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Max Brunner

Lost in Translation

Max Brunner – Foto: Grabarz JMP / MEEDIA

Eine komplette Broschüre in zwei Sprachen als erste große Aufgabe. Und eine Fremdsprachenlektion in Demut.

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Es war meine erste große Aufgabe in der bunten und aufregenden Welt der Werbung. Eine Promotionsbroschüre für einen Spielzeughersteller, gedruckt in vier Farben und zwei Sprachen: Deutsch und Französisch. In meiner Schweizer Heimat nichts Ungewöhnliches, also eigentlich très simple. Die Konzeption, Gestaltung und Betextung der Broschüre liefen wie am Schnürchen. Fehlte nur noch das Korrekturlesen, dafür gibt es ja zum Glück das Lektorat.

Anstatt mir die Korrekturen des französischen Texts elektronisch zu schicken, wollte die Lektorin aus Genf diese mit mir am Telefon durchgehen. Geschmeichelt, dass mein Schulfranzösisch dafür offenbar als für gut genug erachtet wurde, schrieb ich alles mit. Nur eine kompliziertere Korrektur zum Intro erhielt ich per E-Mail. Ergänzt durch die Bemerkung, dass alle weiteren Korrekturen ja bereits am Telefon besprochen worden seien und ich mich gerne melden dürfe, sollte ich noch Fragen haben. Damit war ich auf der sicheren Seite. Die E-Mail leitete ich also mit Bitte um Umsetzung in die Grafik-Abteilung weiter, danach konnte gedruckt werden.

Zwei Wochen später hielt ich das Belegexemplar meines ersten eigenen Projekts in den Händen. Der Gedanke, dass bereits zehntausende Leserinnen und Leser im ganzen Land diese hübsch gestaltete Broschüre bestaunt hatten, erfüllte mich mit Stolz. Fast schon andächtig schlug ich die erste Seite auf und begann zu lesen. Nach einigen eleganten, von mir fehlerfrei am Telefon notierten Sätzen zur Heldin der Broschüre, stand da auf Französisch: „Die restlichen Korrekturen sind wir am Telefon ja bereits durchgegangen. Sollten Sie noch Fragen haben, melden Sie sich gerne.“ 

Seit ich nach Deutschland gezogen bin, ist mein Französisch etwas eingerostet. Aber diesen einen Satz werde ich nie vergessen. Der hat sich eingebrannt.

Max Brunner ist Business Innovation Director bei der Berliner Agentur Grabarz JMP, einer Tochter der Werbeagentur Grabarz & Partner.


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