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Debatte um gelöschte Tweets

Twitter offenbart die Haltungsschäden von ARD und ZDF

IMAGO / Future Image

Innerhalb kürzester Zeit lassen sich ARD und ZDF auf Twitter zu umstrittenen Äußerungen hinreißen. Alles nur ein Versehen? Von wegen: Das Ganze hat System – und geschieht im Sinne eines grünen Weltbildes.

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Twitter ist ein schnelles Medium. Es lädt dazu ein, schnell in die Tasten zu hauen. Außerdem ist der Platz sehr kurz. Da muss die Botschaft sitzen oder wenigstens die Pointe. Da kann man nicht abwägen, einerseits so, andererseits so. Wer getrieben wird von diesen 280 Zeichen – wem es also nicht nur um das Transportieren von Informationen geht –, der biegt bisweilen auch falsch ab. Das wäre an und für sich kein Problem, solange der Fehler nicht im System liegt. Womit wir bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wären.

MEEDIA-Redakteur Ben Krischke

Zuletzt haben sich ARD und ZDF auf Twitter gleich mehrfach verlaufen. Über den Twitter-Account von Das Erste zum Beispiel wurde einem Nutzer vehement widersprochen, der an der Allgemeinbildung von Annalena Baerbock und damit an ihrer Qualifikation als Kanzlerin zweifelte. So viel Frevel ließ die der Ausgewogenheit verpflichtete Anstalt nicht auf sich sitzen: „Wie kommen Sie dazu, dass die Frau nicht gebildet ist? Schauen Sie sich die Ausbildung der Frau an. Wenn das keine Bildung ist…“.

Der Tweet wurde mittlerweile gelöscht, aber der Vorgang offenbart drei Dinge: Erstens, dass man in der Social-Media-Abteilung der ARD den Unterschied zwischen Bildung und Allgemeinbildung nicht kennt. Zweitens eine erschreckende politische Naivität und drittens ein redaktionelles Umfeld, in dem mindestens geduldet wird, dass man sich punktuell wie die Pressestelle der Grünen geriert. Ach komm, der eine Tweet, werden jetzt manche einwerfen. Nur ist es eben nicht der eine Tweet.

Bei der ARD hat die Grünenliebe System. Das Groupie-Gebaren, wenn es um die Grünen geht, reicht bis ganz nach oben. Zum Beispiel bis zu Tina Hassel, die regelmäßig in ihrer Doppelrolle als Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros und externe Pressesprecherin der Grünen auffällt. Auch jüngst wieder hat Tina Hassel bei Twitter Annalena Baerbock zitiert, die wiederum Michelle Obama zitierte. Kleiner geht’s offenbar nicht.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es beim ZDF nicht viel besser aussieht. Der Sender, der – kein Witz – einst als konservatives Gegengewicht zur ARD gegründet wurde, zeigt seit neuestem nicht nur viel Verständnis für die Grünen – mal abgesehen von Markus Lanz vielleicht –, sondern auch für gewalttätigen Protest gegen Wohnungsunternehmen und deren Mitarbeiter. Zitat: „Brennende Baumaschinen, Angriffe auf Wohnungsunternehmen. Und warum? Weil Wohnraum immer knapper und teurer wird“, teaserte das ZDF eine entsprechende Doku an – und schrieb von „Mietenden“, denen „der Kragen platzt“. Obendrauf gab es noch einen Smiley mit einem rauchenden Kopf.

„Der Tweet wurde gelöscht, weil er missverständlich war mit Blick auf die aktuellen Ereignisse rund um die 1.-Mai-Demonstrationen in Berlin“, teilte ein ZDF-Sprecher später mit. Der ganze Tweet nur ein Versehen also? Oder offenbart er nicht zuvorderst ein Umfeld, das einen, sagen wir, etwas zu lockeren Umgang mit Straftätern pflegt, solange sie „für die gute Sache“ zündeln?

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) fordert nun sogar, dass sich das ZDF klar von linksextremer Gewalt distanzieren müsse. Ein irrer Vorgang, bedenkt man, welchen Auftrag die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich haben – und wer sie finanziert, nämlich wir alle. Gut, dass die Rufe nach einer Reform des Rundfunksystems immer lauter werden. Gut auch, dass es Twitter gibt: Denn nie traten die Haltungsschäden des öffentlich-rechtlichen Systems so klar zu Tage wie zuletzt dort.

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