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Unabhängiger Journalismus und CP-Auftragsarbeit

„Geo“ erstellt CP-Magazin „Now“ für Otto-Konzern

Cover des Magazins "Now" – Foto: Otto

„Geo“ gilt als eines der renommiertesten Wissensmagazine in der Branche. Jetzt kooperiert die zu Gruner + Jahr gehörende Zeitschrift mit dem Handelskonzern Otto. Sie produzieren den Corporate-Publishing-Titel „Now“, der sich thematisch um Nachhaltigkeit kümmert. Ein gewagtes Manöver.

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Eigentlich ist die Produktion von Corporation-Publishing-Magazinen bei der zur Bertelsmann gehörenden Verlagstochter Gruner + Jahr strikt beim Dienstleister Territory ausgelagert. Jetzt macht der neue G+J-Chef Stephan Schäfer eine Ausnahme. Das Wissensmagazin „Geo“ gibt seinen hervorragenden journalistischen Ruf her, um in Kooperation mit dem Hamburger Handelsriesen Otto das Corporate-Publishing-Magazin „Now“ zu starten. „Geo“-Chefredakteur Jens Schröder sieht hierin kein Problem. Klar mit „Ja“ beantwortet er die selbstgestellte Frage in einer Pressemitteilung, ob der seit Jahren von „Geo“ betriebene unabhängige Journalismus mit den kommerziellen Interessen eines Auftraggebers vereinbar sei.

„Als Journalist*innen ist es unsere Aufgabe, alle Facetten einer Geschichte ausgewogen darzustellen. Ob das bei einer Kooperation mit einem kommerziellen Partner gelingen kann – diese Frage hat uns gereizt, und wir können sie jetzt mit einem ,Ja’ beantworten“, sagt Schröder. Denn laut dem „Geo“-Chef eint die Auftragsproduktion mit Otto ein gemeinsames Ziel: „die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft und unseres Planeten. Journalismus kann auch auf diese Weise einen Teil dazu beitragen: Indem er ernsthaft engagierten Akteuren aus anderen Bereichen sein Handwerkszeug und seinen professionellen Blick zur Verfügung stellt“. 

Otto kann sich mit der „Geo“-Zusammenarbeit weiter positionieren

Für den Handelsriesen Otto ist das Zeitschriftenvorhaben mit „Geo“ ein gutes Aushängeschild, um sich als nachhaltig agierender Konzern weiter zu profilieren. Denn der frühere Firmenchef Michael Otto, der inzwischen in den Aufsichtsrat des milliardenschweren Familienunternehmens gewechselt ist, engagiert sich seit Jahren für den Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften in der deutschen Wirtschaft. Jetzt hat Otto mit „Now“ die Chance, hier seinen guten Ruf weiter zu festigen – vor allem bei seiner Belegschaft.

Denn von den rund 100.000 gedruckten „Now“-Exemplaren sind rund 50.000 Stück für Mitarbeiter der Otto Group bestimmt, der Rest soll an Entscheider und Multiplikatoren aus Medien, Politik und Gesellschaft gehen. Ein Teil der Auflage erscheint zugleich auch in englischer Sprache.

Ob die „Geo“-Leser eine solche Verwässerung der Zeitschriftenmarke gutheißen, bleibt abzuwarten. Wirtschaftlich ist die Auftragsproduktion für „Geo“ hilfreich. Denn die Zeitschrift hat jüngst beim Absatz deutlich Federn gelassen. Die verkaufte Auflage lag im 1. Quartal 2021 bei etwas mehr als 165.000 Exemplaren. Das war zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum ein Minus von 13 Prozent. Zugutehalten muss man den „Geo“-Machern aber das aktuelle Umfeld: Denn durch die Corona-Krise sind Reisen massiv eingeschränkt. Erst mit dem Ende der Pandemie nehmen die Buchungen für Flugreisen wieder deutlich zu – und damit auch das Interesse an Reisethemen.

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