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TeamViewer auf ManU-Trikots: Größenwahn oder geschickter Schachzug?

Teamviewer ManU

Foto: Screenshot / TeamViewer

Ab Juli 2021 trägt Paul Pogba das Logo von TeamViewer auf seinem Vereinstrikot. Die Börse strafte die Marketing-News ab, aber ein genauer Blick auf Manchester United zeigt: Die Partnerschaft scheint überlegt. Teuer ist sie trotzdem.

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Wir haben keine Tech-Unternehmen von Weltruf in Deutschland und verspielen unsere Zukunft. Der „Spiegel“-Redakteur Ullrich Fichtner benutzte in seinem Text von letzter Woche (€) die Attribute „beschämend, unterentwickelt und gescheitert“, um die digitale Leistungsfähigkeit der Republik zu brandmarken und er zitiert mehrere Studien und Untersuchungen, die seine Analyse bestätigen.

Aber es gibt dieses kleine schwäbische Dorf, dass sich gegen das digitale Mittelmaß stemmt: Göppingen. Die Kreisstadt zwischen Stuttgart und Ulm war Eingeweihten bisher vor allem wegen eines Mannes bekannt, der an den Ufern der Fils geboren wurde und später auszog, um der Stadt ein wenig globalen Glamour abzugeben: Jürgen Klinsmann.

Und ausgerechnet von hier, aus der konservativen württembergischen Provinz, kommt der Marketing-Coup des noch jungen Jahres. Ab Juli 2021 tragen die Spieler von Manchester United das Logo des Göppinger Unternehmens TeamViewer auf der Brust. Weltklasseathleten wie Paul Pogba (Vertrag bis Sommer 2022) oder Bruno Fernandes (Vertrag bis 2025) werfen sich in Premier League und Champions League (ManU ist aktuell Zweiter in der Premier League) in die Zweikämpfe und transportieren die Markennamen einmal rund um den Globus.

Die Börse reagiert verschnupft

Ist der Marketing-Deal Ausdruck von unternehmerischem Größenwahn oder gut angelegtes Geld? Die Aktienmärkte sind der Auffassung, dass ersteres der Fall ist. Sie reagierten sofort auf die Nachricht von letztem Freitag und setzten dem (virtuellen) Unternehmenswert massiv zu. Um bis zu 20 Prozent krachte die Aktie in der letzten Woche nach unten.

Diese Bewegung unmittelbar mit der Marketing-News zu verbinden, greift zu kurz. Ein Gutteil der Aktienverkäufe wurde dadurch ausgelöst, dass TeamViewer zeitgleich eine verminderte Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr veröffentlicht hat. Die Gewinnmarge nach Abzug laufender Kosten aber vor Abzug von Steuern und Abschreibungen sollte 55 bis 57 Prozent betragen. Jetzt liegt die Prognose bei 49 bis 51 Prozent. Der Deal reißt ein Loch in die gleichsam soliden wie überzeugenden, operativen Erlöse der Göppinger. TeamViewer pflegt mit seinen Kunden langfristige Vertragsbeziehungen und die Aktionäre sind es nicht gewöhnt, dass Tagesnachrichten eine starke Auswirkung darauf haben.

Die letzten beiden Firmenkäufe von TeamViewer, nämlich der von Upskill Ende Februar und Ubimax im Juli 2020 hatten die Börsen sehr unterschiedlich bewertet. Ubimax, ein Bremer Spezialist für Datenbrillen passt logisch ins Portfolio. Upskill eigentlich auch, aber als bereits etabliertes US-Startup mit einem spannenden Kundenportfolio, war der Zukauf teuer und das sahen die Aktienmärkte kritisch.

Paul Pogba
Spielt Paul Pogba künftig im Trikot von TeamViewer? – Foto: Screenshot / TeamViewer

ManU: Traditionell, bodenständig, international

Was die Analysten genau von dem ManU-Deal halten, wird man erst in den nächsten Wochen erleben. Aber auf den zweiten Blick wirkt diese Kooperation sinnstiftend. ManU ist im Gegensatz zu Manchester City, Paris St. Germain oder inzwischen auch dem FC Barcelona eine Fußballmarke mit Bodenhaftung. Nur der FC Liverpool kann ähnliche Erdung vorweisen.

Das beste Indiz dafür ist die Entwicklung des Markenwerts von ManU in den letzten Jahren. Obgleich die ganz großen sportlichen Erfolge fehlen, rangierte ManU Ende 2019 of Rang 3 der Deloitte Football Money League, hinter Real und Barca, aber deutlich vor dem Champions League Sieger FC Bayern München. ManU ist eine Love Brand, die viel Kraft aus ihrer großen Tradition zieht und daraus, dass ziemlich genau die Hälfte des aktuellen Kaders von der britischen Insel kommt. Schon die DNS des Clubs passt gut zur Softwareschmiede aus Göppingen.

Das Promo-Video zeigt die vielfältigen Verbindungen der Unternehmen TeamViewer und Manchester United

Und ManU ist eben Teil der englischen Premier League. Diese Marketing-Maschine hat es geschafft, den europäischen Fußball in den letzten zehn Jahren einmal auf Links zu drehen. Mit dem Geld kamen auch die sportlichen Erfolge und inzwischen schaut man nicht nur in Deutschland ehrfürchtig auf die Fußballinsel. Auch die Spanier, Franzosen oder Italiener müssen sich enorme Mühe geben, wenn sie ihre Talente halten wollen.

Die Marketing-Power bezieht die Premier League aus ihrer globalen Positionierung. Vor allem in den USA, im Nahen Osten und in Asien erreichen die Spiele der Premier League Millionenreichweite. Und genau dort will TeamViewer in Zukunft Geld verdienen. Schon der teure Kauf der Kunden von Upskill war ein wichtiger Schritt auf den US-Markt. Die Präsenz auf den ManU-Trikots wird dafür sorgen, dass die Marke auch in der breiten Öffentlichkeit als das wahrgenommen wird, was sie heute schon ist: Ein Weltmarktführer in Kollaborationssoftware mit einem starken Fußabdruck im „digitalen Neuland“ Augmented Reality.

Da übrigens ganz ohne Marketing-Spielerei sondern als handfestes Arbeitswerkzeug. Ganz schwäbisch eben.  


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