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Vielfalt in den Medien

Credibility in Textform – so schwer ist das nicht

– Sabrina Harper Zeichnung: Bertil Brahm

Medien wollen und müssen glaubwürdig sein, um Erfolg zu haben. Allzu häufig wird die Credibility aber außer Acht gelassen, zum Beispiel wenn es um eine problematische Wortwahl bei Themen wie Rassismus geht.

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Jedes Jahr nehme ich Prüfungen für die IHK in den Bereichen Medien und Marketing ab. Die jungen Menschen sind nervös und stehen am Anfang ihres Werdegangs. In den mündlichen Prüfungen ist natürlich immer wieder der ein oder die andere zu Prüfende dabei, der bzw. die ins Fettnäpfchen tritt. So zum Beispiel eine Teilnehmerin, die eine Kampagne für ein Öko-Produkt vorstellte. Das Handout wurde statt mit Heftklammern durch eine schöne Naturkordel zusammengehalten. Die Farbgestaltung war an die Natur angelehnt. Gedruckt war das Ganze auf – Sie ahnen es – Standardpapier statt Recyclingpapier. Ich fragte nach der Kredibilität des Produkts. Dem Prüfling war das ganz schön peinlich. Und auch wenn das während der Prüfungssituation suboptimal war – ich denke, die Person hat was gelernt. Solch ein Fauxpas passiert genau einmal – danach nie wieder. Du bist dir danach darüber bewusst, was Authentizität und Kredibilität bedeutet.

Manche Redaktion kann aus diesem Beispiel etwas mitnehmen. So las ich zum Beispiel ein tolles Interview zum Thema Fußball und Rassismus in einem auflagenstarken B2C-Magazin. Aufhänger war das Erscheinen der Fußball-Doku „Schwarze Adler“, in der es um Rassismus im deutschen Fußball geht. In diesem Kontext sprach der Reporter mit zwei Protagonisten aus dem Film über das Thema, als Schwarzer Fußballer für die deutsche Nationalmannschaft gespielt zu haben. Ich begrüßte das Gespräch, das sich nicht nur um die Hautfarbe drehte, sondern auch um die Persönlichkeit dahinter. Kein elitäres Fußballertum und kein Glanz & Gloria. Und dann steht da plötzlich in der Fragestellung das Wort „farbig“!  

Ich konnte es mir nicht verkneifen einen Brief an die Redaktion zu schreiben. Wenn ein Thema aus sensiblen Bereichen wie Diskriminierung oder Rassismus aufgegriffen wird und nicht die üblichen Stereotype bespielt werden, ist das mehr als begrüßenswert. Aber warum lässt man dann nicht die dazugehörige Sorgfalt einfließen? In diesem Fall hätte ein Blick in ein Diversity-Lexikon gereicht, um in der Fragestellung das Wort „farbig“ durch einen politisch korrekten Begriff zu ersetzen. Oder noch viel besser – die Frage erst gar nicht so zu formulieren! Solch ein Lexikon ist online kostenlos abrufbar und Begrifflichkeiten sind schnell nachgeschaut. Übrigens, sogar im Duden ist ein Vermerk, dass das Wort problematisch ist.

Die falsche Wortwahl kann man nicht allein dem Redakteur bzw. der Redakteurin anlasten. Die Texte gehen in der Regel über den Tisch der Chefredaktion und – wenn die Redaktion noch nicht kaputtgespart wurde – auch ins Lektorat. Rutschen problematische Worte durch, dann kommt bei mir als Leserin viel Subtext an. Und es stellt sich für mich eine Reihe an Fragen: Hat sich die Redaktion wirklich mit der Thematik auseinandergesetzt? Gab es eine Autorisierung des Interviews durch die Interviewten? Warum ist keinem das Wort aufgefallen? Ist man sich wirklich der Verantwortung bewusst, die man als Medium hat? 

Verstehen Sie mich nicht falsch – bitte denken Sie Themen wie Vielfalt, Rassismus etc. weiter in ihrer Berichterstattung mit. Seien Sie sich aber auch darüber bewusst, dass sie nicht nur mit ihrer inhaltlichen Themenauswahl den gesellschaftlichen Diskurs beeinflussen, sondern auch mit ihrer Wortwahl. Mit der richtigen Sprache prägen Publisher übrigens nicht nur wie „die Welt da draußen“ kommuniziert, sondern auch ihre eigene Credibility. Und Glaubwürdigkeit ist in Zeiten von Fake News eines der wichtigsten Merkmale, um als Medium attraktiv zu sein. 


Sabrina Harper erlebt im Media Lab Bayern, wie innovativ die Medienbranche sein könnte und wundert sich, warum es in vielen Häusern ein Konjunktiv bleibt – zum Beispiel bei der Diversität.

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