Anzeige

Wochenrückblick

Für Gabor Steingart ist RTL ein Dinosaurier

Wenn’s relevant wird und eine Story drin ist, nutzen auch Datenschützer mal ein Datenleck. Gabor Steigart findet, dass RTL ein Dinosaurier-Sender ist und das hat nix mit „Jurassic Park“ zu tun. Und jeder sollte das Recht haben, auch mal was Dummes zu sagen. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

Anzeige

Netzpolitik.org hat also diese Woche enthüllt, dass der Schauspieler Volker Bruch („Babylon Berlin“) einen Mitgliedsantrag bei der Querdenker-Partei „Die Basis“ gestellt hat. Das ist mit Blick auf die andauernde Diskussion um diese #allesdichtmachen Aktion natürlich relevant und von öffentlichem Interesse und gehört berichtet. Bemerkenswert finde ich trotzdem, dass die Info zum Mitgliedsantrag aus einem Datenleck der Partei stammt und jetzt das deutsche Datenschutz-Medium Nr.1 diesen Leak nutzt, um den „Basis“-Antrag des Volker Bruch zu enthüllen.

+++

Steigt Gabor Steingart jetzt auch noch in den Medienjournalismus ein? Am heutigen Freitag hat er in seinem „Morning Briefing“ ein eher langes Stück zur Quartalsbilanz der RTL Group. Normalerweise sind Medien-Wirtschaftsdaten nicht so sein Ding. In dem Text werden zwar alle wichtigen Argumentationslinien für die leicht zurückgehenden Umsätze (-4,2%) genannt und auch erwähnt, dass die Streaming-Sparte gut läuft. Am Ende bleibt aber hängen, dass die Pandemie „schonungslos die Schwäche von RTL“ offenlege, so Steingart. Das Unternehmen sei „ein Kind des linearen Fernsehens“, mithin ein „T-Rex des Privatfernsehens“. Kein netter Vergleich. Wir wissen ja, was mit den Dinosauriern passiert ist. Für mich riecht das ein bisschen so, als habe Steingart da eine Rechnung offen. Bloß welche?

+++

Es war schon selten dämlich und entlarvend vom ehemaligen Nationaltorhüter Jens Lehmann, den Sky-Experten und früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo in einer WhatsApp-Nachricht als „Quotenschwarzer“ zu bezeichnen. Die Nachricht fand den Weg zu Aogo, der sie bei Instagram öffentlich machte. Lehmann entschuldigte sich, war aber in Folge trotzdem seinen Job im Aufsichtsrat von Hertha BSC los. Auch Sky und Sport1 erklärten, künftig auf Lehmann als Gast zu verzichten. Lehmanns Äußerung war rassistisch und dumm. Dass er seinen Posten deswegen los ist, hat er sich selbst zuzuschreiben. Jetzt ist aber auch Aogo seinen Sky-Job los. Bei einer Fußball-Übertragung sagte er, die Spieler würden „Trainieren bis zum Vergasen“. Zur „Bild“ sagte er dazu: „Dieses Wort darf man selbstverständlich in überhaupt keinem Zusammenhang verwenden. Das war ein großer Fehler, ich kann mich dafür nur aufrichtig entschuldigen.“ Nun lässt er seine Tätigkeit bei Sky „ruhen“. Ja, „Vergasen“ ist ein Terminus aus dem Ersten Weltkrieg und weckt auch Assoziationen an den Holocaust. Aber es glaubt doch niemand im Ernst, Aogo habe dieses Wort bewusst so einsetzen wollen. Sagt er ja auch selbst. Lehmanns „Quotenschwarzer“ war rassistisch UND dumm. Aogos „Vergasen“ war einfach NUR dumm. Dumme Sachen sagt jeder mal. Wir sollten ein wenig nachsichtiger miteinander sein. Wie Aogo selbst auf die Lehmann-Äußerung reagierte, ist da schon mal ein guter Anfang:

+++

Zum Schluss noch ein Fundstück. Die frühere „Spiegel“-Politikjournalistin Annette Bruhns wurde vergangenes Jahr Chefredakteurin der Hamburger Straßenzeitung „Hinz & Kunzt“. Und nicht nur das – sie bringt das Heft auch selbst unter die Leute und sieht dabei sehr happy aus. Es muss nicht immer die Arbeit für die große, bedeutende Medienmarke sein, die glücklich macht.

Genauso happy gehen Sie jetzt hoffentlich ins Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ drösle ich mit Christian Meier von der „Welt“ auf, wie sich die Medien bei der Berichterstattung zu #allesdichtmachen geschlagen haben. Spoiler: Nicht immer gut. Außerdem schauen wir uns Donald Trumps Twitter-Substitut an und reden nochmal über die missratenen Tweets von ARD und ZDF. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

Anzeige