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AGF-Streaming-Daten

AGF veröffentlicht wieder Mediatheken-Charts: „Die Dirigentin“ im April vorn

"Die Dirigentin" - © NDR/shooting star filmcompany

Die AGF veröffentlicht nach einer Pause von rund einem Jahr wieder Rankings der erfolgreichsten Sendungen aus den Mediatheken von ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1 & Co. – ab sofort nach hochgerechneten Netto-Reichweiten. Die Nummer 1 des Monats April heißt dabei überraschenderweise „Die Dirigentin“. Nicht die einzige Überraschung.

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Bis zum Frühjahr 2020 hatten die Einschaltquoten-Messer der AGF wöchentliche Streaming-Rankings auf ihrer Website veröffentlicht, dann aber eine Pause von etwa einem Jahr eingelegt. Nun gibt es wieder solche Rankings – allerdings auf monatlicher Basis. Neu dabei: Die Hitlisten basieren auf hochgerechneten Netto-Reichweiten.

Um die Daten besser mit anderen Zahlen aus dem Netz vergleichen zu können, zählt zudem schon das Schauen einer einzigen Sekunde, um in die Netto-Reichweite einzugehen – und eben nicht erst das Schauen einer ganzen Sendung. Um solche Netto-Reichweiten wiederum besser mit den parallel erreichten Zuschauerzahlen des linearen Fernsehens vergleichen zu können, stellt die AGF die Netto-Reichweiten aus Streaming und TV nebeneinander.

So kam die „heute-show“ vom 16. April demnach beispielsweise im linearen Fernsehen auf eine Netto-Reichweite von mehr als 8 Millionen – im Durchschnitt der gesamten Sendung waren es 4,73 Millionen. Hinzu kommen zu den mehr als 8 Millionen nun noch 0,462 Millionen via ZDF-Mediathek, sodass die AGF eine TV+Streaming-Reichweite von 8,544 Millionen ausweist.

So interessant die Zahlen sind, so viele Fragen hinterlassen die ersten Monats-Rankings aber auch. In der Top 20 der ARD findet sich beispielsweise kein einziger „Tatort“, dafür erreichte laut AGF aber der niederländische Kinofilm „Die Dirigentin“, der im April im NDR Fernsehen lief, in der ARD-Mediathek die höchste Netto-Reichweite des Monats: 911.000. Stimmt diese Zahl, wäre das ein sensationeller Erfolg für einen solch kleinen Nischen-Film. Auf den weiteren Plätzen der ARD folgen eine Folge „Dittsche“ mit 543.000 und die „Praxis mit Meerblick“ mit 542.000 Sehern.

Neben dem offenbar sensationellen Erfolg der „Dirigentin“ enthalten die offiziellen AGF-Rankings weitere Punkte, die hinterfragt werden müssen: So finden sich in der Top 20 des ZDF die Ausgaben vom 9. und 16. April der „heute-show“ und des „ZDF Magazins Royale“ – allerdings nicht die vom 23. und 30. April. Kann es sein, dass die Folgen vom 23. und 30. April beider Formate so viel schwächer in der Mediathek liefen?

Beim KiKA erreichte eine Folge der Serie „Schloss Einstein“ zudem mit 582.000 Sehern eine Netto-Reichweite, die meilenweit über allen (!) ZDF-Programmen des Monats Aprils liegt. Das Top-20-Ranking der „kooperierten Programme“ von KiKA, arte und 3sat enthält aber nur die Folgen 975, 980 und 985 der Serie. Wurden hier womöglich mehrere Folgen zusammengerechnet und dadurch eine so hohe Netto-Reichweite erzielt? Zwar fasst die AGF in ihren Streaming-Rankings Serien durchaus zu Blöcken zusammen, wenn sie am Stück gezeigt wurden – beispielsweise bei der arte-Serie „Salamander“, doch „Schloss Einstein“ läuft mit einer neuen Folge pro Tag – und eben nicht mit fünf am Stück. Mehr Klarheit in den Rankings wäre hier wünschenswert.

Etwas logischer erscheinen die Zahlen der RTL- und ProSiebenSat.1-Sendern: Bei der Mediengruppe RTL erreichte laut AGF eine Folge „GZSZ“ mit 154.000 Zuschauern die höchste Netto-Reichweite des Aprils, dahinter folgen eine Ausgabe von „Sing meinen Song“, nochmal „GZSZ“ und „Let’s Dance“ vom 30. April. Bei ProSiebenSat.1 gingen die ersten fünf Plätze im April allesamt an die fünf „Germany’s next Topmodel“-Shows des Monats – mit Netto-Reichweiten von 321.000 bis 479.000.

Die AGF wird die Streaming-Hitlisten ab sofort jeweils Mitte des Folgemonats auf der eigenen Website veröffentlichen. Mitte des Monats deswegen, damit auch Programme, die am Ende eines Monats ihre Premiere feiern, mit sieben Tagen Nutzung in die Wertung kommen. Denn: Für die Streaming-Hitlisten relevant sind die sieben ersten Tage nach der TV-Ausstrahlung, sowie – falls die Sendung vorab im Netz gezeigt wurde – die sieben Tage vor der TV-Ausstrahlung.

Ob der Fokus auf die Netto-Reichweite dabei wirklich die beste Wahl ist, muss sich erst zeigen. Schließlich ist die „harte Währung“ des Fernsehens – die Durchschnitts-Zuschauerzahl einer kompletten Sendung – seit Jahrzehnten gelernt und bewährt. Nun zählen alle Zuschauer gleich: egal, ob sie eine Sekunde oder 90 Minuten lang zugeschaut haben. Eins sollten AGF und die entsprechenden Sender bis zum kommenden Monat auf jeden Fall verbessern: die Klarheit in den Daten insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Mediatheken.

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