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Gegen Google, Amazon und Facebook: Mediaocean übernimmt Flashtalking

Mediaocean

Mediaocean und Flashtalking bündeln Kräfte im Kampf gegen die Walled Gardens - Foto: Screenshot

Mediaocean setzt seine Einkaufstour fort. Nun steht der populäre AdServer von Flashtalking auf der Shopping-List. Gemeinsam bewegen die Unternehmen über 200 Mrd. US-Dollar an Werbebudget, vorbei an den Walled Gardens. Hinter Mediaocean steckt der Digital-Media-Veteran Bill Wise. Finanziert wird das Vorhaben von der milliardenschweren Finanzholding Vista.

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Bill Wise kriegt nicht genug. Vor 24 Jahren gehörte er zu den ersten Mitarbeitern von DoubleClick, aus dem später die Basis des Google-Werbesystems werden sollte. Nur zwei Jahre später leitete er bereits die Media-Sparte des Unternehmens, die dann in MaxOnline aufging und später von Ask gekauft wurde. Er leitete als General Manager das Plattformgeschäft von Yahoo! und gründete eine eigene Investmentgesellschaft. 2012 fusionierte er Donovan Data Systems und Mediabank – deren CEO Wise war – zu Mediaocean. 2015 verkaufte er Mediaocean an die Investment-Holding Vista Equity Partners für 720 Mio. Dollar. Seit 10 Jahren leitet er die Geschicke der Werbeplattform.

Merger im Wert von über fünf Mrd. Dollar hat der Marketing-Veteran Bill Wise in seiner Karriere initiiert – Foto: Mediaocean

Und wie. Im Halbjahrestakt übernimmt Mediaocean derzeit Tech-Unternehmen und ehemalige Kooperationspartner und formt daraus eine ganzheitliche digitale Werbeplattform. Lag in den letzten beiden Jahren der Fokus stärker auf dem Ausbau der Kapazitäten im Bereich Connected TV und Streaming, so ist die angekündigte Akquise von Flashtalking eher ein Rundumschlag in Sachen Advertising. Das von John Nardone seit sechs Jahren geleitete Unternehmen bietet Publishern einen AdServer (SSP, Supply Side Platform), der alle Arten der Medienausspielung versteht. Auch Streaming Video, aber eben auch Display und Mobile. Flashtalking hat mit Unternehmen wie Adobe, Bayer, Vodafone oder TUI eine prominent besetzte Kundenliste und wurde immer wieder für die Qualität der Technologie ausgezeichnet.

Flashtalking wird integriert in die im März vorgestellte Universal-Plattform von Mediaocean. Aus einer Hand und mit flüssiger User Experience sollen Werbungtreibende und Publisher zusammenfinden. Die hochwertige Personalisierungslösung von Flashtalking erlaubt eine tiefgreifende Nutzung von 1st-Party-Daten auf beiden Seiten.

Besser könnte das Timing für den Zusammenschluss kaum sein. Die Advertising-Branche ist von Verunsicherung geprägt und sucht händeringend nach guten Lösungen jenseits von Google und Facebook. Viele technologische Lösungen basieren auf isolierten Konzepten und müssen aufwändig zu einem Tech-Stack zusammengebaut werden. Der größte Wettbewerbsvorteil von Google, Amazon und Facebook ist neben der Reichweite das schlüssige und einfach zu nutzende Gesamtpaket aus einer Hand. Und genau hier greift Mediaocean an.

Konsolidierungs- und Akquise-Welle

Der Deal, der im Herbst umgesetzt werden soll, ist Ausdruck einer Konsolidierungs- und Akquise-Welle, die sich gerade in der Programmatic-Szene aufbaut. Eben erst hat der französische Flashtalking-Konkurrent Smart mit Dynadmic eine spannende Technologie im Bereich semantisches Targeting gekauft. Die Verve-Group hat diese Woche bekannt gegeben, die in Hamburg ins Leben gerufene Tech-Company Smaato integrieren zu wollen. Und der US-Riese Magnite hat kurz hintereinander SpotX und Springserve übernommen. Für die RTL-Tochter SpotX hat man 1,14 Mrd. Dollar auf den Tisch gelegt. Insgesamt ist Magnite – früher bekannt unter dem Namen Rubicon Project – an der Börse derzeit vier Milliarden Dollar wert.

So groß ist Mediaocean nicht. Dem „Wall Street Journal“ zufolge wollte Vista das Unternehmen letztes Jahr für 1,4 Mrd. Dollar verkaufen. Gemeinsam setzen Mediaocean und Flashtalking über 200 Mrd. Dollar an Werbebudgets um.  Die Gewinne beliefen sich im Vorjahr auf 300 bzw. 120 Mio. Dollar. Die Tatsache, dass Vista als Finanzier bereit ist, Akquisekosten im Wert von 500 Mio. Dollar für Flashtalking auszugeben, deutet darauf hin, wie viel Phantasie im Markt steckt.

 „Die Verschmelzung von Mediaocean und Flashtalking ist eine tolle Chance für unsere Kunden, Mitarbeiter und die gesamte Branche“, kommentiert Bill Wise, CEO von Mediaocean. „Flashtalking bietet unabhängige Analysen für Online- und CTV-Werbung und Mediaocean ist das Kontrollsystem, das alle Mediakanäle zusammenführt. Gemeinsam werden wir umfassende Omnichannel-Lösungen anbieten, die zukunftssicher sind. Am wichtigsten aber: Unsere Plattform ist medienunabhängig und nicht durch Eigeninteressen verfälscht. Wir können uns vollständig darauf konzentrieren, die Ergebnisse unserer Kunden und ihrer Agenturpartner zu optimieren.“

Und John Nardone von Flashtalking pointiert die Kampfansage weiter: „Im Laufe der Jahre haben wir eine unabhängige Plattform aufgebaut, der im Markt großes Vertrauen entgegengebracht wird, um sowohl relevante Werbebotschaften als auch eine optimale Kampagnenperformance zu etablieren. Unsere beiden Teams unterstützen Werbungtreibende in der von Walled Gardens dominierten Marketingkommunikation mit einer Technologieplattform, die mit cookielosen Identity-Lösungen langfristig Erfolge erzielen wird.“

Auch aus Sicht der Marken stößt das Investment auf große Zustimmung. „Es ist sehr vielversprechend zu sehen, dass Unternehmen wie Mediaocean und Flashtalking sich zusammenschließen, um echte Lösungen für das essenzielle Omnichannel-Marketing anzubieten,“ sagt Deborah Wahl, CMO bei General Motors.

Paul Gelb, Head of Digital Activation and Investment bei Bayer, betont den Wert der Unabhängigkeit: „Die Fusion von Mediaocean und Flashtalking markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu offenen und interoperablen Branchenlösungen“.

Ein veritables Dickschiff im hart umkämpften Digitalmarkt und eine echte Alternative zu den Walled Gardens, mit einem äußerst erfahrenen Kapitän an Bord.

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