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Entwicklerkonferenz

I/O: Google intensiviert Wette auf künstliche Intelligenz – mit Hologramm-Display

Foto: Imago

Alle Jahre wieder laden die führenden Technologie- und Internetkonzerne zu Entwicklerkonferenzen, um eine Vorschau auf Softwareneuerungen zu geben – so auch Google. Der zweitwertvollste Internetkonzern der Welt präsentierte gestern in Mountain View eine Vorschau auf das neue Betriebssystem Android 12, marginale Upgrades bei anderen Google-Diensten und auf ein Hologramm-Display, das Videochats grundlegend verändern könnte – irgendwann in der Zukunft

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Seit Apple-Gründer Steve Jobs das Keynote-Mantra „One more thing“ salonfähig gemacht hat, gilt im Silicon Valley: Jede Produktvorschau braucht ihren finalen Cliffhanger – der Moment, der vom Presse-Event hängenbleibt. Auf Googles turnusmäßiger Entwicklerkonferenz I/O (Abkürzung für „input / output“ – zu deutsch: Eingabe / Ausgabe) war dies fraglos das Project Starline – ein Hologramm-Display.

Es klingt und sieht aus wie in einem Science Fiction-Film: Nutzer blicken in das „Zauberfenster“ – so beschreibt Google die Technologie selbst – und sehen ihr Gegenüber, als säße die Person direkt gegenüber: dreidimensional, in realer Körpergröße. Die neue KI-Technologie sei als Antwort auf die neue räumliche Isolation in der Corona-Pandemie entstanden, in der unzählige Menschen durch Lock- und Shutdowns von der Familie, Freunden oder Kollegen getrennt wurden.

Project Starline: ein Ankündigungscoup

Wie Googles Augmented und Virtual Reality-Chef Clay Bavor erklärt, sei das Kommunikationserlebnis so real, als würde die andere Person im gleichen Raum sitzen. „Die Technologie bleibt im Hintergrund“, erklärt Bavor – ein Eingeständnis an den gefloppten Einsatz von Google Glass vor rund acht Jahren, bei dem die klobige Datenbrille als störendes Element empfunden wurde und nie im Alltag ankam.

Ob das bei der Hologramm-Technologie am Ende anders sein wird, bleibt offen, denn in allererster Linie ist Project Starline wieder einmal ein Showcase, ein Ankündigungscoup, der unterstreicht, was Google technologisch alles kann. Ob und wann und zu welchem Preis die vermeintlich magische Hologramm-Technologie auf den Markt kommt, bleibt freilich vollkommen unklar.

Google-Dienste werden smarter – wieder einmal

Fürs Alltagsgeschäft präsentierten CEO Sundar Pichai und sein Führungsteam bei der Vorschau auf das nächste mobile Betriebssystem Android 12 („Material You“) einige marginale Updates: Die Benutzeroberfläche erhält etwa eine Designauffrischung und wird individuell anpassbarer.

Auch Googles Standard-Dienste sind dank künstlicher Intelligenz (KI) schon wieder smarter geworden: In Google Maps soll die KI Routen nach neuen Auswahlkriterien (Treibstoffverbrauch / Sicherheit) berechnen, in Google Docs wurde mit Smart Canavas die Projektverwaltung und -Zusammenarbeit optimiert, während die nächste Generation von Google Fotos mit neuen Collagen-Zusammenstellungen und etwa dem neue Feature „Cinematic Moments“ für bewegtere Bilder daherkommt. Auch ein neues Gesundheitstool zur Hautkrebsfrüherkennung wurde vorgestellt.

Beeindruckend und gespenstisch zugleich: CEO Sundar Pichai gewährte einen Ausblick auf die Dialog-KI LaMDA, die für „Language Model for Dialogue Applications“ steht und sich etwa in einen Papierflieger oder gar den Planeten Pluto hineinversetzen kann.

Weil sich Googles I/O aber ausschließlich auf Software-Produktankündigungen beschränkte und der Internetgigant keine einzige Hardware-Vorstellung machte, reagierte die Wall Street achselzuckend – die Alphabet-Aktie verlor knapp ein Prozent.

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