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"Freizeit Magazin Royale"

„Komödianten haben Narrenfreiheit“ – so reagieren Verlage auf Böhmermanns Yellow-Parodie

"Freizeit Magazin Royale": So stellte Jan Böhmermann seine Klatsch-Parodie in seiner Sendung vor – Foto: Screenshot ZDF

Jan Böhmermann hat mit einer Satire-Aktion ein zum Verwechseln ähnlich aussehendes Magazin in die Kioskregale unter die Illustrierten zu Promis, Adel und Showbusiness geschafft. Auf dem Titel Hubert Burda. In seiner Show hat er die Methoden von Yellow-Press-Verlagen scharf kritisiert. Jetzt haben sich die angegriffenen Verlage geäußert.

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Am Samstag lag die Sonderausgabe vielerorts im Supermarkt und im Kiosk aus, das Heft war von seiner Aufmachung her auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden von den Unterhaltungs-Zeitschriften.

Das Heft „Freizeit Magazin Royale“ dreht sich allerdings nicht um die üblichen Stars und Sternchen, sondern um Verlegerinnen und Verleger großer Medienhäuser, die hinter den umgangssprachlich auch als Regenbogenpresse bezeichneten Blättern stehen. Böhmermann will mit der Parodie – „Deutschlands einzig wahrem Klatsch-Magazin“ – samt offensichtlich falschen Gerüchten und überspitzten Falschnachrichten in knalligen Überschriften Arbeitsweisen in der Branche kritisieren.

Verlagshäuser reagierten auf die Aktion teils gelassen. Ein Sprecher von Hubert Burda Media teilte am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Komödianten genießen Narrenfreiheit. Die Geschichten eines Komödianten werden wir nicht kommentieren.“ 

Bauer sieht Grenzen des ZDF-Rundfunkvertrags überschritten

Die Bauer Media Group kommentierte das Ganze auf DPA-Nachfrage so: „Satire finden wir richtig und wichtig. Und als Publisher Nummer 1 werten wir es als ein positives Zeichen, wenn Verlage neue Zeitschriften auf den Markt bringen und kreative Magazin-Konzepte möglichst viele Menschen erreichen.“ Das Unternehmen betonte zugleich: „Allerdings finden wir es besorgniserregend, dass das ZDF offensichtlich die rechtlichen Grenzen seines Rundfunkauftrags verlassen hat, indem es mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert.“

Böhmermann hatte in seiner TV-Satireshow „ZDF Magazin Royale“ im ZDF-Hauptprogramm am Freitagabend die Aktion angekündigt. Er flankierte sie am Wochenende weiter über die Sozialen Medien, auch über den Twitter-Account der TV-Show.

Vom ZDF hieß es auf Anfrage: „Anlässlich der neuesten Ausgabe des ‚ZDF Magazin Royale‘ zum Thema Boulevardjournalismus gibt es eine begleitende Printpublikation. Gemäß Medienstaatsvertrag erfolgt die Herausgabe der auf eine Ausgabe beschränkten Begleitpublikation unter redaktioneller Verantwortung und im Auftrag des ZDF durch die Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH in Köln.“ Die Firma produziert auch das TV-Format.

Reaktionen auf Twitter auf das Freizeit Magazin Royale

Auf Twitter posteten Leute am Wochenende Fotos des Magazins im Kioskregal oder im Supermarkt-Einkaufswagen liegend.

Je nach Region schien das „Freizeit Magazin Royale“ schwer zu bekommen oder bereits schnell vergriffen zu sein. Für alle, die nicht fündig wurden, richtete Böhmermanns Team auch einen Online-Shop ein. Die Knappheit führte dazu, dass auf der Verkaufsplattform Ebay das ursprünglich für 99 Cent angebotene Magazin am Wochenende bereits für ein Vielfaches gehandelt.

Inzwischen ist klar, dass die Nachfrage nach dem „Freizeit Magazin Royale“ so groß ist, dass nachgedruckt werden muss. Das schriebt Jan Böhmermann bereits am Samstagnachmittag auf Twitter.

120.000 Magazine werden nachgedruckt

Inzwischen ist auch klar, in welcher Größenordnung nachgedruckt werden wird. 120.000 weitere Exemplare der „Yellow Press“-Parodie gibt Böhmermann in Auftrag.

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