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Ingeborg Trampe

TV-Team arbeitet mit Haken und Ösen

Ingeborg „Ibo“ Trampe im Porträt aus ihrer BBDO-Zeit – Foto: Trampe / MEEDIA

Mal ins Fernsehen zu kommen, ist der Traum vieler Agenturen. Doch plötzlich wurden die eigentlich unter einem guten Stern stehenden Dreharbeiten für BBDO zum Albtraum.

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Eigentlich waren wir generalstabsmäßig auf den Besuch des TV-Teams vorbereitet. Wir schreiben das Jahr 2006. Das Jahr übrigens, in dem BBDO auch 50-jähriges Agentur-Jubiläum feierte und ich damals als Director Corporate Communications für die Kommunikation verantwortlich war. Ein Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders hatte sich gemeldet, weil er ein Stück über Arbeitgeber der Region machen wollte. BBDO war gut aufgestellt, hatte zig neue Stellen geschaffen und war auf Wachstumskurs. Eigentlich gute Voraussetzungen. Als das Dreh-Team kam, wurde zunächst ein Interview mit dem damaligen CEO geführt. Dann luden wir Redakteur, Kamera- und Ton-Mann zum Lunch ein, bevor sie noch ein paar atmosphärische Bilder von der Agentur einfangen wollten.

Das Gespräch beim Lunch kam mir etwas weltfremd vor. So staunte das Redaktions-Trio, dass nach 18 Uhr noch in der Agentur gearbeitet wurde und auch ab und zu Wochenendarbeit anfiel, wie das eben etwa vor Pitches mal der Fall sein kann. Da das CEO-Interview aber gut gelaufen war, machte ich mir keinen Kopf. Nach dem Mittagessen begleitete eine Kollegin aus meinem Team die restlichen Dreharbeiten. Dabei wurde sie allerdings ausgetrickst. Als der Ton-Redakteur die Toilette suchte, büxten die beiden anderen Redakteure aus. Die Kollegin fand sie nach längerem Suchen im Gespräch mit einer Praktikantin, die dem erstaunten Dreh-Team Horror-Storys von ihren Praktika erzählte. Diese bezogen sich zwar nicht auf BBDO – wie sie auch immer wieder betonte –, aber waren für das TV-Team dennoch willkommener Anlass, BBDO in dem TV-Beitrag als Arbeitgeber „from hell“ zu beschreiben. Wir staunten nicht schlecht am nächsten Morgen. Vor allem, weil ein Düsseldorfer Ortskonkurrent, der in der Branche dafür bekannt war, Praktikant*innen zu verheizen, als leuchtendes Positivbeispiel angeführt wurde.

Ich ärgerte mich furchtbar, gleichzeitig wurde mir aber klar, dass gerade TV-Beiträge erst im Studio beim Schnitt entstehen und letztlich unkalkulierbar sind. Mein CEO nahm es Gott sei Dank gelassen. Am Ende hat der Beitrag der Agentur auch nicht geschadet. Dennoch war ich danach viel stärker auf der Hut, sobald es um TV-Beiträge ging.

Ingeborg Trampe war von 2004 bis 2009 Director Corporate Communications & Marketing und führt seit 2009 ihre eigene PR-Beratung in Hamburg.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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