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Gastbeitrag über Motivation im Job

Ziegenkäse und Pinguin-Dünger: Was diese Dinge mit Britta Poetzschs Job zu tun haben

Britta Poetzsch – Foto: Katrin Spirk

Britta Poetzsch, Kreativchefin der Hamburger Agentur Track, schreibt darüber, warum sie nach vielen Jahren in der Werbung ungebrochen Lust auf ihren Job hat. Auch wenn sie hin und wieder davon träumt, inmitten einer Ziegenherde Super-Food selber herzustellen.

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Ich gebe es gerne zu: Manchmal sinkt mein Kopf auf die Tischplatte und ich hätte sofort Lust auf eine andere Existenz. Dann träume ich davon, einen Bauernhof zu besitzen mit einer Herde Ziegen. Ich würde den besten Ziegenkäse Deutschlands machen und nebenbei noch Sauerkraut ansetzen. Große Fässer voller Sauerkraut. Dann fällt mir wieder ein, dass Träume meist nichts mit Realität zu tun haben und dass es mir schnell langweilig wäre, wenn sich mein Leben nur um Ziegenkäse und Sauerkraut drehen würde. Denn das kann ich aus vollem Herzen sagen: Ich denke, dass ich in einer der spannendsten Branchen überhaupt arbeite. Nach über einem Jahr Pandemie bin ich davon noch überzeugter als vorher. Denn wenn wir etwas gelernt haben aus dieser Situation, dann ist es, wie wichtig Kommunikation ist. Nicht nur von Mensch zu Mensch. Auch von Regierung zu Mensch. Und von Marke zu Mensch. Befeuert wird diese Erkenntnis, weil da gerade so viel so schlecht läuft. Das heißt für mich: Wir werden gebraucht!

Menschen, die gute Ideen haben. Menschen, die wissen, wie man diese Ideen so umsetzt, dass sie von anderen verstanden werden oder sie sogar berühren. Ideen, die helfen, Marken, Dienstleister oder Organisationen bekannter, erfolgreicher oder sympathischer zu machen.

Jede Idee beginnt mit einem guten Satz

Es braucht Menschen, die denken, schreiben und gestalten können. Kreativität als Superkraft. Nicht umsonst haben wir das zum diesjährigen ADC-Festivalmotto erkoren. Meine Superkraft ist die Sprache. Denn ich bin überzeugt, dass jede gute Idee mit einem guten Satz beginnt. Dafür braucht man nicht mehr als Stift und Papier. Man kann sie überall haben. Im Homeoffice, mitten in der Konferenz oder nachts im Traum. Wenn sich eine Idee in Worten ausdrücken lässt, dann ist sie plötzlich in der Welt. Das finde ich immer noch faszinierend in meinem Beruf. So fängt das fast immer an. Mit einem Satz, der wie ein Katalysator wirken kann. Plötzlich gibt es eine Explosion von weiteren Ideen, wenn dieser Satz kraftvoll und inspirierend ist.

So ähnlich wie Pinguin-Dünger auf das Pflanzenwachstum wirkt, kann ein Satz alles zum Blühen bringen. Manche dieser Sätze halten Jahre und inspirieren Kreative immer wieder zu neuen Höchstleistungen. „Life is for sharing.“ „Du bist nicht Du, wenn du hungrig bist.“ „Mache es zu deinem Projekt.“ „Ich liebe es.“ „Think different.“ „Wahre Schönheit.“ Diese Sätze hätte ich alle gern selbst geschrieben. Sie sind weit mehr als nur ein flotter Spruch am Ende eines TV-Spots. Sie sind Pinguin-Dünger, Treibstoff und Goldstaub in einem. Das sind sie an jedem Kontaktpunkt, an dem Marken heute mit ihren Kunden kommunizieren. Das ist nicht mehr die große sichtbare Kampagne, sondern die vielen kleinen Maßnahmen entlang der User Journey. Aber das brauche ich in dieser Runde hier keinem mehr zu erklären. Große Ideen funktionieren auch im Kleinen.

Die Macht, Dinge positiv zu verändern

Für mich wäre es eine schreckliche Vorstellung, jeden Tag über das gleiche nachdenken zu müssen. Das großartige an meinem Job ist, dass ich heute für Schokolade arbeite, morgen für Motorräder und übermorgen für eine Versicherung. Dass man immer wieder neue Antworten finden muss. Dazu kommt, dass unser Tanzbereich unendlich groß geworden ist. Ein Füllhorn voller Möglichkeiten. Das ist nie langweilig. Das ist immer herausfordernd.

Jedes Jahr wird die Umfrage veröffentlicht, welche Berufe besonders angesehen sind und welche eben nicht. Die „Werber“ sind immer die, die den vorletzten Platz einnehmen. Einen vor den Politikern. Muss man sich deshalb grämen? Oder sich in den Ziegenstall zurückziehen? Nein, man muss sich bewusst werden, dass wir die Macht haben, Dinge zum Positiven zu verändern. Durch Ideen. Auch durch Sätze. Und dass das ein wertvoller Beitrag zum Erfolg unserer Auftraggeber ist. Für wen man seine Superkräfte einsetzt, muss jeder selbst entscheiden. Wie mit allen Superkräften kann man auch auf der dunklen Seite der Macht landen. Dass erfolgreiche Marken heutzutage die sind, die einen positiven Beitrag zum Leben auf diesem Planeten leisten, hat sich bis in die höchsten Vorstandsetagen herumgesprochen.

Die fiesen Gespenster in die dunklen Ecken zurückjagen

Nach diesem kleinen Selbstherrlichkeitsanfall, von dem mir gerade selbst etwas schwindelig ist, kommen wir zurück. Zurück zur Schreibtischplatte. Da, wo manchmal mein Kopf liegt. Kleine süße Ziegen vor den Augen. Die Arme bis zu den Ellenbogen in Käsemasse. Es ist natürlich nicht alles toll. Selbstzweifel und Versagensängste sind Begleiter, die wohl jede Kreative kennt. Das Gute an der Erfahrung ist, dass sie wie eine Waffe ist, die diese fiesen Gespenster in die dunklen Ecken zurückjagt, aus denen sie gekrochen sind. Vielleicht sollte ich mir dann selbst diesen Text vorlesen, damit ich sofort wieder weiß, dass ich in Wahrheit Superkräfte habe. Wäre doch schade, wenn ich die nur mit Ziegen teilen würde.


Zuletzt erzählte Reinhard Patzschke, wie er sich stets frisch hält für den Werberjob (hier mehr dazu). Wenn auch Sie erzählen wollen, warum Sie nach vielen Berufsjahren in der Werbung weiterhin für Ihren Job brennen, dann schreiben Sie uns an reiner.kepler@meedia.de.

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