Anzeige

iOS 14.5 soll gestoppt werden

Acht Verbände reichen Beschwerde gegen Apple ein

BVDZ gegen Apple

Bild: ZAW

Acht Industrieverbände haben in einer einzigartigen konzertierten Aktion eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht, um den Start von iOS 14.5 zu verhindern. Zeitgleich bestätigt Apple, dass das System noch heute ausgerollt wird.

Anzeige

In einer selten gesehenen Einigkeit haben die Verbände BDZV, IVW, ZAW, VDZ, OWM, OMG sowie die agof und der Markenverband Klage beim Bundeskartellamt gegen Apple eingereicht. Damit soll verhindert werden, dass Apple die Identifikationskennung IDFA ab- und nur nach expliziter Einwilligung durch die Nutzer wieder anschaltet.

Fast zeitgleich bestätigte Apple der „New York Times“ auf Anfrage, dass der Rollout des Betriebssystems iOS 14.5, mit dem IDFA abgeschaltet wird, wie geplant heute startet. Offensichtlich will man in Cupertino schnell Fakten schaffen.

Zum Hintergrund: Die Kennung IDFA dient Webservern dazu, ein iPhone oder iPad eindeutig zu erkennen. Dadurch sind auch die Werbesysteme in der Lage, die Geräte zu erkennen und zum Beispiel bestehenden Nutzerprofilen zuzuordnen. Das ist die Grundlage für jede Form der personalisierten Werbung.

So stellt sich Apple die Einwilligungsabfrage vor – Foto: Apple Screenshot

Bisher wurde die IDFA grundsätzlich durch das jeweilige Gerät übermittelt, aber der Nutzer konnte dem widersprechen. In der neuen Version ist die explizite Zustimmung des Nutzers erforderlich, bevor die IDFA übertragen wird. Und zwar auf App-Ebene. Jeder App-Betreiber und Publisher muss diese Einwilligung einholen, um Nutzer weiter zuordnen zu können. Dafür muss er sich eine Zustimmungserklärung einholen, für die Apple einen Prozess namens App Tracking Transparency (ATT) definiert hat.

Apple will mehr Datenkontrolle für die Nutzer

Apple begründet seinen Schritt mit mehr Datenkontrolle für den Nutzer, und das ist nicht von der Hand zu weisen. „Das Ziel von Apple, die Privatsphäre wieder in die Hände der Verbraucher zu legen, ist ein positiver Schritt in die richtige Richtung“ sagt Lukas Fassbender, der deutsche Statthalter der Werbeplattform The TradeDesk. „Erst wenn Konsumenten den Wert eines Services oder Inhalts verstehen, sind sie bereit, die Monetarisierung dieser Angebote auch zu unterstützen. Und erst damit wird es zu einer Win-win-Situation für beide Seiten“.

Soweit ist der Ansatz unstrittig. Aber die Verleger- und Werbeverbände bringen ein viel schwerwiegenderes Argument vor: „Durch diese einseitig auferlegten Maßnahmen schließt Apple faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus. Gleichzeitig nimmt der Konzern seine eigenen (Werbe-)Dienste jedoch von den geplanten Änderungen aus und sammelt selbst erhebliche Mengen Nutzerdaten“, schreibt der ZAW in seiner offiziellen Stellungnahme.

Ungleichbehandlung ist ein Signalwort für die Kartellbehörden, die den Eingang der Beschwerde bereits bestätigt haben. Die Bevorzugung eigener Dienste ist zuvor bereits Google und natürlich dem Erzrivalen Microsoft auf die Füße gefallen. Sollte die Beschwerde Erfolg haben, dürfte ATT in dieser Form in Europa nicht zu halten sein. Allerdings hat Apple natürlich die Möglichkeit, auch die eigene Datensammlung hinter ATT zu stellen. Das Mehrwertversprechen der Apple-Apps für iOS-Nutzer dürfte stärker sein, als das von OWM oder VDZ.   

Lesen Sie weiter:

Apple schaltet die Identifizierung ab

Bild: Imago

Anzeige