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Kritik am Nachrichtenmagazin

„Jens Spahns Ehemann“ – „Spiegel“ bedauert irreführende Überschrift

Gesundheitsminister Jens Spahn – Foto: IMAGO / Jürgen Heinrich

„Der Spiegel“ landete mit einem Artikel über einen Masken-Deal der Regierung, der vom Medienhaus Hubert Burda vermittelt wurde, einen Reichweitenhit. Allerdings wurde das Nachrichtenmagazin für die irreführende Überschrift, die den Ehemann von Gesundheitsminister Jens Spahn damit in Verbindung brachte, vielfach kritisiert. Gegenüber MEEDIA hat der „Spiegel“ die problematische Zeile jetzt bedauert.

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Die ursprüngliche Headline des „Spiegel“ lautete: „Firma von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium“. Damit wurde suggeriert, dass Spahns Ehemann eine Firma besitzt, die Masken an das Gesundheitsministerium verkaufte. Die Zeile löste angesichts der aktuellen Vorwürfe von Korruption gegen diverse Unions-Abgeordnete bei zahlreichen Lesern sofort die Assoziation aus, dass auch Gesundheitsminister Spahn, bzw. dessen Mann möglicherweise in unsaubere Geschäfte mit Schutzmasken verstrickt sein könnte.

Wer den kompletten Artikel las, dem bot sich ein anderes Bild. Tatsächlich hatte Daniel Funke (so heißt „Spahns Ehemann“ nämlich), der für Hubert Burda Media die Hauptstadt-Repräsentanz leitet, mit dem Masken-Deal gar nichts zu tun. Burda hatte dem Bund in der ersten Hochphase der Corona-Pandemie im vergangenen Frühjahr beim Beschaffen damals knapper Schutzmasken geholfen. Dem Gesundheitsministerium seien im April 2020 rund 570.000 Masken für 909.451,86 Euro geliefert worden, so ein Burda-Sprecher. Burda hält nach eigenen Angaben eine Beteiligung von unter zehn Prozent an dem in Singapur ansässigen Plattformunternehmen Zilingo Pte.Ltd., das die Masken bereitstellen konnte. Um die Abwicklung zu beschleunigen, habe Hubert Burda Media die Bezahlung übernommen und dann später dem Gesundheitsministerium in Rechnung gestellt.

Die Vermittlung sei direkt über Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen erfolgt, es habe keine Gewinnabsichten gegeben. Daniel Funke sei zu keinem Zeitpunkt involviert gewesen. Es seien auch keine Provisionen an Mitarbeiter der Hubert Burda Media GmbH gezahlt worden.

 Der „Spiegel“ konstruierte daraus nun ein möglichen Interessenskonflikt. Konkrete Anhaltspunkte dafür nennt das Magazin aber nicht. Der Text zog schnell weite Kreise und wurde u.a. von AfD-Politikern für Hetzereien gegen Spahn im Netz genutzt. Die falsche Lesart des Artikels wurde auch dadurch befeuert, dass der komplette Text als Plus-Artikel nur Abonnenten vorbehalten war und sich viele Kommentierer im Netz nur auf die Überschrift stürzten. Allerdings stand auch schon im frei lesbaren Vorspann, dass es nicht wirklich um eine Firma von Daniel Funke ging, sondern um dessen Arbeitgeber.

Der Artikel war, vermutlich auch wegen der irreführenden Aufmachung, nach Social-Media-Interaktionen der erfolgreichste deutschsprachige journalistische Artikel des Wochenendes (74.300 Interaktionen bei Facebook und Twitter laut MEEDIA-Trending-Analyse). Nach vielfältiger Kritik änderte der Spiegel die Überschrift zu „Arbeitgeber von Spahns Ehemann verkaufte Masken ans Gesundheitsministerium“ und versah den Text mit einem Korrektur-Hinweis. Auf MEEDIA-Anfrage äußerte sich der „Spiegel“ nun folgendermaßen:

„Wir verstehen, dass die ursprüngliche Überschrift für sich genommen einen missverständlichen Eindruck erzeugen kann. Deshalb haben wir sie am Sonntag gegen 21.50 Uhr geändert und bedauern, falls bei Leserinnen und Lesern ein falscher Eindruck entstanden sein sollte. Gleichwohl stand von Anfang an im Vorspann des Artikels unmissverständlich, dass es um die Burda GmbH geht, und Herr Funke als Leiter der Hauptstadtrepräsentanz des Unternehmens dessen Angestellter ist.“

Der Artikel selbst sei „nüchtern und neutral formuliert“, so der „Spiegel“ weiter. Der Text sei nach Erscheinen laufend aktualisiert worden. Die „Spiegel“-Berichterstattung in diesem Fall wurde auch von zahlreichen Journalisten kritisiert, u.a. auch vom dem ehemaligen „Spiegel“-Reporter Markus Grill:

Mitarbeit: ts

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