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Malte Behrens

(K)eine ganz normale Goldverleihung

Malte Behrens – Foto: Moodagent / MEEDIA

In der gediegenen Atmosphäre der Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin wurde die Band 2raumwohnung für ihr Album geehrt. Die Veranstaltung verlief ruhig, keine laute Party. Am nächsten Tag jedoch stellte sich ein ganz anderes Bild ein.

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In den Nuller-Jahren war ich für die Bertelsmann Music Group als Labelmanager tätig und vermarktete unter anderem deutsche Bands wie 2raumwohnung. Da deren Debüt-Album über 100.000 verkaufte Einheiten verzeichnete, stand eine Goldverleihung an. Dazu muss man sagen, dass solche Verleihungen leider wesentlich unspektakulärer ablaufen, als die meisten Branchenfremden vermuten: Es wird ein Sektempfang inklusive Fingerfood für diejenigen organisiert, die einen Beitrag zum Erfolg geleistet haben, es werden ein paar Fotos von der Übergabe des Awards gemacht, und natürlich sind auch Journalist*innen eingeladen. 

Genauso fühlte es sich auch bei dieser Verleihung für 2raumwohnung an. Der einzige nennenswerte Unterschied war die etwas ausgefallenere Location, da wir in der Hauptstadt-Repräsentanz von Bertelsmann zusammenkamen, die eigentlich für hochrangige Empfänge der Bertelsmann-Führung genutzt wird. Durch diese Umgebung fühlte es sich fast noch etwas verhaltener und trockener an als sonst. Daher bin ich nach der Verleihung und ein paar netten Gesprächen auch nach Hause gegangen. 

Eine ganz normale Goldverleihung also. Bis am nächsten Morgen mein Handy klingelte und ich von einer Kollegin gefragt wurde, ob ich schon die Zeitung gelesen hätte. Tatsächlich waren Headlines wie „Skandal-Party bei Bertelsmann“ und „Sex, Drugs & Bertelsmann“ direkt zu finden und stündlich kamen weitere Artikel in Medien von der „Berliner Zeitung“ bis zum „Spiegel“ hinzu. Es wurde behauptet, dass Drogen konsumiert wurden und Orgien auf Konferenz-Tischen stattgefunden hätten. 

Ich fragte mich perplex, auf welcher Party ich gestern war und so ging es auch allen anderen Anwesenden, zum Beispiel den Bandmitgliedern Inga Humpe und Tommi Eckart. Der Tag wurde im weiteren Verlauf sehr ungemütlich. Keine zwei Stunden später fand ich mich gemeinsam mit ein paar Kolleg*innen wieder in besagter Repräsentanz, um Stellungnahme zu beziehen. Dass ich nur mit „Davon haben wir nichts mitbekommen“ dienen konnte, trug nicht zur Stimmung bei. 

Im Nachhinein klingt das Ganze unterhaltsam und skuril, eine Erklärung dafür habe ich bis heute nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass es an einem Kater gelegen hätte.

Malte Behrens ist General Manager von Moodagent Germany, einem Musik-Streamingdienst aus Dänemark.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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