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Quartalsbilanz

Netflix schockiert die Wall Street mit langsamerem Abonnentenwachstum

Foto: imago images/ photothek

Der Tag X scheint gekommen. Jahrelang rätselte die Medienbranche, wie lange Streaming-Pionier Netflix sein massives Abonnentenwachstum wohl aufrechterhalten könne. Nach Handelsschluss ist klar: Im laufenden Quartal droht der Zugewinn von Neukunden fast zum Erliegen zu kommen. Die Netflix-Aktie schmiert ab

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Der Streaming-König liefert in Dollar und Cent weiter: Im ersten Quartal konnte Netflix mit seiner Geschäftsbilanz den Erwartungen der Wall Street gerecht werden. Die Umsätze lagen mit 7,16 Milliarden Dollar nur marginal über den Analystenschätzungen von 7,13 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum konnte Netflix damit einen Erlöszuwachs von 24 Prozent verbuchen.

Der Gewinn je Anteilsschein fiel mit 3,75 Dollar unterdessen deutlich höher aus als die Analystenprognosen, die bei 2,97 Dollar je Aktie gelegen hatten. Netto verdiente Netflix im ersten Quartal mit 1,7 Milliarden Dollar fast eineinhalbmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Es war gleichzeitig der größte Nettogewinn der knapp 24-jährigen Konzerngeschichte.

Abonnentenzuwachs deutlich unter Erwartungen

Das Hauptaugenmerk der Analysten liegt unterdessen seit jeher auf der Nutzerentwicklung. Im ersten Quartal konnte CEO Reed Hastings weltweit lediglich noch 3,98 Millionen neue zahlende Abonnenten vermelden. Netflix lag damit sehr deutlich unter den Zuwächsen aus dem Vorjahresquartal, als der nach Disney zweitwertvollste Medienkonzern der Welt im ersten Lockdown gleich 15,8 Millionen Neukunden verbucht hatte. Auch im Weihnachtsquartal hat Netflix mit 8,5 Millionen neuen Mitgliedern deutlich mehr zahlende Kunden verbucht.

Der Streaming-Pionier von Serien und Filmen, der in den späten 90er-Jahren noch als Versender von DVDs begonnen hatte, verfehlte allerdings auch sehr deutlich die Erwartungen der Wall Street, die noch bei 6,2 Millionen neuen Abonnenten gelegen hatten. Insgesamt bringt es Netflix nunmehr auf 207,64 Millionen zahlende Abonnenten, während der neue Streaming-Rivale Disney+ nach nur 14 Monaten auf dem Markt bereits die 100-Millionen-Abonnentenmarke passiert hat.

Kommt das Abonnentenwachstum zum Erliegen?

Als wäre die offensichtliche Verlangsamung des Abonnentenwachstums im abgelaufenen Quartal noch nicht schmerzhaft genug, stimmte CEO Reed Hastings Aktionäre im laufenden Quartal auf eine weitere Abflachung der Kundenneugewinnung ein.

Gerade noch eine Million neue Netflix-Abonnenten stellt Hastings im Dreimonatszeitraum bis Ende Juni in Aussicht – eine deutliche Verfehlung der Analystenprognosen, die noch bei 4,5 Millionen neuen Mitgliedern gelegen hatten. Der verschärfte Infight mit Disney+, Amazon Prime, Apple TV+ scheint nun doch im beschleunigten Maße Wirkung zu zeigen. Entsprechend schockiert reagierte die Wall Street und schickte die Netflix-Aktie im nachbörslichen Handel um knapp 11 Prozent auf 490 Dollar nach unten.

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