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Tanja Koschade

Bloß nicht auf Schwächen rumreiten

Tanja Koschade – Foto: Koschade PR / MEEDIA

Als Senior fühlte ich mich vor meinen Chefs wie auf einer Schulbank. Die Folge: Ich kündigte, gründete selber eine Agentur und fördere die Stärken meiner Mitarbeiter.

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Ich hatte gerade die ersten Berufsjahre hinter mir und freute mich auf meinen Start als Senior in einer PR-Agentur. Um es vorweg zu nehmen, dieser Job war mit die wichtigste Station in meiner Karriere. Es fing gut an – mit tollen Kollegen und spannenden Kunden. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass ich ein Händchen für New Business hatte und ein gutes Netzwerk mitbrachte. Sogleich war ich bei einigen Pitches mit an der Front und die neuen Aufgaben im direkten Kontakt mit den Kunden machten mir viel Spaß.

Allerdings, ein Problem tat sich auf: Meine Chefs zerrissen fast jeden Pressetext, den ich produzierte – ich kam mir vor wie in der Schule – und zweifelte an meinen Fähigkeiten. Irgendwann verlor ich die Freude am Schreiben und den Glauben daran, dass ich es wirklich kann.

Nach einem halben Jahr kam der Tag, an dem ich mein Mitarbeiter-Gespräch zum Ende der Probezeit hatte: Das Gespräch lief rund und man übernahm mich gerne als feste Mitarbeiterin. Aber dann: „Du hast ein echtes Problem mit dem Schreiben“, so die Chefs. Deshalb schicke man mich bald zu einem Schreibseminar. Aber nicht nur das, im Gegenzug für die unliebsame Weiterbildung wurde die vereinbarte Gehaltserhöhung gestrichen. Man wolle erst mal sehen, wie sich das entwickelt. Das saß und hinterließ ein schales Gefühl. Anscheinend wurde nicht geschätzt, was ich sonst so draufhatte.

Zu dem Seminar kam es nicht mehr, meine Motivation war völlig weg und kurz nach dem Gespräch kündigte ich. Es dauerte ein paar Wochen, dann fasste ich den Entschluss, eine eigene PR-Agentur zu gründen. Ich sagte mir: „Was die können, das kann ich auch!“ Und ich schwor mir, stets die Stärken meiner Mitarbeiter zu fördern und nicht auf Schwächen rumzureiten, um sie dann zu verlieren.

Über 15 Jahre ist das nun her und ich habe diesen Schritt nie bereut. Im Rückblick bin ich für diese Erfahrung dankbar. Ohne dieses Intermezzo gäbe es meine Agentur nicht, denn die Selbständigkeit war nie der Plan. Und die Schreibblockade? Die ist seitdem wie weggeblasen.

Tanja Koschade ist Gründerin und Geschäftsführerin der Münchner Agentur Koschade PR.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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