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Joerg G. Fieback

Goldener Doppeldecker: Der Absturz einer Idee, die fast geflogen wäre

Joerg G. Fieback – Foto: Zebra / MEEDIA

Bei Werbern sind sie gefürchtet, die „Rohrkrepierer”. Das sind vielversprechende Pitches, für die man Blut, Schweiß und Tränen vergossen hat – und die sich aus dem einen oder anderen Grund in Luft auflösen.

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Die Agentur war noch in ihren Anfängen, da flatterte eine Pitch-Anfrage für die nationale Kampagne einer großen Biermarke ins Haus. Es ging um eine echte Pils-Legende! Man wolle mit dem neuen Auftritt zum nationalen Höhenflug ansetzen.

Unsere Idee: Eine fliegende Legende – ein goldener Doppeldecker. Der Film ist schnell erzählt: Zu elegischer Musik wird der Doppeldecker mit vereinten Kräften aus dem Hangar geschoben, sein Propeller wird angeworfen, die Maschine knattert los, der Flieger erhebt sich gen Himmel. Pathos pur! Flügelwackelnd dreht der Pilot eine Runde über seine winkenden Freunde – wild im Wind wehende Haare inklusive. Dann zieht er davon, fliegt über malerische Landschaften. Und zwar die, die man im Sturm erobern möchte. Mit dabei: Bastei, Berlin, Binz. Sogar die Semperoper – gelerntes Symbol eines Hauptwettbewerbers – wäre aus der Vogelperspektive ganz klein geworden, quasi als subtiler Sidekick. Für den WOW-Effekt ließen wir ein übergroßes Modell des Doppeldeckers fertigen. Eine unvergessliche Präsentation.

Bald rief der Vorstand an. Pitchgewinn! Nicht zu fassen! Das Ganze müsse nur nochmal im Mutterkonzern präsentiert werden. Reine Formsache. Leider begann danach der langsame Absturz der Idee, die beinahe geflogen wäre. Wochen später gab es den Termin im Mutterkonzern tatsächlich. Nur gab es jenen Vorstand nicht mehr, der uns zum Sieger gekürt hatte. Streng dreinblickende Herren zeigten sich mäßig beeindruckt. Sie änderten die Spielregeln. Man würde doch lieber zwei Ideen in einen Test geben. Und da Idee Nummer zwei aus dem Pitch nicht gut genug erschien, beauftragte man kurzerhand die Hausagentur des Mutterkonzerns mit einer Alternatividee. Wir waren gefrustet.

Schließlich kam, was kommen musste: Nach einer halben Ewigkeit bangen Hoffens zerschellte der Traum vom goldenen Doppeldecker.

Joerg G. Fieback ist Gründer und Geschäftsführer Kreation der Chemnitzer Agenturgruppe Zebra.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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