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Sascha Brück

Hämisches Grinsen bis heute vor Augen

Sascha Brück – Foto: Call Toni / MEEDIA

Mein Chef drückte mir, dem Fan von Hardcore und Metal, die Vermarktung der deutschen Schlager-Charts aufs Auge. Für den nächsten Karriereschritt musste ich da aber durch.

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Es war im Sommer 1998, als ich dem verlockenden Ruf der Werbebranche folgte. Einer Welt voller Glamour, Glitzer, Prominenten, Schweiß und Tränen (bezogen auf Arbeitszeiten und Gehalt). Ich sah mich auf Fotoshootings und TV-Drehs sowie verrückten Events – und ausgefallene Kampagnen an den Start bringen. Eben alles, was mir im finalen Vorstellungsgespräch erzählt und „versprochen“ wurde. Die Auswahl der vorhandenen Kunden gab das alles her.

Also ging ich hochmotiviert an meinen ersten Arbeitstag in einer Frankfurter Werbeagentur. Nach den üblichen Einarbeitungstagen, heute heißt das ja Onboarding, bekam ich mein Projekt übertragen – und das direkt von unserem Geschäftsführer. Ab zum Briefing-Termin. Ich war wirklich auf alles vorbereitet und konnte mir jedes Projekt aus unserem Bereich vorstellen. Alles, wirklich alles. Nur nicht das, was mich dann erwartete. 

Mein erstes Projekt auf Seiten einer Werbeagentur war – theatralische Pause – die Vermarktung der deutschen Schlager-Charts. Ja, richtig gelesen. Schlager-Charts, Schlager. Heile Welt, Bergkulisse, Stadel. Ich?! Ein offensichtlicher Fan von Hardcore und Metal, ein Festivalgänger. Das hämische Grinsen meines Geschäftsführers habe ich bis heute noch vor meinem Auge. 

Aber er hatte sich in mir getäuscht und das Grinsen verging ihm bereits nach wenigen Wochen. Vermarktungskonzept stand, erste Kontakte zu den großen Majorlabels und „Schlagergrößen“ waren geknüpft. Pünktlich zum Start hatten schon die ersten Labels Anzeigen gebucht, Künstleragenturen meldeten sich und ich war mittendrin in der heilen wie fröhlichen und dauergrinsenden Welt von Ralph Siegel, Uwe Hübner, Michelle und weiteren Schlagergrößen inklusive verrückten Fotoshootings und TV-Shows. 

Es ist also teilweise alles eingetreten, was ich mir erhofft hatte, nur halt für mich in einem Paralleluniversum. Nach unendlich langen sechs Monaten war das fröhliche Grauen vorbei und ich wechselte ins Automotive-Team. Und was soll ich sagen, das ist meine Welt und nun betreue ich seit 23 Jahren unterschiedliche Automobilhersteller. War also doch für etwas gut, diese #l$%-Zeit.

Sascha Brück arbeitet bei der Mainzer Agentur Call Toni und ist dort Account Director für das Handelsmarketing von Volkswagen Deutschland.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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