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Quartalsbilanz

Disneys Streaming-Siegeszug verlangsamt sich

Foto: Imago

Auch der wertvollste Medienkonzern der Welt spürt die Grenzen des Wachstums. Mit der neusten Quartalsbilanz konnte die Walt Disney Company Anleger und Analysten nicht überzeugen – die Aktie gibt deutlich nach. Ein Grund: Disney+ wächst schwächer als erwartet.

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Auch wenn die Wall Street längst in der Post-Corona-Zeit angekommen scheint, waren die Belastungen durch die Pandemie beim wertvollsten Medienkonzern der Welt im ersten Kalenderquartal weiter spürbar. Im Dreimonatszeitraum Januar bis März, der bereits das zweite Quartal des neuen Fiskaljahres darstellt, musste Disney erneut eine rückläufige Geschäftsentwicklung hinnehmen, auch wenn die ermäßigten Erwartungen teilweise übertroffen wurden.

So musste das Dow Jones-Mitglied im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im ersten Kalenderquartal 2021 erneut einen deutlichen Umsatzrückgang von diesmal 13 Prozent auf nunmehr 15,61 Milliarden Dollar verbuchen. Damit unterbot der 97 Jahre alte Medienpionier die Konsensschätzungen der Wall Street, die noch bei Erlösen von 15,87 Milliarden Dollar gelegen hatten. Zwölf Monate zuvor hatte Disney im ersten Kalenderquartal 2020 noch Umsätze von 18,02 Milliarden Dollar ausgewiesen. 

Gewinnverdopplung im Auftaktquartal

Das Konzernergebnis litt unterdessen weiter unter den Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Pandemie – allen voran den weiterhin teilweise geschlossenen Freizeitparks. Nach zwei Quartalsverlusten in Folge und einem Mini-Gewinn im Vorquartal konnte Disney zu Jahresbeginn nun aber wieder deutlichere Gewinne von 912 Millionen Dollar einfahren.

Im Vorjahreszeitraum hatte Disney nach dem Beginn der Corona-Pandemie in Asien noch lediglich 468 Millionen verdient; der Nettogewinn konnte damit fast verdoppelt werden. Das Konzernergebnis fiel mit einem Gewinn je Aktie von 79 Cent deutlich besser aus als von Analysten erwartet, die noch mit einem Plus von 27 Cent je Anteilsschein gerechnet hatten.

Freizeitparks weiter von Corona-Folgen betroffen

Der Grund für die erwartet schwächere Umsatzentwicklung ist erneut in der massiven Underperformance des Freizeitpark-Segments zu suchen. Weil die einträglichen Disneyland- und Disneyworld-Parks im ersten Kalenderquartal weiterhin in einigen Teilen der Welt wegen des Lockdowns geschlossen oder nur mit verringerten Kapazitäten geöffnet waren, gaben die Erlöse um weitere 44 Prozent nach.

Die Umsätze verringerten sich von 5,66 Milliarden Dollar auf nunmehr nur noch 3,17 Milliarden Dollar, während sich die Vorjahresgewinne der Sparte von 756 Milliarden Dollar schon wieder in einen operativen Verlust von 406 Millionen Dollar verwandelten.

Filmgeschäft weiter unter Druck, TV-Sparte stabil

Das klassische Filmgeschäft, das Disney nunmehr im Segment ‚Content Sales/Licensing and Other‘ zusammenfasst, geriet ebenfalls massiv unter Druck. Verschobene Filmstarts belasten den Branchenpionier ebenso wie der Besucherrückgang in Kinos durch die anhaltenden Beschränkungen im öffentlichen Leben. Im Vergleich zum Vorjahresquartal gaben die Umsätze der Filmsparte wegen der Coronakrise erneut um mehr als ein Drittel von 3,01 Milliarden auf nur noch 1,91 Milliarden Dollar nach, während Disney zumindest wieder einen operativen Gewinn von 312 Millionen Dollar verbuchen konnte (nach Verlusten von 25 Millionen Dollar im Vorjahresquartal).

Das Fernsehgeschäft mit ABC, National Geographic, ESPN und dem Spartenkanal FX hat sich in Zeiten von COVID-19 noch am robustesten entwickelt. Im abgelaufenen Quartal verzeichnete Disney zwar minimale Anzeigenrückgänge. Die TV-Sparte ‚Linear Networks‘ gab entsprechend um 4 Prozent auf Umsätze von 6,75 Milliarden Dollar nach, konnte aber den operativen Gewinn um 15 Prozent auf satte 2,85 Milliarden Dollar steigern.

Disney+ bleibt deutlich unter den Erwartungen

Das große Wachstumssegment in Disneys Konzernbilanz ist dagegen der neu geschaffene Unternehmensbereich ‚Direct-to-Consumer & International‘, dessen Erlöse um 59 Prozent auf nunmehr 4,0 Milliarden Dollar anzogen. Maßgeblichen Anteil hat daran der erst vor eineinhalb Jahren gelaunchte Streaming-Dienst Disney+, der im ersten Kalenderquartal allerdings „nur“ noch weitere 8,7 Millionen neue Abonnenten verbuchen konnte.

Per Anfang April brachte es Disney+ somit auf 103,6 Millionen zahlende Mitglieder – Analysten hatten jedoch mit 109 Millionen Abonnenten gerechnet. Zusammen mit dem Video-on-Demand-Service Hulu (41,6 Millionen) und dem Sportfernsehangebot ESPN+ (13,8 Millionen) bringt es Disney mittlerweile auf 159 Millionen Streaming-Abonnenten.

Anleger reagierten enttäuscht auf die merkliche Verlangsamung des Abonnentenwachstums und schickten die Disney-Aktie im nachbörslichen Handel um rund vier Prozent auf 171 Dollar nach unten. Seit Jahresbeginn hat der Mickey-Mouse-Konzern damit mehr als 5 Prozent an Wert eingebüßt.

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