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Umbenennung von TV Now

RTL versperrt sich den Weg für Allianzen

Foto: TV NOW

RTL benennt seinen Streaming-Dienst TV Now in RTL+ um. Damit verspielt der Fernsehriese eine große Chance, um weitere Allianzen mit strategischen Partnern auf dem hart umkämpften Markt der Streaming-Plattformen einzugehen.

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Der Name klingt vielversprechend: „RTL united“. Jahrelang hat die TV-Riese RTL verschiedene Logos für Fernsehsender, Radiostationen oder Digitalangeboten geführt. Jetzt ist damit Schluss. Endlich verpasst Inhalte-Chef Stephan Schäfer den Medienmarken des Kölner Fernsehriesen einen einheitlichen Markenauftritt. Aus TV Now wird RTL+  – damit ist jedem Nutzer endgültig klar, zu wem der Streamingdienst gehört. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Wahrnehmung der Marke RTL bei Zuschauern und Werbetreibenden zu erhöhen. 

Die Umbenennung von TV Now zu RTL+ ist kein geschickter Schachzug, meint Gregory Lipinski

So stärkt RTL Group CEO Thomas Rabe weiter den Luxemburger TV-Konzern. Dabei könnte auch der Verlag Gruner + Jahr einen wichtigen Baustein bilden. Kommt es zu einer Fusion mit dem Verlagsriesen, kann Schäfer auf noch mehr Inhalte zugreifen. Damit wird das Angebot der Sendergruppe noch interessanter. Ob Bewegtbild-Reportagen von „Stern“ oder „Geo“ – neben Unterhaltungs-Serien wie „Bachelor“ oder „DSDS“ kann der Medienmacher den Zuschauern des Streamingdienstes dann auch verstärkt spannende non-fiktionale Inhalte liefern. Das wird vor allem Rabe freuen. Er drängt seit Längerem die Manager seines Hauses, konzernübergreifend verstärkt Synergien zu heben. So hofft der gebürtige Luxemburger, den Gewinn von RTL zu steigern – dem wichtigsten Rendite-Zugpferd im Gütersloher Medienriesen Bertelsmann. 

Doch die Umbenennung von TV Now und der Ausbau von Inhalten durch Gruner + Jahr ist nicht der richtige Weg. Das reicht nicht aus, um sich gegen die wachsende Macht der US-Plattformen zu behaupten. Ob Netflix, Amazon Prime oder Disney+, die Streaming-Angebote aus Übersee haben es in wenigen Jahren geschafft, mit attraktiven Filmen und Eigenproduktionen ein zahlendes Millionenpublikum zu erreichen. Von solchen Wachstumssprüngen träumt man in Gütersloh nur. Dabei hätte Rabe gute Chancen, den hart umkämpften Streaming-Markt aufzurollen. Dazu müsste er aber weitere Allianzen eingehen.

Eine Option wäre gewesen, Joyn von ProSiebenSat.1 und Discovery einzubinden. Das ist jedoch mit der jetzt festgelegten Umbenennung von TV Now unwahrscheinlicher denn je. Noch schlimmer: Der Bertelsmann-Chef verspielt mit der neuen Markenarchitektur seine große Chance, weitere Allianzen mit Konkurrenten auf dem europäischen Markt zu schmieden. Kein strategischer Wettbewerber wird wohl jetzt bereit sein, unter das Streamingdach mit dem Marknamen RTL+ zu schlüpfen. Dabei hat Rabe im weit verzweigten Firmenreich des Luxemburger TV-Konzerns ein gutes Beispiel, wie es gehen könnte. In Frankreich haben die RTL-Tochter M6, der private TV-Sender TF1 sowie der öffentlich-rechtlich Sender France Television 2020 einen gemeinsamen Streaming-Dienst gestartet.

Geschickt wählten hierfür alle drei Partner den neutralen Namen Salto. Jetzt machen die TV-Unternehmen seit Herbst vergangenen Jahres den Markennamen bei den Abnehmern in Frankreich bekannter. Dafür setzen sie etliche Werbemillionen ein. Das wird aber keine konkurrierende Sendegruppe mitmachen, wenn das Streaming-Angebot RTL+ heißt, vor allem nicht Wettbewerber wie ProSiebenSat.1. Sie werden nicht ihr Geld investieren, um das Angebot der Bertelsmann-Tochter zu pushen. Rabe hat sich mit dem neuen Namen RTL+ klar entschieden. Er will RTL in Deutschland im Alleingang zu neuer Macht auf dem TV-Markt verhelfen. Ein gewagter Schritt.   

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