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Selbstverpflichtungserklärung

Mehr, mehr, mehr: Das ZDF stellt Programmziele für 2021/2022 vor

Thomas Bellut – Foto: ZDF / Markus Hintzen

Das ZDF hat seine Selbstverpflichtungserklärung für 2021/2022 veröffentlicht. Mehr Vielfalt im Programm und mehr Inhalte für Jüngere sind nur zwei der präsentierten Ziele. Ein Überblick.

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Alle zwei Jahre stellen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Selbstverpflichtungserklärungen vor. Das schreibt seit 2004 der Rundfunkstaatsvertrag vor. Am Freitag hat nun das ZDF seine Ziele für 2021 und 2022 präsentiert. Vor dem Fernsehrat in Mainz sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut, der im März 2022 aufhört: „Die Interessen der Zuschauerinnen und Zuschauer differenzieren sich weiter, die Gesellschaft wird zunehmend diverser. Um alle Menschen in Deutschland anzusprechen und zu erreichen, müssen wir uns fortlaufend erneuern, das gilt für unsere Programminhalte ebenso wie für unsere Ausspielwege.“ Konsequenterweise lautet der Titel der Selbstverpflichtungserklärung auch: „Die Chancen des Wandels ergreifen. Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern“ – mehr digitale Kontaktpunkte, mehr Inhalte für Jüngere, mehr Vielfalt im Programm lauten die drei Metaziele. Daneben wird die Strategie in sieben Kernzielen erklärt.

Mediathek soll nach und nach gestärkt werden

Die Rundfunkanstalt will künftig mehr Vielfalt im Programm abbilden und mehr Inhalte für Jüngere liefern. Dafür soll die Mediathek weiter gestärkt werden, heißt es in der Mitteilung dazu. Hierfür wird die Personalisierung der Plattform sowie deren Empfehlungssysteme ausgebaut. Aktuell sind laut ZDF 2,1 Millionen Nutzer*innen bei der Mediathek registriert. Auch Drittplattformen sind Teil der Ausrichtung, „um Zuschauergruppen zu erreichen, die das ZDF und seine linearen Programmangebote selten nutzen.“

Angesichts des Superwahljahres soll „ZDF heute“ ausgebaut werden, sowohl im TV, Online als auch in den sozialen Medien. „Die journalistische Qualität und Kompetenz des ZDF sollen dafür genutzt werden, noch passgenauere Nachrichteninhalte auf allen Ausspielwegen anzubieten“, so die Maßgabe.

Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten ist es auch, die Lebenswirklichkeit in seiner gesamten Breite und Diversität abzubilden. Die bekannte Reportagereihe „37°“ wird daher beispielsweise zu einer Format-Familie ausgebaut, dabei mit Fokus auf die Mediathek und den Kanälen bei Instagram, YouTube und Co.

Corona-Pandemie und deren Folgen als Schwerpunkt

Die Bewältigung der Corona-Krise samt sozialer und ökonomischer Folgen wird 2012/2022 ein übergreifender Schwerpunkt und fließt laut Ankündigung in alle ZDF-Programmbereiche. Ein Teilfokus liegt dabei auf dem Zugang zu Wissenschaft und Kultur. So wird die Marke „Terra X“ online ausgebaut, zudem gibt es eine höhere Folgenzahl für „Die große Terra X-Show“ und eine Kinderausgabe. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die YouTuberin und Quarks-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim zum ZDF wechseln wird, um dort unter anderem für die Wissensmarke zu arbeiten (MEEDIA berichtete).

Hinzu kommen Event-Mehrteiler, Miniserien oder kürzere Formen wie Instantfiction für die Mediathek. Zu den geplanten Serien zählen „Deadlines“, eine Sitcom über Frauen im Kampf mit ihren Vorstellungen über Karriere, Kinder, Beziehung, Sex und Freiheit. Oder „Everybody is perfect“, eine neue Reihe rund um Protagonist*innen mit Down-Syndrom.

Neue Unterhaltungsangebote sollen unter anderem in den Bereichen Musik und Factual Entertainment im ZDF, in ZDF Neo und der Mediathek etabliert werden. Als Beispiel werden die Schlagershow und das Format „Heimliche Helden“ mit Giovanni Zarrella genannt.

Unterstützung der Kreativwirtschaft auf verschiedenen Ebenen

Auch Kulturschaffenden soll weiter eine mediale Bühne geboten werden: Die Marke „aspekte“ wird dafür erneuert. Das Ziel: verstärkt jüngere Zuschauergruppen im non-linearen Bereich für Kulturinhalte gewinnen. Und der Sender „ZDF Kultur“ wird seine Kulturpartnerschaften in linearen wie non-linearen Formaten fortsetzen „und sich im öffentlich-rechtlichen Kulturkosmos vernetzen“, heißt es.

Im Bereich der Kreativwirtschaft möchte das ZDF die Entwicklungen in ökonomischer, ökologischer, technologischer und sozialer Dimension unterstützen. Im Fokus steht künftig der schonende Einsatz von Ressourcen. Im Zeitraum 2021 und 2022 soll das Programmvolumen in den Bereichen Fiktion, Unterhaltung und Dokumentationen gesteigert werden, das den Kriterien des „Grünen Drehpasses“ entspricht.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist von der Pandemie hart getroffen worden: Sie rechnet mit einem Umsatzrückgang infolge der Krise von bis zu 28 Milliarden Euro. Bislang hat sich das ZDF mit 50 Prozent an den Mehrkosten beteiligt. Bei der Nachwuchs- und Talentförderung vor und hinter der Kamera wiederum sollen Diversitätskriterien stärker berücksichtigt werden.

Entstanden ist die Erklärung übrigens unter der Maßgabe der von der KEF anerkannten Beitragsanpassung zum 1. Januar 2021, die ja weiterhin aussteht. Und sollte der Gebühren-Booster nicht kommen, fehlen dem Zweiten jährlich rund 150 Millionen Euro. Intendant Bellut warnt daher, dass es Einschnitte bei der Programmqualität geben könnte. „Wir versuchen alles, um 2021 ohne Auswirkungen auf das Programm zu überbrücken, ab 2022 würde sich das ändern“, so Bellut (MEEDIA berichtete, €). Sollte das passieren, heißt es in der Erklärung, müssten die Zielsetzungen für den Zeitraum neu bewertet werden.

Die 19-seitige Erklärung bekommen Sie hier in voller Länge.

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