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Menschen und Marken

Tschüss, Homeoffice. Oder: Das große Comeback

Frank Dopheide – Illustration: Bertil Brahm

Nicht nur im Sport, auch im Arbeitsleben gibt es „Big Points“. Ein Moment, der ein Spiel drehen und entscheiden kann. Wer hier den Punkt macht, gewinnt – Spiele, Herzen und Vertrauen. Die Rückkehr der Mitarbeiter aus dem Homeoffice ins Büroleben ist so ein „Big Point“ für Unternehmen. Warum es für Führungskräfte für jede Führungskraft ratsam ist, diesem Moment besonderes Augenmerk zu schenken.

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Seit vierzehn langen Monaten fahren über zehn Millionen Mitarbeiter nicht mehr in den Betrieb, sondern gehen in den hauseigenen Keller, das Arbeitszimmer oder die Küche. Die Technik funktioniert Dank IT-Abteilung, Zoom und Telefónica (Kunde von Human Unlimited, Anmerk. d. Red.) reibungslos. Allerdings hat im Laufe der Zeit der persönliche Draht Rost angesetzt: die informellen Treffen, die Teeküche, der Flurfunk, der Kantinenplausch, die „running gags“, die Rituale sind auch mit hohem Datenvolumen nicht zu ersetzen. Das Digitale formt die Welt in Null und Eins – doch Menschen sind mehrdimensionaler. Für das Zwischenmenschliche, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens zu einem widerstandsfähigen Miteinander verwebt, herrscht seit vielen hundert Tagen Funkstille. Der kollegiale Austausch wurde gezwungenermaßen auf die Kleinstgruppe oder Briefmarkengröße geschrumpft. Der Mensch, das soziale Wesen leidet, wie wir an der Zunahme von Depressionen oder Körpergewicht ablesen können.

Doch nun kommt endlich Bewegung in die Sache.

Die Impfquote wächst täglich millionenfach. Und mit ihr die Hoffnung. Nicht mehr lange, dann ist die Luft rein und Tür und Tor werden wieder geöffnet.

Millionen Menschen strömen zurück ins Großraumbüro und an die Verkaufstresen. Die Vorfreude und das Kribbeln im Bauch sind so groß wie damals am ersten Arbeitstag. 

Wie gehen die Unternehmen damit um? Das Comeback ist „Big Point“. Ein Unternehmen, das sich in diesem Moment besonders ins Zeug legt, kann innerhalb eines Tages Vertrauen, Verbundenheit und Zuversicht gewinnen. Ein guter Tag, um Geschichte und Geschichten zu schreiben, die man sich Zuhause, bei Freunden und vielleicht sogar noch in ein paar Jahren erzählt. Doch vor lauter Arbeit, haben Unternehmen möglicherweise keinen Kopf dafür und laufen Gefahr ein Eigentor zu schießen, weil sie den Moment ungenutzt vorbeiziehen lassen.

Jetzt kommt es darauf an Flagge zu zeigen. Es ist eine Situation, wie wir sie vom Flughafen (damals vor Corona) kennen, wenn wir im Ankunftsterminal mit unserem Koffer durch die automatische Tür zum Ausgang rollen. Und dann ist niemand da, um uns abzuholen. Ein Moment der Leere. Manchmal steht ein Uber-Fahrer mit Firmenschild in der Halle, um uns in Empfang zu nehmen. Das ist professionell organisiert, aber wenig beglückend. Das Lachen, die Freude und das Glück stehen meist direkt vor dem Gate. Mit kleinen Blümchen, großen Luftballons oder selbstgemalten Schildern bewaffnet. Sie haben oft das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Ihre Energie und Freude springen über, manchmal sogar auf die Betrachter. Egal, wie lang der Flug, wie eng der Sitz und wie trocken das Brötchen waren – die Freude am Empfangen werden treibt unser Energielevel hoch. Und darauf kommt es an, wenn Mitarbeiter zurück ins Büro kommen. Die persönliche Geste, die Freude und das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Nennen wir es Willkommenskultur.

Machen Sie das Comeback Ihrer Mitarbeiter zum Booster für Energie und Freude. Setzen Sie die Effizienz und Projektsteuerung für einen Augenblick on hold und geben Sie der Freude und dem Zwischenmenschlichem Raum und Zeit. Es wird sich unmittelbar positiv auswirken. 

„Jetzt kommt es darauf an Flagge zu zeigen“

Schließlich ist Ihre Unternehmenskultur die Summe der unausgesprochenen Selbstverständlichkeiten. Da haben sich während der Pandemie vermutlich einige Fäden gelockert und gelöst. Das erste Zusammenkommen ist ein idealer Augenblick, um Gesprächsfäden aufzunehmen und Verbindungen neu zu knüpfen. Das macht die Arbeit und das Miteinander für alle kommenden Zeiten einfacher und besser. 

Die spürbare Freude am Miteinander, wirkt als Aufladestation, um neue Kraft freizusetzen. Die entscheidende Voraussetzung, um als Unternehmen über sich hinaus zu wachsen. Wenn Sie diesen „Big Point“ machen, dann gehen Sie vermutlich als Gewinner vom Platz. Lassen Sie die Chance nicht ungenutzt. Es gibt viel zu gewinnen. 


Frank Dopheide war Chairman von Grey und Geschäftsführer beim „Handelsblatt“. Zuletzt hat er die Purpose-Agentur Human Unlimited gegründet. Für MEEDIA schreibt er über Menschen, Marken und Menschenmarken.

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