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Nach Intendantenwahl beim SR

Kein Aufbruch bei der ARD

IMAGO / Future Image

Den ARD-Anstalten drohen massive Einbußen bei den Beitragseinnahmen. Sie sollten ihre föderalen Strukturen aufbrechen, wenn sie nicht in die Kostenklemme geraten wollen. Sonst wird die ARD nicht zukunftsfähig.

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Die Wahl war kein Selbstläufer. Mehrere Anläufe waren nötig, um sich auf den neuen Intendanten des Saarländischen Rundfunks festzulegen. Erst am zweiten Tag hatten die Mitglieder des Rundfunkrats einen neuen Kandidaten gefunden: Martin Grasmück, ein hauseigenes Gewächs des Senders. Die Wahl für den 50-Jährigen ist ein klares Signal. Die ARD will weiter an den eigenständigen Sendern in ihrem föderalen Verbund festhalten.

MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski bezweifelt, ob ein Silodenken der richtige Weg für die Zukunft der ARD-Anstalten ist.

Dafür ist Grasmück in Saarbrücken der richtige Kandidat. Der Medienmanager pocht darauf, dass der SR unverändert auf eigenen Beinen steht. Eine Allianz mit einem anderen ARD-Sender kommt für ihn nicht in Frage. Zu groß wäre die Gefahr, dass sich der SR durch einen Zusammenschluss selbst auflöst. Das würde wohl die 620 SR-Mitarbeiter treffen, die bei einem großen Bündnis um ihre Jobs bangen müssten.

Doch mit Grasmück verspielt die ARD eine große Chance. Sie erteilt damit auch dem SWR-Intendanten Kai Gniffke eine deutliche Abfuhr, die Sender enger zusammenzurücken. Der setzt sich seit Monaten dafür ein, dass die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten gemeinsam an einem Strang ziehen. Von der Werbevermarktung, Rechnungswesen bis zum Gebäudemanagement – Hand in Hand sollen SWR und SR ihre Strukturen verzahnen. Dabei bringt Gniffke auch ins Spiel, dass die Saarbrücker die Studiokapazitäten des SWR nutzen. Seine Ansätze sind richtig und zeitgemäß. Sie könnten helfen, die Sendekosten deutlich in den Griff zu bekommen. Damit würde die ARD auch einen Schritt auf die Politik zugehen, die sich seit Jahren gebetsmühlenartig deutlich schlankere Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wünscht.

Denn die ARD muss sich dringend bewegen, und dies jetzt stärker denn je. Seit einigen Monaten hängt die fehlende Beitragserhöhung wie ein Art Damoklesschwert über den Sendern. Sachsen-Anhalt verhinderte, dass die Gebühren Anfang des Jahres angehoben werden. Nun beschäftigen sich die Karlsruher Verfassungsrichter mit dem Fall. Da aber Eilanträge gescheitert sind, ist eine schnelle Entscheidung nicht in Sicht. Im Gegenteil: Mehrere Jahre könnte sich das Verfahren hinziehen. 

Damit gerieten aber die ARD-Anstalten in finanzielle Bredouille. Zwar stützt sich die ARD-Gemeinschaft im Rahmen eines Finanzausgleichs gegenseitig. Doch die ausbleibende Beitragserhöhung trifft alle Sender gleichermaßen. Ihnen fehlen in den nächsten Jahren massive Einnahmen, um ihre vorhandenen Verwaltungen und Redaktionen zu finanzieren. Da wäre es hilfreich, wenn die Sender in den angrenzenden Regionen enger zusammenarbeiten. Dies wäre ein sinnvoller Schritt, um die Produktionskosten abzufedern und ein vielfältiges Programmangebot zu garantieren. Jetzt rückt dies mit der Wahl von Grasmück in weite Ferne. Erneut werden alle ARD-Anstalten wohl in alte Muster verfallen und ihre regionalen Besitzstände verteidigen. Ob ein Silodenken aber der richtige Weg ist, darf bezweifelt werden. Es macht die ARD auf Dauer nicht zukunftsfähig. 

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