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Deal mit NewsCorp

Google bezahlt (noch mehr) für Nachrichten

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In einer wegweisenden Kooperation wird Google drei Jahre lang für Nachrichten etwa von „Times“, „Sun“ und „Wallstreet Journal“ bezahlen. Google bricht mit seiner bislang harten Linie gegenüber Verlagen. Die Regierungen in Australien und Kanada haben kräftig mitgeholfen.

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Es wird ein spannendes Wochenende in den Chefetagen der deutschen Verlagshäuser. Google hat mit der in New York ansässigen NewsCorp von Rupert Murdoch einen richtungweisenden Vertrag unterschrieben. Die auf drei Jahre befristete Vereinbarung sieht vor, dass Google unter bestimmten Vorausetzungen für die Inhalte von namhaften Medien wie „The Times“, „The Sun“ oder „Wall Street Journal“ bezahlt. Hierzulande stellt man sich bei Springer, Burda oder Funke zweifelsohne die Frage, was der Deal für das eigene Geschäft bedeuten könnte.

Und darum geht es: Die Verlage werfen Google vor, Geld damit zu verdienen, dass die Suchmaschine in ihren diversen Erscheinungsformen Nachrichtenmeldungen und Kurztexte automatisch erfasst und bei einer passenden Google-Suche ausspielt. Viele Nutzer – so argumentieren die Verlage – klicken gar nicht zum Originaltext durch, sondern ihnen reicht die kurze Information im Snippet. Dadurch verlieren die Verlage Traffic, den man werblich monetarisieren könnte oder im Idealfall sogar in ein Abo konvertiert.

Umgekehrt argumentiert Google, dass Nachrichten Content sind wie jeder andere. Google macht sich den Content nicht zu eigen sondern verweist klar und deutlich auf die Quelle und sorgt dadurch für zusätzliche Sichtbarkeit der Meldung. Das wiederum spült mehr Traffic auf die Webseiten und die verdienen mehr. Es steht Verlagen ja frei, ihre Inhalte unter „no follow“ zu stellen, dann wären sie für die Crawler von Google unsichtbar.

Die marktbeherrschende Stellung, die Google vor allem hierzulande genießt, erlaubt es Google die Spielregeln zu diktieren. Die Google-Suchmaschine hat einen Marktanteil von 90 Prozent auf Desktop und Tablet. Und das, obwohl Microsoft mit seinem markführenden Betriebssystem Windows (78%) alle Tricks versucht, um die eigene Suchmaschine Bing stärker zu machen. Das mobile Betriebssystem Android mit fest eingebauter Google-Suche wird von dreiviertel der Deutschen benutzt.

Auch wenn die Gerichte das bislang nur zögerlich feststellen wollen, kann man wohl von einer marktbeherrschenden Stellung sprechen. Folglich liegt Marktversagen vor, folglich braucht es Regulierung. Das dachte sich auch die staatliche australische Wettbewerbsbehörde ACCC und ließ ein Gesetz entwerfen, das vorsieht, dass Plattformen den Verlagen Provisionen zu bezahlen haben, wenn die Menschen dort Nachrichten lesen.

Facebook schaltete die Weiterleitung von Nachrichten in Australien ab

In Australien ist die Google-Macht im Bereich der Suchmaschine noch größer. 97 Prozent aller Suchen gehen durch die Algorithmen aus Mountain View. Bei Android ist das anders, hier beträgt der Marktanteil „nur“ 63 Prozent.

Die Entscheidung, die von der australischen Regierung ausdrücklich begrüßt wird, trifft nicht nur Google sondern auch Facebook. Und hier wird es spannend. Während Google die Inhalte der Websites crawlt, verteilt Facebook Nachrichten, die die Verlage selbst (unverlangt) dort eingestellt haben. Man kann das als Content-Marketing der Verlage interpretieren, also Eigenwerbung, also warum sollte Facebook dafür bezahlen? Entsprechend harsch fiel der Protest aus der Zuckerberg-Company aus. Um 13 Prozent sei ersten Messungen zufolge, die Reichweite von Nachrichten bereits gesunken. Facebook hat offensichtlich sofort den Algorithmus geändert. Ein vollständiger Rückzug aus Australien wurde ebenfalls bereits in Spiel gebracht.

Und auch Google ließ verlauten, dass man sich eher aus DownUnder zurück zieht, bevor man die Pauschalabgabe bezahlt. Und genau das ist der wichtige Baustein in Googles Kampfstrategie: Blos keinen allgemeingültigen Präzedenzfall schaffen!

Und hier ist der Deal mit Murdoch einzuordnen. Auch wenn NewsCorp seit 2004 eine amerikanische Firma ist, gegründet wurde das Unternehmen in Adelaide vom gebürtigen Australier Rupert Murdoch. Er ist eine Ikone in seiner Heimat, ein Rudolf Augstein oder Axel Springer der Australier. Entsprechende Öffentlichkeitswirkung erzielt der Deal in DownUnder.

Die Titel aus seinem Nachrichtenimperium sind zum Teil internationale Hochkaräter wie die Times oder das Wall Street Journal. Sie werden weltweit gelesen, und insofern hilft dieses Geschäft Google bei jeder weiteren Verhandlung mit Regulierungsbehörden. Kanada hat bereits angekündigt, auch den australischen Weg gehen zu wollen. In der EU bietet die Urheberrechtsnovelle weitere Möglichkeiten für die Regulierer, Google zur Kasse zu bitten.

Google betont in einer Stellungnahme ausdrücklich, dass sich der Vertrag auf das Google News Showcase bezieht. Hier sind längst auch die deutschen Verlage vertreten. Letzten Sommer erklärte der Riese, man werde eine Milliarde Dollar in dieses „Projekt“ stecken. Fakt ist, dass das Projekt ein Experiment ist. Die Integration in Android-News, Discover und die Google-Suche sind geplant.

Für die Titel von NewsCorp wird es jetzt spannend. Es gibt einen Interessenkonflikt zwischen der eigenen PayWall und dem Google-Vertrag. Google wird darauf pochen, dass möglichst viele Texte frei zugänglich sind. Das ist nicht nur für die Google-Crawler wichtig, sondern vor allem für die User Experience der Google-Nutzer. Die NewsCorp-Publikationen werden sich genau überlegen, ob es sinnvoll ist, Traffic von Google gegen die Bezahlschranke laufen zu lassen, oder ob es eher darum geht, Google möglichst viel Content zur Verfügung zu stellen jund direkt dafür zu kassieren.

Für die deutschen Publisher ist es kein Grund, den Sektkorken knallen zu lassen. Die Regulierungsbehörden hierzulande gehen bislang behutsamer mit den Tech-Riesen um und die deutschen Großverlage haben nicht ganz die internationale Bedeutung wie NewsCorp. Aber wenn es tatsächlich einen Wettbewerb um Content zwischen den großen Plattformen gibt, so wie das ja im Streaming-Markt allenthalben zu sehen ist, dann ist das eine gute Nachricht für den Journalismus.

Und wenn die Regulierungsbehörden lernen, das facettenreiche Geschäft der Plattformen besser zu verstehen, kann das auch nicht schaden.

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