Emigrationswelle deutscher Internet-Persönlichkeiten über die Bundesrepublik herein. Das neue Wunschdomizil: Dubai. Ein Ort der Menschenrechtsverletzungen, Folter und Frauenfeindlichkeit. Die Liste ist übrigens deutlich länger. „Egal“ scheint das gewesen zu sein. Immerhin lockten wenig bis kaum Steuern, kleine Aufmerksamkeiten von Seiten des Staates und das schöne Wetter am Persischen Golf (zu den Hintergründen finden Sie hier ein Video des „ZDF Magazin Royale„).

Jetzt allerdings heißt es für einige der Dubai-Fans: weg da. Paola Maria (1,76 Millionen Abonnent*innen auf YouTube) und Sami Slimani kehren dem Emirat den Rücken. Slimani (1,4 Millionen Follower*innen auf Instagram) zwar nur temporär, wie er sagt, aber immerhin.

Luca Schallenberger hofft auf die Menschlichkeit der Influencer*innenIllustration: Bertil Brahm

Seit Monaten haben die Influencer*innen fleißig geworben – für ein Unrechts-Emirat, für Ideale, die sie selbst nicht mit gutem Gewissen vertreten können oder besser gesagt: sollten. Andernfalls sähe es düster aus um die demokratische Grundhaltung der Influencer*innen. Es ist ein Skandal, dass sie diese Propaganda ungehindert an junge Fans herangetragen haben. Einordnung? Fehlanzeige. Sonst würde der Geldhahn schnell zugedreht werden.

Dass Influencer*innen keine Vorbilder sind oder sein wollen, ist im Übrigen kein Argument, sondern höchstens fadenscheinige Rechtfertigung für schlechtes Verhalten. Influencer*innen sind Vorbilder, ob sie wollen oder nicht. Daran ändert auch ein halbherziger Disclaimer nichts. Junge Fans – und da zähle ich mein früheres Ich dazu – glauben, was ihr Idol sagt. Das ist, wenn auch unbewusst, manipulativ. Wer Dubai als einen Ort der Freiheiten und Möglichkeiten preist, ist schlicht ein Lügner oder weiß es nicht besser. Und auch, wer 9/11 als einen Inside-Job abstempelt, verbreitet Verschwörungserzählungen. Ja, auch das haben große YouTuber öffentlich gesagt.

Ob die Dubai-Flucht der Influencer*innen mit dem Kauf von Steuer-Daten aus Dubai durch die deutsche Regierung zu tun haben? Unklar. Wie der „Spiegel“ berichtete, sollen „länderübergreifende Steuerstraftaten von erheblichem Ausmaß“ aufgedeckt werden. Letztendlich kann man nur hoffen, dass die Influencer*innen Dubai aufgrund der dortigen humanitären und nicht der eigenen finanziellen Lage verlassen. Letzteres wäre ein Armutszeugnis.

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