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Facebooks Personalkarussell dreht sich weiter

Karriereknick? Facebooks Werbechefin Carolyn Everson geht

Carolyn Everson verläßt Facebook nach über zehn Jahren – Foto: IMAGO / Future Image

Bei der Neubesetzung eines Chief Business Officers bei Facebook zog Carolyn Everson den Kürzeren. Nun verlässt die charismatische Werbechefin Facebook. Nach über zehn Jahren.

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2011 trat Everson erstmals in Köln auf die DMexco-Bühne. Sie sollte von diesem Zeitpunkt an Facebooks Gesicht gegenüber der Werbeindustrie werden. Als Vice President Business verantwortete sie zuletzt etwa ein Viertel der weltweit ausgegebenen Gelder im Digitalmarketing, wie eine Studie von eMarketer besagt. Das ist Marketing-Geschichte. Am 9. Juni 2021 gab Everson auf ihrem Facebook-Profil ihre Kündigung bekannt.

“I am extremely proud of what we set out to accomplish but way more proud of my team and the support we showed each other, especially in difficult times.” Und schwere Zeiten gab es für Everson im letzten Jahr mehr als genug. Mitten in der Corona-Pandemie musste sie öffentlich dafür geradestehen, dass Facebook nicht genug für die Markensicherheit auf der eigenen Plattform tut. Unter dem Claim „Stop hate for profit“ hatten Hunderte von Unternehmen ihre Werbebudgets zeitweise eingefroren. Die Drohkulisse kulminierte in öffentlichen Boykott-Aufrufen.


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Mark Zuckerberg Kritik +StopHateforProfit

Gerade in Deutschland hatte Everson mit ihrer Rechtfertigung einen schweren Stand. In den Jahren 2016 und 2017 hatte sie auf der DMexco mit Nachdruck erklärt, wie wichtig ihr und dem Konzern sei, dass die Werbungtreibenden sich in einem sicheren Umfeld bewegen. Inzwischen sind die meisten Marken mit ihren Budgets zu Facebook zurück gekehrt. Das Stigma bleibt. Facebook gilt bei vielen Werbungtreibenden als enorm spannende Reichweitenplattform. Gleichzeitig werden die Diskussionen um mangelnde Transparenz bei der Messung eben dieser Reichweite und eben um das kritische Thema BrandSafety immer lauter.

Kündigung wegen Karriereknick?

Persönlich sollte es für Everson allerdings noch härter kommen. Im März 2021 hatte der Chief Revenue Officer David Fisher der Zuckerberg-Company den Rücken gekehrt. Er verlässt das Unternehmen zum Ende des Jahres. Zusammen mit Everson stand Fisher stellvertretend für den gigantischen ökonomischen Erfolg des Unternehmens.

Informationen von „CNBC“ zufolge, entschied man sich im Facebook-Vorstand dazu, die Stelle von Fisher nicht neu zu besetzen und stattdessen einen Chief Business Officer zu installieren. Carolyn Everson schien prädestiniert für diesen Posten, aber sie bekam ihn nicht. Marne Levine, Vice President Global Partnerships wird die neue Rolle bekleiden und wäre damit Eversons Vorgesetzte geworden.

„CNBC“ spekuliert, dass die gute Freundschaft zwischen Sandberg und Levine hier den Ausschlag gegeben haben könnte. Die Rolle von Everson wird ihre europäische Statthalterin Nicola Mendelsohn, Trägerin des „Order of the British Empire“, kommissarisch ausfüllen.

Raue Zeiten für Facebook

Das Unternehmen kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der Boykott-Aufruf im September 2020 verhallt war, startete direkt der nächste Konflikt. Facebook gegen Apple. Nachdem Apple angekündigt hatte, iOS-Devices ab der Software 14.5 (die im April 2021 veröffentlicht wurde) an der Weitergabe der Smartphone-ID zu hindern, drohte Facebook mit dem Verlassen des App-Stores.

Das Werbekonzept der Zuckerberg-Company ist stark davon abhängig, dass die Werbesysteme Identifikationssignale aus dem iOS-Universum bekommen. Zwar hat Facebook ein direktes LogIn, kann also mit den Nutzerdaten Targeting betreiben, nur fehlen dem System die Signale von außen fürs Matching. Retargeting auf Facebook, eine der wichtigsten Werbeformen, wird extrem schwierig.  


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Apple ließ die Kritik an sich abprallen und zog das Update mit einer leichten Zeitverzögerung planmäßig durch. Anders als in Europa hat Apple in den USA einen Marktanteil von über 50 Prozent bei den Mobilgeräten und somit verschwand der halbe Markt buchstäblich vom Bildschirm der Werbungtreibenden. Und er kehrt nicht zurück. Ersten Messungen zufolge stellen nur vier Prozent der Amerikaner die Sichtbarkeit wieder her, indem sie Tracking zustimmen.

Auch in Sachen VR-Brille musste Facebook jüngst einen personellen Rückschlag verkraften. Vor einem Monat kündigte Hugo Barra, Vice President der Reality Labs mit der Verantwortung für externe Partnerschaften. Die Reality Labs gingen aus der Akquise von Oculus VR im Jahre 2014 hervor. Die Personalie ist durchaus pikant, denn Barra hatte im Herbst das Erscheinen der smarten Facebook Brille für diesen Sommer angekündigt.

Nun hat er das Unternehmen verlassen, bevor die Brille erschienen ist. VR und die Smart Glasses gelten als eines der Lieblingsprojekte von Mark Zuckerberg.

Von wegen totgesagt: Die Werbebranche hat eine andere Einstellung zu Facebook – Foto: Statista

Unruhige Zeiten in Menlo Park, allerdings abgefedert durch ein beeindruckendes Geschäftsergebnis: 86 Mrd. Dollar hat man letztes Jahr umgesetzt und daran knapp 30 Mrd. Dollar verdient. Unter der wesentlichen Mitgestaltung von Fisher und Everson.

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