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Zum 90. Geburtstag

Rupert Murdoch: Der alte Mann und das Mehr

"Der Mann, dem die Nachrichten gehören": Medienmogul Rupert Murdoch – Foto: Imago

Der letzte Tycoon der Medienbranche feiert heute tatsächlich bereits seinen 90. Geburtstag. Rupert Murdoch hat zwar formell seine Nachfolge geregelt, wirklich loslassen scheint er aber immer noch nicht zu können. Zerfällt das Medien-Imperium ohne den „Mann, dem die Nachrichten gehören?“

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Wer das Murdoch-Imperium verstehen will, aber die Lektüre der großartigen Michael Wolff-Biografie „The Man who owns the News“ scheut, hat in diesen Tagen gleich zwei Chancen, das erstaunliche Lebenswerk und gleichzeitig die vertrackte familiäre Wechselbeziehung der Murdochs kennenzulernen – beide laufen im Fernsehen.

Bei Arte ist noch bis nächste Woche die dreiteilige Dokumentationsreihe „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ zu sehen. Wer fiktionale Unterhaltung liebt, ist beim Emmy-Seriengewinner „Succession“ (HBO) gut aufgehoben, der das zähe Ringen um die Nachfolge in einem internationalen, familiengeführten Medienkonzern thematisiert. Im Zentrum: Ein Patriarch, der einfach nicht loslassen will oder kann.

Treibt den Serien-Medienmogul Logan Roy die Regelung seines Erbes zum 80. Geburtstag um, feiert das reale Vorbild heute bereits seinen 90. Ganz recht: Rupert Murdoch, dem mit der News Corporation vor der Aufspaltung 2013 einen der wertvollsten Medienkonzerne der Welt gehörte, fällt es offenkundig auch in seinem zehnten Lebensjahrzehnt schwer, die große Bühne zu verlassen.

Verkauf von 21st Century Fox: Trennung vom Lebenswerk

Formell trennte sich der australische Verleger vor zwei Jahren von einem Gutteil seines Lebenswerks: Die Filetstücke des Film- und Fernsehkonglomerats 21st Century Fox wurden verkauft. Mit Disney fand Murdoch den idealen Käufer, dem er sage und schreibe 71 Milliarden Dollar abknöpfte – ein Preis, der für einen Medienkonzern seit der mehrfachen Übernahme von TimeWarner nicht mehr gezahlt wurde.

Gleichzeitig war der Verkauf das Eingeständnis, es nach dem gescheiterten Übernahmeversuch von TimeWarner (2014) einerseits nicht mehr mit der Größe des wertvollsten Medienkonzerns der Welt, Disney, andererseits aber auf Dauer auch nicht mit der neuen Streaming-Generation in Gestalt von Netflix aufnehmen zu können.

Fox und News Corp.: Profitabel, aber nicht mehr erste Liga

Was für Murdoch blieb, waren das Verlagsgeschäft in Form von News Corp. und die ungeliebten Reste von 21st Century Fox – namentlich das TV-Flaggschiff Fox News, das in der Trump-Ära florierte, polarisierte und sie doch unbeschadet überlebte. Mit einem Börsenwert von 24 Milliarden Dollar (Fox) bzw. 15 Milliarden Dollar (News Corp.) spielen die Murdoch-Firmen trotz solider Gewinne indes nicht mehr in der ersten Börsenliga.

Die Zukunftsperspektiven des Verlags- als auch Fernsehgeschäfts sind so vage wie ihre Führung, die Murdoch einerseits an seinen Sohn Lachlan (Fox), andererseits den Verlagsmanager Robert Thompson (News Corp.) übertragen hat. Beide Medienunternehmen sind zu sehr mit der Murdoch-Dynastie verbunden, um als Übernahmekandidaten gehandelt zu werden und gleichermaßen zu klein, um selbst mit Großakquisitionen wachsen zu können.

Kann Murdoch loslassen?

Über allem thront unterdessen noch immer der Medienmogul selbst, der als Aufsichtsratschef und Großaktionär weiter die Fäden in der Hand hält. Dass auch mit 90 Jahren nichts ohne Rupert Murdochs Segen zusammenläuft, unterstrich erst vorgestern eine Pflichtmeldung bei der Börsenaufsicht SEC. Murdoch selbst hatte über den Familien-Treuhandfonds 500.000 weitere News Corp.-Aktien zurückgekauft, weil er die Anteilsscheine auf dem aktuellen Niveau offenbar für unterbewertet hält. Kurspflege über 12 Millionen Dollar zum Geburtstag.

Entsprechend treibt die Branche, Freunde und Feinde zum runden Geburtstag die Frage um, was der einst mächtigste Medienmanager der Welt noch erreichen will. Murdoch weiß das vermutlich selbst nicht so genau – nur ans Ableben denke er nicht, erklärte er jüngst in einem Porträt in der „Financial Times“.

Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass sein Erbe keineswegs in sicherer Hand ist. Murdochs Vermächtnis könne in dem Augenblick zerfallen, nachdem er abtrete, gab ein ehemaliger Vertrauter gegenüber der britischen Wirtschaftszeitung zu bedenken. „Wer hält es zusammen, wenn nicht Rupert?“

Wackelkandidat Lachlan Murdoch

Aktuell würde die Aufgabe Lachlan Murdoch zufallen, der sich im internen Machtkampf gegen Bruder James durchgesetzt hat und den CEO-Posten bei Fox bekleidet. Allerdings muss sich der 49-Jährige weiter bewähren: „Wäre sein Name Lachlan Smith, wäre er keinesfalls in der Position, das Unternehmen zu führen“, erklärt der Universitätsprofessor und Buchautor Rod Tiffen gegenüber der „FT“.

Tatsächlich kann sich Lachlan Murdoch, der die konservativen Ansichten seines Vaters grundsätzlich teilt, seiner Sache nicht zu sicher sein. Aufgrund der Besonderheiten der im Treuhandfonds gebündelten Besitzverhältnisse der sechs Murdoch-Kinder könnten neue Allianzen zu einer totalen Neuausrichtung der beiden Murdoch-Unternehmen führen.

Verkauf, Übernahme oder Neuausrichtung?

Denkbar wäre dabei auch die Rückkehr des jüngeren Murdoch-Sohns James, der in den Nullerjahren noch als absehbarer Nachfolger seines Vaters gehandelt wurde, sich in der jüngeren Vergangenheit aber von der konservativen Grundhaltung der Konzerne distanzierte und im vergangenen Sommer aus dem Verwaltungsrat von News Corp. ausgeschieden war.

Möglich wären am Ende aber auch zwei gegenteilige Optionen: Der komplette Verkauf der beiden Medienunternehmen – oder wieder eine engere Verzahnung wie in der Zeit vor dem Abhörskandal um „News of the World“. Alles scheint damit weiter offen im Murdoch-Imperium, das mit Zeitungen wie dem „Wall Street Journal“, der „New York Post“ oder „The Sun“ sowie Nachrichtensender Fox News weiter die Schlagzeilen der Welt bestimmt – in dieser und vielleicht sogar der nächsten Dekade. „Ich bin noch nicht bereit aufzuhören“, sagte Murdoch vergangene Woche und verwies dabei auf seine Mutter Dame Elisabeth. Sie wurde 103.

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