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Quartalszahlen

Die „New York Times“ lockt nur halb so viele Digitalabonnenten an wie vor einem Jahr

Foto: imago images / Levine-Rob

Auch die „New York Times“, sowohl nach journalistischen Kriterien als auch dem Geschäftsmodell das große Vorbild für Verleger rund um den Globus, ist vor Gegenwind nicht gefeit. Im ersten Quartal unter dem neuen Präsidenten Joe Biden verebbt die große Wachstumsdynamik der Vorjahre.

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Ein Gespenst geht um: der „Trump Slump“. Bereits Ende März machten erste Indikationen deutlich, dass das Ende der Trump-Ära US-Medien nicht gut bekommt. Nicht nur Nachrichtensender wie CNN und MSNBC hatten deutlich sinkende Primetime-Quoten zu beklagen, auch die großen US-Tageszeitungen mussten zumindest Reichweitenverluste hinnehmen.

Marktforscher Comscore bescheinigte der „New York Times“ im Februar etwa einen Rückgang der Unique Visitors um 16 Prozent unter dem Niveau des Vergleichsmonats im Vorjahr. Der Fingerzeig hat nicht getrogen. Erstmals seit Jahren sind beim Platzhirsch des US-Journalismus empfindliche Bremsspuren in der Wachstumsstory zu begutachten.

Besser als erwartete Q1-Bilanz

In Dollar und Cent konnte die New York Times Company im ersten Quartal weiterhin auftrumpfen. Von Anfang Januar bis Ende März legten die Umsätze immerhin um 6,6 Prozent auf nunmehr 473 Millionen Dollar zu. Die Analysten hatten durchschnittlich mit Erlösen in Höhe von 462,3 Millionen Dollar gerechnet. Vor einem Jahr hatte das US-Verlagshaus noch 443,6 Millionen Dollar erlöst.

Auch die Gewinnentwicklung lag über den Konsensschätzungen – und das sogar deutlich. Statt eines Gewinns je Aktie in Höhe von 13 Cent konnte die NYT tatsächlich einen Gewinn je Anteilsschein von 26 Cent ausweisen, der einem Nettogewinn von 41,1 Millionen Dollar entsprach und damit einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gleichkommt.

Abo-Wachstum halbiert sich

Allein: Die Lebensversicherung der “Gray Lady”, das vielfach bewunderte Abonnentengeschäft, das der NYT im Corona- und Wahljahr 2020 noch so viele neue Leser wie noch nie beschert hat, schwächelt erkennbar. Konnte die 170 Jahre alte Traditionszeitung im ersten Quartal 2020 noch 587.000 neue Digitalabonnenten hinzugewinnen, waren es in den ersten 90 Tagen 2021 dagegen „nur“ noch 301.000 neue zahlende Online-Leser.

Auffälliger noch: Lediglich 167.000 neue Digitalabonnenten entschieden sich für das Newsangebot der „New York Times“. Weitere 134.000 Neuabonnenten entschieden sich dagegen für das günstigere Koch-, Spiele- und Audioangebot.

Bereits 55 Prozent aller Abo-Umsätze digital

Insgesamt bringt es die „New York Times“ damit per Ende März auf knapp 7 Millionen Digital Only-Abonnenten bzw. 7,8 Millionen Abonnenten inklusive der Printausgabe. Innerhalb eines Jahres konnte die NYT damit 2,15 Millionen neue Digitalabonnenten hinzugewinnen und verlor gleichzeitig rund 150.000 zahlende Printleser.

Die mit Abonnements erzielten Erlöse legten im ersten Quartal in der Gesamtheit (Print und Online) um mehr als 15 Prozent auf nunmehr bereits 329,1 Millionen Dollar zu (Vorjahresquartal: 285,43 Millionen Dollar). Digital wuchsen die Abo-Erlöse bereits um 38 Prozent auf 179,6 Millionen Dollar (Vorjahresquartal: 130 Millionen Dollar) und machen damit bereits 55 Prozent der gesamten Abonnentenumsätze aus.

Anzeigengeschäft weiter unter Druck

Malus der NYT Company bleibt wie bei so vielen Verlagen das rückläufige Anzeigengeschäft, zumal in der Corona-Krise. Die mit Werbung erzielten Umsätze gaben um weitere 8,5 Prozent auf nur noch 97,1 Millionen Dollar (Vorjahresquartal: 106 Millionen Dollar) nach und machen inzwischen fast nur noch ein Fünftel der gesamten Konzernerlöse aus.

Auch die Erlöse der sogenannten „Other Revenues“, zu denen das wachsende Content-Marketing-Geschäft der Division T Brand oder etwa neue Medienproduktionen wie die Netflix-Serie „The Weekly“ zählen, gaben um 10 Prozent auf 46,8 Millionen Dollar nach.

NYT-Aktie geht in Biden-Ära in Sturzflug über

Obwohl die New York Times Company in der Geschäftsentwicklung die Erwartungen der Wall Street übertreffen konnte, reagierten Anleger höchst reserviert auf das neue Zahlenwerk: Die Aktie verliert im frühen Handel um mehr als sechs Prozent.

Der seit Monaten bestehende Grundverdacht hat in der Bilanz schließlich seinen Niederschlag gefunden: Das einst so furiose Abonnentenwachstum scheint im Biden-Zeitalter ins Stocken zu geraten. Seit Jahresbeginn – und damit praktisch seit Beginn der Biden/Harris-Administration – hat die Aktie der New York Times nunmehr bereits 18 Prozent an Wert verloren.

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