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Werbung auf "Breitbart", "Bearing Arms" und Co.

Thomas Koch: „Wir wollen eine Rückkehr zur echten Mediaplanung“

Thomas Koch – Foto: Alex v. Spreti

Die beiden Berater Thomas Koch und Michael Maurantonio wenden sich seit einigen Wochen gegen Werbungtreibende, die auf rechten Websites wie „Breitbart“ und „Bearing Arms“ ihre Kundschaft ansprechen. Einige wenige Werbungtreibende, zum Beispiel die Bundesregierung, haben nach Hinweisen von Koch diese Art der Werbung eingestellt.

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„Wir wollen eine Rückkehr zur echten Mediaplanung. Nicht mehr und nicht weniger.“ Worte von Thomas Koch, eines Fahrensmanns der Mediawelt und in der Branche auch gern als Mr. Media betitelt. Er hat zusammen mit dem Schweizer Berater Michael Maurantonio die Initiative #stopfundinghate ins Leben gerufen, eine Initiative, die gegen Werbung auf rechtsradikalen Websites vorgeht. Seit Mitte Februar beobachtet das Duo im Kern neun solcher Websites wie „Breitbart“, „Bearing Arms“, „Wayne Dupree“ oder „Epoch Times“, auf denen programmatisch ausgespielte Werbung von allen denkbaren Unternehmen und auch von öffentlichen Auftraggebern – bis hoch zur Bundesregierung oder dem Bundeswirtschaftsministerium – erscheinen. Eine Website wie „achgut.com“, die auch mal auf dem Index stand, hat nicht mehr oberste Priorität: „Wir beobachten diese Site nicht weiter.“

Koch schreibt die Unternehmen an und bekommt mal eine Antwort – und auch sehr oft keine Antwort. Die Rückmeldungen zeigen, dass Unternehmen konsterniert sind und geloben Besserung. Von denen ist dann einige Zeit lang auch nichts mehr zu sehen, später aber taucht die Werbung auf „Breitbart“ und Co. wieder auf. „Dass es mit dem Abstellen nicht klappt, liegt wohl daran, dass oft kleine Agenturen mit der programmatischen Ausspielung von Werbung beauftragt sind. Diese Agenturen haben offenbar nicht die Kapazitäten und Kompetenzen, sich angemessen um das Problem zu kümmern“, so Koch.

Seiner Beobachtung nach läuft die Impfkampagne der Bundesregierung nicht mehr auf den ihm indizierten Sites, die der Postbank und von Hellofresh sehr wohl wieder – nachdem die zwei Unternehmen kurzzeitig von den Sites verschwunden waren. Insgesamt haben Koch und sein Partner Maurantonio bisher etwa 90 Unternehmen angeschrieben.

Koch sagt: „Der Onlinewerbung muss an dieser Stelle ein blamables Zeugnis ausgestellt werden“

Der „Stern“ hat über die Initiative berichtet und selber Unternehmen angeschrieben. Demnach teilten die Hersteller Weber (Grillgeräte) und De’Longhi (Kaffeemaschinen) sowie die Möbelhauskette XXXLutz auf „Stern“-Anfrage mit, umstrittene Seiten wie „Breitbart“ oder „Epoch Times“ künftig für Anzeigenschaltungen zu blockieren.

Koch zieht folgendes Zwischenfazit: „Der Onlinewerbung muss an dieser Stelle ein blamables Zeugnis ausgestellt werden. Die Abhängigkeit von Google, dessen Network diese Werbung meist ausspielt, zerstört Geld, Werte und beschädigt Marken. Alle Welt redet von Nachhaltigkeit, Sinnhaftigkeit und Purpose. Hier ist eine Stelle, an der das Marketing ganz konkret und wirksam ansetzen kann.“

Da hat der Mann recht. Denn was würden Mitarbeitende sagen, wenn sie von diesen Werbeschaltungen ihres Unternehmens erführen? Wo Unternehmen, zum Beispiel bei der Nachwuchssuche, doch nichts unversucht lassen, „sauber“ dazustehen!

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