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Quartalssaion

Airbnb-Bilanz: Der 100-Milliarden-Dollar-Gigant, der 3,9 Milliarden Dollar in 92 Tagen verliert 


Foto: Imago

Erste Bewährungsprobe für das Vorzeigeunternehmen der Sharing Economy an der Wall Street. Zwei Monate nach dem spektakulären Börsengang folgt für Airbnb-Aktionäre bei Bekanntgabe der Quartalsbilanz das Erwachen: Der hoch gewettete Online-Zimmervermittler verbrennt weiter massiv Geld

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An der Wall Street wird seit Monaten das Prinzip Zukunft gehandelt. Wer als „Story Stock“ mit einer spannenden Erfolgsgeschichte aufwarten kann, selbst wenn sie sich erst in ferner Zukunft monetisiert, wurde von Anlegern immer wieder mit Vorschusslorbeeren bedacht.

So etwa Airbnb. Der digitale Zimmervermittler hatte im vergangenen Jahr dabei ganz erheblich unter den Folgen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Shut- und Lockdowns gelitten. Urlaubsreisen fielen aus – und damit Millionen von Buchungen. 

Immer größere Verluste

Wie sehr das von Brian Chesky geführte Internetunternehmen aus San Francisco die Folgen von Covid-19 zu spüren bekam, macht ein Blick auf die jüngste Quartalsbilanz deutlich. Zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember büßte Airbnb beim Umsatz weitere 22 Prozent auf nunmehr 859 Millionen Dollar ein, konnte damit aber deutlich die Konsensschätzungen der Wall Street schlagen, die noch bei 748 Millionen Dollar gelegen hatten.

Die Verluste explodierten dagegen förmlich. Nach 352 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum verbrannte das 12 Jahre Internet-Unternehmen in den letzten 92 Tagen des Jahres nunmehr bereits astronomische 3,89 Milliarden Dollar. Der Löwenanteil der Verluste entfiel dabei auf Kosten und (Aktien-) Kompensationen im Zuge des Börsengangs im Dezember vergangenen Jahres.

Im Gesamtjahr 2020 hat der Online-Vermittler von Wohnungen und Häusern einen happigen Umsatzrückgang um 30 Prozent von 4,8 auf nur noch 3,4 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Der notorisch defizitäre Internetplattform-Betreiber vervielfachte zudem seine Verluste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf enorme 4,6 Milliarden Dollar. Die Aktie reagierte nachbörslich weitgehend unverändert auf das Zahlenwerk.

Spektakulärer Börsengang

An der Wall Street hat Airbnb zwei atemberaubende Monate hinter sich. Mitte Dezember debütierte der zwölf Jahre alte Pionier der Sharing Economy spektakulär an der Technologiebörse Nasdaq. Zunächst hatte Airbnb den angestrebten Unternehmenswert im Börsenprospekt auf 31 Milliarden Dollar taxiert, dann aber wegen der großen Nachfrage die Bewertung mehrfach auf 47 Milliarden Dollar angehoben.

Wie viel Geld CEO Brian Chesky damit am Ende auf dem Tisch liegen ließ, wurde beim Debüt an der Technologiebörse Nasdaq deutlich. Zur Erstnotiz leuchteten Kurse von sage und schreibe 146 Dollar auf, die aus dem Stand dem spektakulären Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar entsprachen.

Bewertungsexplosion binnen eines Jahres

Es kam noch besser. In der Folge sollten die Kurse bis auf einen vorläufigen Höchststand von 220 Dollar schießen, zu dem Airbnb mit mehr als 130 Milliarden Dollar bewertet wurde. Danach sah es vor Jahresfrist noch überhaupt nicht aus.

Im Zuge der Corona-Pandemie war Airbnb nämlich in erhebliche Turbulenzen geraten, die zu einer Entlassung von gleich einem Viertel der Belegschaft geführt hatte. Nach zusätzlichen Krediten von einer Milliarde Dollar am Private Equity-Markt wurde Airbnb im Frühjahr kurzzeitig nur noch mit 18 Milliarden Dollar bewertet. 

Bereits in 100.000 Städten auf der Welt präsent

Danach änderte sich die Bewertung indes rasant, weil Anleger bei ihrem Investment bereits auf die Zeit nach der Corona-Pandemie blickten, aus der Airbnb nicht zuletzt wegen der inzwischen großen Verbreitung rund um den Erdball als Gewinner der Tourismusbranche hervorgehen könnte. 

Gegründet wurde Airbnb im August 2008 von den Studenten Brian Chesky und Joe Gebbia in San Francisco. Der Name ist Programm: „Airbed and Breakfast“ heißt die Langfassung, Luftmatratze und Frühstück also.

„Der Zugang ist wichtiger als der Besitz“, beschrieben die Gründer einst ihr Mission Statement. Inzwischen bietet Airbnb Zimmer in 220 Ländern und über 100.000 Städten an: Durch die mittlerweile sieben Millionen Inserate wurden inzwischen bereits 500 Millionen Menschen rund um den Globus eine Unterkunft vermittelt.

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