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Ignorante Wahlberichterstattung

Wie Medien ostdeutsche Namen verhunzen

Marietta Slomka im Gespräch mit Reiner Haseloff von CDU am Abend der Wahl in Sachsen-Anhalt. Foto: Screenshot ZDF

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fiel auf, dass Medienschaffende gewisse Dinge nicht richtig aussprechen. Ob Landeshauptstadt, Bürgerbezeichnung oder Ministerpräsidentennamen. Ignoranz gegenüber dem Osten?

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„Maaagdeburg“ – während der Name bei Marietta Slomka immer länger wird, zieht sich bei mir innerlich etwas leicht zusammen. Es ist ein bisschen wie dieses unschön quietschende Kratzgeräusch auf der Tafel. Warum? Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wurde rund um die Wahl phonetisch wiederholt gefoltert, nicht nur am Wahlabend im „Heute Journal“, das Phänomen begleitete die ganze Wahlkampfphase. Ich war kurz davor, eine Petition bei change.org aufzusetzen. Für fremde Ohren mag es da keinen Unterschied geben, könnte man sagen, aber ich komme aus Brandenburg und auch ich konnte die falsche Streckung bis über die Ländergrenzen hören. Machen wir’s kurz, im wahren Sinne: Statt Magdeburg mit drei „a“ wird die Landeshauptstadt knackig „Mackdeburg“ gesprochen. 

Und wo ich schon beim Redigieren bin: Wussten Sie, wie die Bürger Sachsen-Anhalts heißen? Ein Tipp: Es hat nichts mit dem Adelsgeschlecht der Anhaltiner zu tun. Auch wenn das sehr schmeichelhaft ist, aber in dem Bundesland ist von Anhaltern die Rede. Kurze Zwischenfrage: wie wird noch mal die sachsen-ANHALTISCHE Landeshauptstadt ausgesprochen? Sehr gut!     

Klar, jetzt kann man natürlich sagen, dass das alles nur Kleinlichkeiten sind. Ob ein Hasselhoff im sachsen-anhaltinischen Landtag in Maaagdeburg sitzt oder halt ein Haselhof (korrekt: Haseloff). Welche Rolle spielt das schon? Einmal Ohrenschmerzen ertragen und weiter geht’s. Die „Taz“ hat die ewige Verwechslung sogar zum Cover gemacht. Kann man machen. 

Ähnliche Dreher muss regelmäßig auch Ministerpräsident Kretschmer ertragen. Das ist der aus Sachsen, von der CDU. Nicht der von der Grünen aus Baden-Württemberg. Das ist Kretschmann. 

Das ging leider wieder an die Adresse Slomka. Auf Länderebene kam es dazu übrigens sogar schon einmal zu einem diplomatischen Zwischenfall, also fast, auf Twitter.

Geht es dabei um böse Absicht? Sicher nicht. Da habe ich Nachsicht. Aber am Ende geht es um etwas anderes: einmal um Professionalität. Ich erfreue mich gerne an den messerscharfen Fragen von Marietta Slomka. Und das noch mehr, wenn das Gerüst stimmt. Dazu gehört auch die richtige Aussprache der Namen von Ministerpräsidenten und Landeshauptstädten. Und es geht um das gute Gefühl der Wertschätzung beim Zuschauer, auch beim Ostdeutschen. Deswegen jetzt noch einmal alle zusammen: „Mackdeburg“.  

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