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Nach 26 Jahren

Mediengruppe RTL übernimmt Super RTL von Disney komplett

Mediengruppe RTL in Köln – Foto: Imago / Future Image

Große Veränderungen im TV-Markt: Disney verkauft seine 50 Prozent-Beteiligung am Sender Super RTL an die Mediengruppe RTL. Damit ist das Kölner Unternehmen künftig alleiniger Gesellschafter des Senders.

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Die BVI Television Investments Inc., ein Unternehmen der Walt Disney Company, verkauft ihren 50 Prozent-Anteil am Sender Super RTL an die Mediengruppe RTL. Das Unternehmen unter dem Dach der RTL Group erhöht damit seinen Anteil auf 100 Prozent und wird künftig alleiniger Gesellschafter des Senders, der in seinem Segment Marktführer ist. Noch steht die Transaktion unter dem Vorbehalt einer Genehmigung durch das Bundeskartellamt und der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde, heißt es in der Mitteilung dazu, und wird bei der zuständigen Medienanstalt angemeldet. Der Abschluss des Verkaufs wird im Verlaufe dieses Jahres erwartet; ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Super RTL wurde 1995 als Joint-Venture zwischen der RTL Group und der Walt Disney Company mit einem Anteil von jeweils 50 Prozent gegründet. Durch den Verkauf zieht sich der US-Konzern nach 26 Jahren aus diesem Bereich zurück. Bei Disney haben sich offenbar die strategischen Prioritäten vor allem durch den Start des Streamingdienstes Disney+ verändert. Die operative Verantwortung des Senders soll weiterhin beim langjährigen Geschäftsführer Claude Schmit liegen, der bereits seit 1999 Chef des Senders ist.

Unterstützung für das Wachstum von TV Now?

Der Sender verbreitet seine Inhalte über diverse Plattformen, darunter dem linearen Kanal, Digitalradio, Websites und eben Streaming. Die Mediengruppe sieht in der vollständigen Übernahme von Super RTL auch eine Unterstützung für das Wachstum des Streamingdienstes TV Now (künftig RTL+).

In jenen Bereich investiert das Unternehmen seit geraumer Zeit enorm und möchte sich auf dem deutschen Markt mit wöchentlichen Originals und neuen Genres wie True Crime positionieren (MEEDIA berichtete). RTL Group-CEO Thomas Rabe sagte zu den Plänen jüngst im „Spiegel“: „Mit über einer Million TV-Now-Abonnenten haben wir schon einen Schritt gemacht, bis 2025 wollen wir damit auch Geld verdienen. Wir geben da richtig Gas.“

Reichart will digitale Agenda künftig noch schneller gestalten

Auch den Kampf gegen Netflix und Disney habe man keineswegs aufgegeben. Der Medienmanager sagte dazu: „Wir wissen, dass es in vielen Haushalten die Bereitschaft gibt, neben einem internationalen Angebot noch eine nationale Streamingalternative zu abonnieren. Und die wollen wir sein.“ TV Now konkurriert im deutschsprachigen Raum auch mit Joyn, dem Streamingangebot von ProSieben.Sat1 und Discovery.

Bernd Reichart, CEO der Mediengruppe RTL, sagt zur Übernahme: „Mit der hohen TV- und Digital-Expertise von Super RTL und seiner agilen Unternehmensorganisation werden wir unsere digitale Agenda künftig gemeinsam noch effizienter und schneller gestalten.“ Und weiter: „Wir freuen uns auf die noch engere Zusammenarbeit mit dem uns bestens vertrauten und hochprofessionellen Team.“

Die Transaktion, so die Sicht der RTL Group, sei ein weiterer Schritt in der Strategie zur Konsolidierung ihrer bestehenden europäischen Sendepräsenz. In der Mitteilung dazu wird unter anderem auf den Kauf der ausstehenden Anteile an den TV- und Radiogeschäften von RTL Belgien verwiesen, wo der Konzern nun 100 Prozent der Anteile hält.

Die Umstrukturierung innerhalb der Mediengruppe nimmt in diesem Jahr damit weiter an Fahrt auf: Erst vor Kurzem wurde die Strategie „RTL United“ bekannt, in der Marken vereinheitlicht und zudem Strukturen neu geordnet werden. So hat TV-Now-Geschäftsleiter zum 1. März auch die Leitung von RTL Television übernommen. Dass es in Zukunft weitere Veränderungen, auch bei Super RTL, geben wird, ist zu erwarten.

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