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Die Kandidaten bei der SR-Intendantenwahl

Rainald Becker – Ein TV-Mann mit klarer Kante

Die Kandidaten für das Amt des SR-Intendanten stehen fest. Neben Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück tritt auch ARD-Chefredakteur Rainald Becker an. Er traf zuletzt die Kanzlerin zum Gespräch – und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.

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Unter den Kandidaten für das Amt des SR-Intendanten, dürfte er mit Abstand das prominenteste Gesicht sein: Rainald Becker. Er ist der breiten Öffentlichkeit vor allem als ARD-Chefredakteur bekannt. In dieser Rolle führte er zuletzt etwa ein Interview mit der Kanzlerin über die Corona-Pandemie. Becker ist aber auch einer, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, weder in seinen Kommentaren für „Tagesschau“ oder „Tagesthemen“, noch auf Twitter, wo er, letzter Stand, immerhin auf 3.837 Follower kommt. Dort positionierte er sich zuletzt gegen Trump und für einen rigorosen Lockdown über die Weihnachtszeit.

Und wie das eben so ist mit der Meinung in der Öffentlichkeit, vor allem in Zeiten wie diesen, gibt’s auch mal Gegenwind. Etwa für Beckers Kommentar im Mai 2020, in dem er in Richtung jener, die die Corona-Politik der Regierung kritisierten, sagte: „All diesen Spinnern und Wirrköpfen sei gesagt, es wird keine Normalität mehr geben wie vorher.“ Zudem schloss sich Becker in seinem Kommentar einer Forderung von Prominenten wie Robert de Niro und Madonna an, die Pandemie auch als Anlass zu nehmen, „Lebensstil, Konsumverhalten und Wirtschaft grundlegend zu ändern“.

Kuschelkurs ist nicht seins

Der Kolumnist Jan Fleischhauer schrieb postwendend: „Wer hätte gedacht, dass sich hinter der biederen Fassade des öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Funktionärs ein Revolutionär verbirgt? Oder vielleicht sollte man besser sagen: ein Swami beziehungsweise eine Swamini?“. Tatsächlich ging Beckers Einlassung auch manchem Befürwortern der Corona-Politik zu weit. Ob man Beckers Meinung teilt oder nicht, klar scheint zumindest: Kuschelkurs in der öffentlichen Debatte ist nicht seins. Ob das auch auf den SR abstrahlen würde, sollte Becker neuer Intendant werden?

Wie seine Gegenkandidaten – Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück – kennt auch Becker den Journalismus und die Branche nur durch die öffentlich-rechtliche Perspektive. Er begann seine Karriere 1982 als Fernsehjournalist beim WDR und wechselte 1986 als Innenpolitikredakteur zum damaligen SDR nach Stuttgart. Ab 1990 arbeitete er in der Auslandsredaktion des SDR, ab 1993 als leitender Redakteur und Moderator. Von 1995 bis 1999 war er stellvertretender Leiter der „Weltspiegel“-Redaktion in Stuttgart.

Von 1999 bis 2006 arbeitete Becker dann als Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, bevor er als stellvertretender Abteilungsleiter Fernsehen Ausland und Europa sowie Leiter der Redaktion „Weltspiegel“ zum SWR zurückkehrte. Von 2009 an war er stellvertretender Chefredakteur Fernsehen im ARD Hauptstadtstudio Berlin, bevor er 2016 ARD-Chefredakteur sowie ARD-Koordinator Politik, Gesellschaft und Kultur wurde. Seinen Posten als ARD-Chefredakteur wird er, unabhängig vom Ausgang der kommenden Intendanten-Wahl, im Mai abgeben.

Diskussionsbedarf gibt es genug

Kurzum: Becker ist sicherlich der profilierteste Kandidat im Rennen um den SR-Vorsitz, mit viel Erfahrung, klarer Kante und einer Bekanntheit, die doch deutlich über der seiner direkten Konkurrenten liegt. Ob das reichen wird? Diskussionsbedarf jedenfalls gäbe es genug, etwa zu der Debatte, ob es sinnvoll wäre, den SWR und den SR miteinander zu verschmelzen. Eine klare Meinung dazu hat Becker sicherlich.

Lesen Sie auch die MEEDIA-Porträts über Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück.

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