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Wochenrückblick

Tiedje-Agentur WMP Eurocom startet Web-Magazin „Business Beast“

Die frühere Skandal-Agentur WMP Eurocom flankiert ihren Neustart mit einem Web-Magazin, für das auch ein sehr prominenter Politiker schreibt. ProSieben übt sich in Haltungsfragen. Jan Josef Liefers konsumiert keine Medien mehr und findet sie darum doof. Und Trump+ kommt vorerst doch nicht. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Es tut sich was bei WMP Eurocom. Die zeitweise schillernde PR-Agentur um den früheren „Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje ist nun auch publizistisch tätig und bringt das Online-Magazin „The Business Beast“ heraus. Dort erscheinen Artikel von WMP-Leuten, also etwa Tiedje selbst oder Neuzugang Frank Schmiechen (ebenfalls Ex-Springer). Zum 1. Mai greift aber auch SPD-Politiker Sigmar Gabriel zur Feder und äußert sich zur „Zukunft der Arbeit“. Die Aufmachung vom „Business Beast“ ist eher laut, mit großen Buchstaben und starken Schlagzeilen. Man merkt, dass da ehemalige „Bild“-Leute am Werk sind. Der Claim lautet „Anders als Sie denken“.

Das könnte man auch als eine Anspielung auf die Vergangenheit von WMP Eurocom lesen. Die Agentur geriet früher des öfteren wegen angeblich fragwürdiger Methoden und interner Querelen in die Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr schmissen gleich mehrere Aufsichtsräte bei WMP hin, u.a. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere Finanzminister Hans Eichel. Auch Vorstandschef Michael Inacker schied im Streit aus. Seit Jahresbeginn versucht der neue CEO Ulrich Porwollik die Agentur seriöser zu positionieren. Porwollik schreibt auf dem „Business Beast“, man wolle „nicht Dampframme“ sein, sondern „feines Florett“. Das wäre in der Tat neu.

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ProSieben will Haltung zeigen: Unter-Haltung. Bei einem Einspieler während der Präsentation der neuen Sendung „Zervakis & Opdenhövel Live“ wurde die „Haltung“ aus dem Wort „Unterhaltung“ heraus abgeleitet. „Unterhaltung mit Haltung“ soll künftig also geboten werden, laut Senderchef Daniel Rosemann. Da ist ProSieben innerhalb der P7S1-Gruppe schon auf einem guten Weg. Pflege-Doku, Nazi-Report, Baerbock-Interview … Sie wissen schon. Beim Duo Zervakis & Opdenhövel bin ich gespannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich jemand von der Präsentation „Tagesschau“ unterfordert fühlt und in einem freieren Format eine Bauchlandung hinlegt. Und Matthias Opdenhövel ist bislang eher als Alles-Moderierer (Sport, „Masked Singer“) in Erscheinung getreten und weniger als brillanter politischer Kopf. Aber warten wir’s ab. Die Ambitionen von ProSieben sind in jedem Fall vollumfänglich zu begrüßen. Die angekündigte Haltung wird sich ja hoffentlich nicht im Beklatschen grüner Kanzlerkandidatinnen erschöpfen.

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Eigentlich ist es zu ermüdend und deprimierend, noch was zu #allesdichtmachen zu schreiben. Nur das hier noch. Jan Josef Liefers bekam diese Woche in der „Zeit“ viel Platz (€) für ein Gespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn eingeräumt. Dabei sagte Liefers auf seine Medienkritik angesprochen:

„Zu Beginn der Pandemie war ich genauso schockiert wie alle anderen und von der Richtigkeit der Maßnahmen überzeugt: Nehmt die Kinder raus aus den Schulen, macht die Geschäfte zu, das alles. Ich habe Podcasts gehört, Newsfeeds abonniert, ich habe alle möglichen Zeitungen gelesen, habe Fernsehen geschaut – ich wurde immer meschuggener. Irgendwann habe ich kaum noch geschlafen. Ich bin abends ins Bett gegangen mit diesen News und morgens damit aufgewacht. Kurz vor Weihnachten habe ich die Reißleine gezogen und alles abbestellt, einfach nichts mehr angeguckt oder gelesen.“

Interessant. Dieser Tweet hier von „SZ Magazin“-Chefredakteur Timm Klotzek ist zu 100 Prozent deckungsgleich mit meiner Meinung zu diesem Zitat:

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Bild+, Spiegel+, Disney+ … Trump+? Das US-Portal „Axios“ hat von einem Pitch berichtet, mit dem ein gewisser Donald Trump überzeugt werden sollte, ein eigenes Medien-Imperium zu gründen: die Trump Media Group. Zu den Plänen gehört auch die Sparte Trump+, u.a. mit kostenpflichtigen Podcasts und Morgen-Newslettern. Ausführliche Charts aus der Trump+-Präsentation können beim „Medien Insider“ (€) angeschaut werden. Seltsamerweise wurden die hochfliegenden Pläne von Trump himself abgelehnt. Warum? Weil das Logo von TMG ihn zu sehr an die Tele München Gruppe erinnerte?

Oder weil ein wichtiger Erfolgsbaustein fehlte: ein Redaktionsschiff, das auf dem Potomac River hin und her kreuzt. DAS wäre doch mal eine Idee!

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ spreche ich mit Kollege Christian Meier von der „Welt“ über die neue Zervakis & Opdenhövel Show, die gescheiterte Presseförderung und Apples Kampfansage ans Tracking. Ganz nebenbei geht es auch um Hosen, die im Schritt nicht kneifen und Grillreiniger. Es freut mich, wenn Sie reinhören!

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