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Boulevardmedien

Springer-CEO Döpfner verteidigt die „Bild“ gegen interne Kritik – und macht es sich zu einfach

Mathias Döpfner – Foto: Imago

Im Rahmen einer digitalen Fragerunde stellte sich Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner wieder einmal Fragen aus der Belegschaft. Dabei ging es auch um die Rolle der „Bild“. Döpfner verteidigte die Boulevardmarke gegen Kritik, machte es sich dabei aber viel zu einfach.

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Gibt es den „guten“ Boulevard-Journalismus? Anlass der Fragerunde bei Springer war eine Neufassung der Unternehmenswerte des Hauses. Unter Punkt 5 heißt es da: „Wir lehnen politischen und religiösen Extremismus und jede Art von Rassismus und sexueller Diskriminierung ab.“ Nun wurde Döpfner gefragt, ob die Berichterstattung der „Bild“ mit diesem „Essential“, wie die Grundsätze genannt werden, in Einklang zu bringen ist. Gute Frage. Laut dem Medienmagazin „Medieninsider“ (€) sagt Döpfner dazu: „Man kann die Stilmittel des Massenjournalismus prinzipiell ablehnen und die Position vertreten, alles in langen Artikeln und hoch intellektuell abzubilden. Nur dann wird man ausschließlich Eliten erreichen. Wenn man größere Zielgruppen erreichen möchte, benötigt man andere stilistische Methoden. Das gilt für das Layout, die Sprache, die Illustration von Fotos, Emotionen, Durchschlagskraft, Kürze. Diese Methoden haben eine sehr erfolgreiche Form des Journalismus geschaffen, die heute viel mehr Menschen erreicht als vor 100 Jahren.“

Damit macht es sich der Springer-CEO viel zu einfach.

Der „Bild“-Zeitung ist eine gewisse Janusköpfigkeit zu eigen, meint MEEDIA-Redakteur Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Er tut so, als gäbe es nur ein Entweder-Oder. Entweder „Massenjournalismus“ (also: Boulevard) oder Eliten-Journalismus. Niemand kritisiert das Layout oder die Kürze von „Bild“-Berichten. Journalismus für breite Bevölkerungsschichten zu machen bedeutet doch nicht, dass zwangsläufig Persönlichkeitsrechte ständig mit Füßen getreten werden müssen, oder dass Ressentiments geschürt werden, wie dies bei „Bild“ permanent geschieht. Döpfner sagte bei der Fragerunde mit Bezug auf „Bild“ aber auch: „Wenn man sorgfältig und ohne ideologischen Filter auf das schaut, was sie tun, erkenne ich wenige Medienmarken in Europa, die so aktiv alle Formen elitärer politischer Führung und anti-demokratische Diktaturen wie China, Syrien, Iran, Russland, Türkei verurteilen.“

Hier hat er einen Punkt.

In der Tat ist „Bild“ sehr oft mutiger als andere Medien, wenn es darum geht, autoritäre Regime und Diktaturen klar zu verurteilen. Man kann in der Verteidigung von „Bild“ auch weiter gehen. Die Redaktion leistet in großen Teilen meist hervorragende Arbeit, verfügt über exklusive Informationen und ist wahnsinnig schnell. Wenn es eine Breaking-News-Lage gibt, kann man sicher sein, dass „Bild“ schon am Ball ist. Diese Reporter-Kultur wird bei der Boulevardmarke gelebt, wie bei vermutlich keinem anderen deutschen Medium.

Der „Bild“ ist eine gewisse Janusköpfigkeit zu eigen. Einerseits Hassmaschine, andererseits mutiges, schnelles Medium. Auf einen der beiden Köpfe kann man verzichten.

Natürlich kann/darf/soll Boulevard laut sein und darf polarisieren. Aber ich behaupte mal, all dies könnte man auch ohne das ständige Verletzen von Persönlichkeitsrechten und das Bedienen niedrigster Instinkte bewerkstelligen. Um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Boulevard muss nicht „gut“ sein. Er darf rau und direkt sein. Er soll dahin gehen, wo es wehtut. Aber er muss auch nicht bösartig oder fanatisch sein.

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