Anzeige

Sascha Welters

Traumatische Biber-Begegnungen

Sascha Welters – Foto: WPK / MEEDIA

Mit Restalkohol auf einem Betriebsfest der örtlichen Krankenversicherung kleine Kinder bespaßen, und das obendrein in einem luftdichten Ganzkörper-Biberpelz. So was kann doch nur schiefgehen.

Anzeige

Vor etlichen Jahren arbeitete ich nebenbei für eine kleine Werbeagentur im Düsseldorfer Raum. Eine dieser Agenturen, die die lokalen Händler mit Flyern betreut oder bei der örtlichen Krankenversicherung den Familientag umsetzt. Genau bei diesem hatte ich als studentische Hilfskraft einen Job. Sonntags.

Natürlich war am Vorabend ein Treffen mit Freunden und natürlich wurde es spät – und alkoholreich. Trotz eines ordentlichen Katers habe ich es zum verabredeten Ort geschafft, wenn auch etwas später als geplant. Man begrüßte mich mit einem lauten „Aaah“. Im Hinterzimmer lag ein mann-großes Kostüm von Blendi, dem Maskottchen der Kinderzahncreme von Blend-a-med. Mit einem süffisanten Lächeln zeigte mir der zuständige Kreative der Agentur, dass dies die Aufgabe ist, die dem Letztgekommenen zuteil geworden ist.

Ich versuchte leichte Schwindelgefühle zu ignorieren, als ich frisch geschnürt meinen ersten Auftritt hatte. In der Eingangshalle, in der das Betriebsfest stattfand, war schon einiges los, und gerade die Familien mit kleinen Kindern waren bereits zahlreich vertreten. Ich bin nicht sicher, ob ich leicht schwankte, aber ich bin sehr sicher, dass ein knapp zwei Meter großer Biber einen bleibenden Eindruck auf den zarten Seelen von drei- bis sechsjährigen Kindern hinterlassen kann. Nachdem ich um die Ecke kam, ging ein Geschrei los, dass an die Massenhysterie vor Beatles-Konzerten in den Sechzigern erinnerte. Nur, dass ich aus meinen limitierten Sehschlitz sehen konnte, dass die Schreie mehr aus Panik als aus Begeisterung entstanden.

Innerhalb weniger Minuten wurde ich vom Krankenkassen-Beauftragten wieder in den Umkleideraum geschoben. Aufkommende Panik bei den Lütten und Koordinationsschwierigkeiten beim angetrunkenen Biber waren wohl keine gute Kombination. Mein Kopf hämmerte und dank des gut isolierten Biber-Kostüms war ich klatschnass geschwitzt. Alle waren ratlos, wie es weitergehen sollte. Wir wagten am Nachmittag einen neuen Versuch, nachdem sich der Verantwortliche davon überzeugt hatte, dass nicht mehr allzu kleine Kinder im Raum sind und meine Verfassung ein munteres Tänzchen durch die Reihen zulässt.

Man kann sich etwa vorstellen, wie Blendi bei den nun größtenteils im Seniorenalter befindlichen Anwesenden ankam. Merkwürdigerweise hat mich diese Werbeagentur bis heute nicht mehr für einen Job angefragt.

Sascha Welters ist Managing Director von Wayne Parker Kent Deutschland, einer Agentur für Content-Marketing mit Zentrale in Amsterdam.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

Anzeige