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Die GAFA-Kolumne

Der spektakuläre Aufstieg und vorläufige Fall der Tech-Starinvestorin Cathie Wood

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

Der unruhige Kursverlauf von Techaktien im ersten Halbjahr hat manchen Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Dazu zählt auch die berühmteste Frau der Wall Street, Fondsmanagerin Cathie Wood. Die 65-Jährige feierte im vergangenen Jahr noch überbordende Erfolge mit Investments in Tesla, Zoom, Square & Co., doch die aggressiven Wetten werden Wood nun zum Verhängnis.

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Wie reagieren Sie, wenn etwas gegen Sie läuft? Ein Tennismatch, der Job oder vielleicht die Geldanlage? Es sind die viel beschriebenen Make-or-Break-Momente, in denen Karrieren entstehen – oder scheitern.

Cathie Wood ist seit einigen Monaten in dieser kritischen Zone angekommen. „Mir gefallen die Umstände.  Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass sich der Markt nicht mehr für unsere Aktien interessiert – die Innovationsaktien.“

Die 65-Jährige, die mit ihrer Fondsgesellschaft ARK Invest zur weiblichen Ikone der Wall Street aufgestiegen ist, kommentierte vor rund einem Monat die Marktlage – wohlgemerkt, nachdem ihr Flaggschifffonds ARK Innovation ETF binnen drei Monaten in der Spitze 37 Prozent an Wert verloren hatte.

Trotzdem gefielen Wood „die Umstände“? Der Spott war der Starinvestorin gewiss. Der renommierte Marktkommentator James Cramer twitterte, ihn erinnere Woods Verteidigung an einen Football-Coach, dessen Teams drei Touchdowns hinten liege und der dann erklärte: „Jetzt haben wir sie, wo wir sie haben wollen.“

Auf dem Finanzsender CNBC legte Cramer nach und kanzelte die Techwerte des ARK Fonds als „WoodStock“ ab und erklärte vergangenen Monat süffisant: „Was 2020 funktioniert hat, hat bisher nicht in 2021 funktioniert, und das wird sich auch nicht ändern.“

Die Kritik liegt nicht nur an der Performance in diesem Jahr, sondern auch an den Maßnahmen, die Wood in der Folge traf: Sie verkaufte Big Tech – namentlich Apple, Facebook, Alphabet, Amazon, Netflix oder Alibaba – , um noch mehr volatilere Techaktien wie Square, Shopify, Zillow, Zoom oder Twilio zu kaufen.

„Die FAANG-Aktien“ (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google – Anmerkung der Redaktion) erfüllen das Kriterium von Defensivaktien. In einer Phase von Volatilität, wie wir sie gerade erleben, verkaufen wir diese Titel und kaufen stattdessen Early-Stage-Innovations-Unternehmen“, erklärte Wood gegenüber CNBC ihre Investmentstrategie. In anderen Worten: Wood erhöhte das Risiko. „Aus unserer Sicht – nämlich einem Zeithorizont von fünf Jahren – hat sich nichts verändert“, erklärt Wood im Mai unbeirrt.

Zuletzt verteidigte Wood sogar das aktuell wohl kontroverseste Investment überhaupt – die hoch spekulative Kryptowährung Bitcoin, für die Wood ein langfristiges Kursziel von 500.000 Dollar ausruft. Aktuell notiert die Cyberdevise bei knapp 40.000 Dollar. Auch in die schwer abgestürzte Kryptobörse Coinbase investierte Woods zu deutlich höheren Kursen wieder und wieder – und verbilligte ihr Investment weiter. 

Und mehr noch: Anlegern ihres ARK Fonds versprach Cathie Wood Wertsteigerungen von durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr – bis 2025. Ob sich die Fondsmanagerin mit solch optimistischen Prognosen einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten. 

Ihren Ruhm begründete die Starinvestorin vor allem in den vergangenen zwei Jahren als exzellente Stockpickerin. 2019 investierte die Fondsmanagerin bei 5-Jahrestiefs in Tesla und rief für den Elektroautohersteller bis 2025 gar ein Kursziel von 3000 Dollar aus, was gegenüber dem heutigen Kursniveau einer Wertsteigerung von abermals 400 Prozent entsprechen würde. 

„Wie oft will sie ihr dämliches Kursziel noch nach oben korrigieren, obwohl es keine neuen Nachrichten gibt?“ twittert der Hedgefondsmanager Doug Kass, um dann ein vernichtendes Urteil zu fällen. „ARK ist ein Witz. Sie erfinden Dinge. Keine Analysten, sondern eine Marketingmaschine“, watschte der Wall Street-Veteran die 65-Jährige vor drei Wochen schwer ab.   

Im mächtigen Reddit-Bord „Wall Street Bets“ wird Wood dagegen wie eine Ikone verehrt und vor allem unter weiblichen Anlegern als Heldin und moderne Version von Warren Buffett gefeiert. 2020 konnte der ARK Innovation ETF um enorme 153 Prozent zulegen. Allerdings zogen Anleger nach der zuletzt schwachen Performance im April zum ersten Mal seit Oktober 2019 mehrheitlich Gelder ab. 

Das Pendel ist bei einer der renommiertesten Tech-Investorinnen 2021 also nun in die andere Richtung ausgeschlagen. Über Woods Legendenstatus ist indes noch nichts entschieden. Ist die aktuelle Underperformance nur eine Schwächephase oder der Schwachpunkt einer All-in-Investmentstrategie im Techsektor?

Fest steht: Cathie Wood mag das Risiko – Big Tech scheint ihr zu langweilig. Ob das Risikoprofil für Tech-interessierte Anleger stimmt, muss jeder Investor selbst entscheiden. 

+++ Short Tech Reads +++

NZZ: Elon Musk spricht über sein Asperger-Syndrom

Tesla-Chef Elon Musk hat vor rund einem Monat sein Asperger-Syndrom bei „Saturday Night Live“ geoutet. Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat analysiert, inwieweit das autistische Syndrom den Führungsstil und die Management-Entscheidungen in der Vergangenheit beeinflusst hat.

Bloomberg: Netflix könnte bald auch T-Shirts und Konzertkarten verkaufen 

Streaming ist nicht genug. Branchenprimus Netflix entdeckt offenbar ein Nebengeschäftsfeld: T-Shirts- und Konzertkarten, berichtet Bloomberg. Zuvor hatte The Information bereits über den Einstieg auf dem Online-Spiele-Markt spekuliert. Vielleicht nicht die schlechteste Idee, denn der Umsatzzuwachs im jüngsten Quartal ist auf nur noch 18 Prozent abgesackt, das kleinste Plus seit Jahren, während Netflix den Atem von Disney+ spürt. 

CNBC:  Alibaba-Gründer Jack Ma konzentriert sich jetzt aufs Malen und Philanthropie

Um Jack Ma war es zuletzt still geworden. Es war kein gutes Zeichen, sondern Beginn eines denkwürdigen Absturzes von Alibaba. Nun erklärt Alibaba Co-Gründer Joe Tsai, „Ma geht es sehr, sehr gut. Er hat als Hobby angefangen zu malen und macht das gut.“

Ma habe sich aus dem Rampenlicht zurückgezogen und teile sich seine Zeit genauer für Hobbys und seine Philanthropie ein, verbreitet sich das Aufsichtsratsmitglied weiter. Dass sich Ma allerdings nicht mehr selbst erklärt, machte die Sache nur noch eigentümlicher. Der letzte Tweet des zweitreichsten Mannes Chinas stammt aus dem vergangenen Oktober. Die Alibaba-Aktie notiert weiter von den 52-Wochentiefs entfernt.

+++ One more Thing: Tesla will bald wieder Bitcoin akzeptieren +++ 

Einmal um die eigene Achse, bitte. Im März erteilte Tesla-Chef Elon Musk der damals boomenden Kryptowährung Bitcoin noch den Ritterschlag. Tesla investierte 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin und nahm die Cyberdevise als Zahlungsmittel entgegen.  

Nur zwei Monate später legte Musk eine 180-Grad-Wende hin. Ein Tesla-Kauf per Bitcoin wäre nicht länger möglich – wegen der schlechten Umweltbilanz der Cyberdevise.

Nach einem happigen Crash, in dessen Folge sich der Bitcoin-Preis binnen zwei Monaten mehr als halbierte, folgte am Wochenende wieder eine halbe Rolle vorwärts. Wenn das Bitcoin-Mining zu 50 Prozent durch erneuerbare Energien betrieben werde, würde Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel wieder zulassen.

Was extrem nebulös klingt, hat dem Bitcoin diese Woche einen kräftigen Schub gegeben und wieder auf die 40.000-Dollarmarke gehievt. Fest steht: Elon Musks Tweets bewegen die 750 Milliarden Dollar bewertete Kryptowährung weiter massiv. Der Bitcoin bleibt nichts für schwache Nerven. 

Cheers + bis nächste Woche!

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