Anzeige

"Wams" auch am Samstag

Springers neue „Welt“-Strategie ist ein Frontalangriff gegen die „FAS“

Foto: Springer

Axel Springer steigt mit der „Welt am Sonntag“ auf den hart umkämpften Markt der Samstags-Blätter ein. Das ist ein schlauer Schachzug der Berliner, der „FAZ“-Chef Thomas Lindner kaum schmecken dürfte.

Anzeige

Die Strategie von „FAZ“-Chef Thomas Lindner war fein austariert. Um die wachsenden Zustell-Kosten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in den Griff zu bekommen, zog der Verlagsmanager vor wenigen Monaten bundesweit den Erscheinungstermin des Blattes auf den Samstag vor. Damit wollte er zugleich auch den Absatz des Sonntagsprodukts verbessern, das seit Jahren unter einem schleichenden Auflagenrückgang leidet. 

Die neue „Welt“-Vertriebsstrategie bringt die „FAS“ in Bedrängnis, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski – Illustration: Bertil Brahm

Nun macht ihm aber der Konkurrent Axel Springer einen Strich durch die Rechnung. Überraschend drängt das Berliner Medienhaus mit einer Frühausgabe der „Welt am Sonntag“ am Samstag ebenfalls auf den neuen Erscheinungstag der „FAS“ (MEEDIA berichtete). Damit verschärft Springer den Wettbewerb mit dem „FAZ“-Verlag deutlich und setzt die „FAS“ an diesem Tag unter neuen Druck. 

Der Druck auf die „FAS“-Macher dürfte sich noch erhöhen. Denn die Sonntagszeitung aus dem „FAZ“-Verlag steht vor einem Dilemma. Die Abonnenten der „FAS“ bekommen am Samstag ihre Zeitung in den Briefkasten. Eine aktualisierte Fassung am Sonntag erhalten sie nicht mehr, da der „FAZ“-Chef die Zustellung an diesem Tag aus Kostengründen eingestellt hat. Die „Wams“ hingegen ist hier mit ihrem eigenen Vertriebs-Apparat klar im Vorteil. Sie erscheint am Samstag und am Sonntag in Fassungen, die jeweils aktuelle Nachrichtenlage einfangen. Damit könnten Leser, die sich vor allem für die neuesten Sportergebnisse interessieren, verstärkt zur „Wams“ greifen. 

Doch die neue Vertriebsstrategie der blauen Gruppe ist für den „FAZ“-Verlag nicht das einzige Problem. So könnte mit der samstäglichen Ausgabe der „Wams“ auch die Vermarktung des FAZ-Verlags unter Druck geraten, der jüngst mit der „Süddeutschen Zeitung“ das Joint-Venture Republic einging. Das Anzeigengeschäft der „FAS“ könnte nun unter der zusätzlichen Ausgabe der „Wams“ am Samstag leiden. So haben Anzeigenkunden – vor allem Hersteller von Luxusartikeln – jetzt eine größere Auswahl, wo sie ihre Kampagne passend platzieren wolle: bei der „FAS“ oder der „Wams“. Damit ist fraglich, ob sich die vorgezogene Erscheinungsweise der „FAS“ für Lindner weiter auszahlt. Der Verlagschef und die Redaktion sind daher jetzt gefordert. Sie müssen die „FAS“  attraktiver machen, um den Aktualitäts-Nachtteil auszugleichen. Dies gilt auch für eine Teilauflage der Zeitung, die am Sonntag an den Tankstellen und Bäckereien vertrieben wird. Das ist keine leichte Aufgabe. 

Profiteur der neuen Vertriebsstrategie der „Welt“-Gruppe ist hingegen Springer-Chef Mathias Döpfner. Ob wochentags mit fünf „Welt“-Ausgaben und am Wochenende mit zwei „Wams“-Ausgaben – die blaue Gruppe steht mit der neuen Strategie auf festeren Standbeinen. Zwar wird die werktägliche Print-Ausgabe der „Welt“ ausgedünnt. Doch mehr Digital-Abos und der Ausbau der Bewegtbild-Bereichs können helfen, die Rendite der „Welt“-Gruppe zu steigern. Damit stellt Döpfner vor allem KKR zufrieden. Der Springer-Anteilseigner hatte bei seinem Einstieg ein scharfes Auge auf die seit Jahren ertragsschwache „Welt“-Gruppe geworfen.

Anzeige