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Ohne Vielfalt, mit Polizistendarstellerin

Was die CDU mit ihrer Wahlkampagne falsch macht

Keine Polizistin. Hier wirbt Clara von Nathusius, stellvertretende Chefin eines CDU-Wahlkampfteams, in der Rolle der Polizistin für Sicherheit. Vorgestellt wurde die Wahlkampfkampagne von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Keine Polizistin. Hier wirbt Clara von Nathusius, stellvertretende Chefin eines CDU-Wahlkampfteams, in der Rolle der Polizistin für Sicherheit. Vorgestellt wurde die Wahlkampfkampagne von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. Foto: Imago

Die CDU hat ihre Wahlkampagne vorgestellt. Erstmals stehen bei den Plakatmotiven Menschen im Fokus. Dass die dargestellte Polizistin, der Vater und das Kind nur Darsteller aus der eigenen Partei sind, ist nur ein Problem.

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Wahlkampagnen haben es ja nie leicht. Sie müssen gleich doppelt überzeugen – einmal die eigene Stammwählerschaft und im besten Fall Neu- und Wechselwähler. Sie sollen also eine möglichst breite Bevölkerung ansprechen.

In Vorbereitung auf diesen Spagat sind die Motive und die Slogans in aller Regel so weich, dass sich beim Stoßen niemand ernsthaft verletzen kann. Bei der CDU heißt es jetzt also „Deutschland gemeinsam machen.“ Mit Punkt. Die CDU will mit der Kampagne keine Ausrufezeichen setzen. Es geht schließlich nicht um Aufreger. Die aktuelle Regierungspartei weiß, was wichtig ist. Da kann man auch mal gelassen einen Punkt machen.

Das war schon 2017 in der Kampagne so, das kann man auch 2021 so machen. Einen Aufreger hat die Kampagne trotzdem produziert. Statt auf Typo setzt man für diesen Wahlkampf auf Menschen. Die sind im schwarz-rot-goldenen Fokus zu sehen. Laut Generalsekretär Paul Ziemiak zieht sich dieser „Unionskreis“ wie ein „schwarzer Faden“ durch die Kampagne. Neben Armin Laschet sind Familien, Rentner, eine Schülerin und eine Polizistin zu sehen. Sie sollen stellvertretend stehen für den großen konservativen Kanon.

Die Motive der CDU-Kampagne im Überblick. Foto: Imago

Statt Menschen im Mittelpunkt nur Partei-Darsteller

Das Problem benennt Ziemiak bei der Vorstellung selbst; dezent. „Der ein oder andere hat es vielleicht gesehen, da kommt mir ein Gesicht vielleicht bekannt vor“, sagt der CDU-Generalsekretär. Um dann zu ergänzen „oder zwei Gesichter oder drei Gesichter“. Tatsächlich. Die Polizistin, die für Sicherheit werben soll, ist Clara von Nathusius, stellvertretende Chefin eines CDU-Wahlkampfteams. CDU-Sprecherin Isabell Fischer kümmert sich auf einem Plakat um einen älteren Herren und das Thema Rente.

„Für bezahlbares Wohnen.“ heißt es auf einem anderen Plakat. Zu sehen ist ein Mann mit einem Kind. Es ist der Ehemann von Fischer und ihr Sohn. Eine Pflegerin, die keine Pflegerin ist, eine Polizistin, die keine Polizistin ist, eine Familie ohne Wohnungsnot in Wohnungsnot. Wo „Menschen, Gesichter im Mittelpunkt der Kampagne“ stehen sollen, wie Ziemiak sagt, stellt sich heraus, dass die Dargestellten nur Darsteller sind. Bei der Polizeigewerkschaft GdP hat man dafür klare Worte: „Wir sind nicht die Garnitur für Wahlprogramme.“ 

Natürlich gibt es für alles Erklärungen. Man wollte zum Beispiel kein Stockmaterial verwenden wie andere Parteien. Dafür gibt es gute Gründe, wie die FDP zu berichten weiß. Die Partei hat ein gleiches Stock-Foto wie die NPD verwendet – und damit eine Steilvorlage für den Grünen Sebastian Brux geliefert:

Das Problem ist allerdings: Das CDU-Ergebnis sieht so prototypisch aus, als hätte die Partei auf Stockmaterial verzichtet, um sich ihr eigenes Stockmaterial zu produzieren.

So hell wie der Weißraum auf den Wahlplakaten

Ein weiterer Grund für die Darsteller, laut CDU: In der Pandemie wollte man niemanden gefährden oder aus seinen wichtigen Berufen herausziehen. Nachvollziehbar. Alternativ hätte man natürlich auch ganz darauf verzichten können, Menschen zu zeigen. Wie war das noch mit den Typoplakaten?

So hätte auch ein zweites Thema vermieden werden können. Die dargestellten Darsteller sind so hell wie der Weißraum auf den Wahlplakaten. Mit einem Deutschland, in dem über 26 Prozent einen sogenannten Migrationshintergrund haben, hat das wenig zu tun. Dass die CDU keine Regenbogenkampagne mit Gendersternchen fährt, ist nachvollziehbar. Es geht schließlich um den großen Spagat im Wahlkampf (s.o.). Aber 2021 müsste doch auch bei der Unions-Partei angekommen sein, dass konservative Wähler in allen Bevölkerungsgruppen vertreten sind. Mit diesen Motiven werden sie ausgeschlossen.

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