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Google FLoC

Google und die Armee der Entwicklungshelfer

Foto: imago/ photothek

Google verlagert die Anonymisierung ins Smartphone und sammelt von Milliarden Android-Devices Nutzungsdaten. Ein smarter Move.

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Zuerst der Disclaimer: Ich habe eine Hassliebe zu Google, Apple oder Microsoft. Ich liebe deren Technologien und nutze von allem etwas (wobei Apple weniger) und gleichzeitig hasse ich deren Macht und gelegentlich aufgeführtes Machtgebaren. Und bevor jemand fragt: Ich habe ein Android-Handy und ein iPhone, einen Windows PC, einen Dyson-Staubsauger und keinen Weber-Grill.

Wenn Google das in hoher Qualität umsetzt, was man ohne Übertreibung als Rückgrat der kompletten Datenstrategie in Mountain View bezeichnen kann, wird es verdammt schwer für den Rest des Werbemarktes, da noch den Fuß in die Tür zu bekommen.

Drei Milliarden Android Devices werden ab Spätsommer regelmäßig kleine Datenpakete an Google senden. Dazu kommen noch 2,8 Mrd. Chrome-Browser, wobei es zwischen beiden Systemen natürlich erhebliche Überschneidungen gibt. Und dann gibt es noch Maps, Search, Docs, Meet, Drive und was weiß ich noch alles.

Die Datenpakete sind verschlüsselt und beschreiben die Nutzung von Software aber nicht den Benutzer. „Menschen, die auf Google nach Eintracht Frankfurt gesucht haben, machen beim Autofahren einen Bogen um Offenbach.“ So einfach ist die Welt zu erklären – wenn man an so viele Daten rankommt, wie Google.

Wir alle sind die konföderierten Entwicklungshelfer für FLoC (Federated Learning of Cohorts). Das ist Googles Schubladensystem für die Zielgruppenbeschreibung. Nur anders als Nielsen-Haushalte oder GfK-Panels sind diese Beschreibungen komplett variabel in Komplexität, Thema und Größe. Mit FLoC und der eigenen leistungsfähigen KI kann Google jedes Segment anonym und DSGVO-konform zusammenbauen und der Werbung zur Verfügung stellen. Besser geht es kaum.

Und damit nicht genug. Das Federated Learning liefert eben jener Google KI eine solche Masse an Trainingsdaten, dass sie besser als jeder andere Algorithmus versteht, wie die Welt funktioniert.

Als ich letzte Woche Googles Technikshow I/O folgte und dort sah, was für das neue Betriebssystem Android 12 geplant ist, lief mir ein Schauer über den Rücken. Ein Schauer der Liebe für die großartige Datenschutzidee und ein Schauer des Hasses für die spürbar weiter ansteigende Marktmacht dank schierer Größe und technischer Exzellenz.

Kann nicht endlich mal jemand kommen und es besser machen als Google? Derzeit wohl nicht. 

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