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Die Kandidaten bei der SR-Intendantenwahl

Armgard Müller-Adams – Eine Chefin mit neuen Ideen

SR-Chefredakteurin Armgard Müller-Adams – Foto: Alexa Kirsch

Die Kandidaten für das Amt des SR-Intendanten stehen fest. Neben Rainald Becker und Martin Grasmück tritt auch SR-Chefredakteurin Armgard Müller-Adams an. Sie kennt den SR bestens – und setzt auch auf innovative Ansätze.

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An die Intendanz des Saarländischen Rundfunks wird sich Armgard Müller-Adams noch gut erinnern können. Erst als Referentin von SR-Intendant Thomas Kleist, ab 2015 dann rund fünf Jahre lang als Leiterin, hat sie sich dort mit der Unternehmensentwicklung beschäftigt und dabei auch Kleist beraten. Im Herbst 2019 wechselte sie auf die Stelle als SR-Chefredakteurin. Jetzt tritt sie selbst bei der Wahl an. Ihre beiden Mitstreiter um die Position: Rainald Becker, ARD-Chefredakteur und Martin Grasmück, stellvertretender Programmdirektor des SR. Einer der drei wird die Nachfolge von Kleist antreten, der zum 30. April dieses Jahres vorzeitig ausscheidet.

Friedenslesungen und Happenings

Mit Müller-Adams ist ein echtes SR-Eigengewächs (wie Grasmück) im Rennen um das höchste Amt in der öffentlich-rechtlichen Anstalt. Nach einem Studium in Linguistik und Literaturwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat beim SR. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit lag in der Berichterstattung für das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“, sie trat aber auch als Moderatorin von Reisesendungen auf und war in der „MedienWelt“ bei SR 2 Kulturradio zu hören.

Auf die Frage, warum sie Journalistin geworden ist, antwortete sie in einem Antrittsinterview von Oktober 2019 bei „SR.de“, sie sei schon sehr früh stark an Politik interessiert gewesen. „Ich habe als Schülersprecherin Friedenslesungen und Happenings organisiert, später als AStA-Vorsitzende ging es bei den Demos vor allem um das Recht auf freie Bildung. Ich hatte das Gefühl, dass es nötig ist, Bestehendes zu hinterfragen, nach Alternativen zu suchen, aber vor allem wollte ich im Gespräch, im Kontakt mit anderen Lösungen finden.“ All diese Möglichkeiten bot der Journalismus. „Ich darf Themen recherchieren, in den Filmen Menschen auftreten lassen, die alternative Lösungsvorschläge haben“, so Müller-Adams.

Wellness-Mode? Oder Anarchie?

Nach vielen Jahren als Moderatorin und Reporterin arbeitete sie dann als Referentin von SR-Intendant Kleist, ehe sie ab 2015 die Intendanz leitete. In jener Zeit, erzählt sie in dem Interview, hat sie das Projekt „Wir im SR“ aufgelegt. Auf dessen Grundlage wurde entschieden, agile Entscheidungsfindungsprozesse im Haus einzuführen. In jenen Teams werde nun Design Thinking angewandt. Zur Kritik an der Methode sagte sie: „Ich weiß, manche denken, das ist nur eine Wellness-Mode. Andere halten es für die Einübung der Anarchie. Es ist keines von beiden. Es ist ein Ansatz, der dezidiert das Bedürfnis des Menschen in den Mittelpunkt stellt, in unserem Fall also das Bedürfnis des Zuschauers oder der Hörerin und das Bedürfnis des Mitarbeiters, der Mitarbeiterin. Ein zutiefst humanistischer Ansatz.“

Diesen Ansatz wollte sie damals weiter verfolgen, wofür ihr die 2019 von Kleist angebotene Stelle als SR-Chefredakteurin entgegen kam. Jenen Grundgedanken könne sie aus dem Programm „vielleicht etwas besser“ vertiefen als aus der Intendanz heraus. Man befinde sich mitten im Geschehen des operativen Geschäfts.

Starker, digital fokussierter Regionaljournalismus

Bald könnte der nächste Schritt auf der Karriereleiter folgen. Die 48-Jährige möchte Intendantin werden. Dabei könnte es von Vorteil sein, dass sie sowohl die Abläufe in der SR-Intendanz kennt als auch viel journalistische Erfahrung im Sender mitbringt. Sollte sie die Wahl gewinnen, wird sie sich ganz sicher auch mit den jüngsten Ideen von SWR-Intendant Kai Gniffke beschäftigen müssen, der eine intensivere Kooperation zwischen SWR und SR gefordert hat. Der noch amtierende Kleist wies die Überlegungen entschieden zurück (MEEDIA berichtete). Hinzu kommt die Angelegenheit mit dem Rundfunkbeitrag, dessen Erhöhung durch Sachsen-Anhalt gestoppt wurde, was besonders für den SR Schwierigkeiten bringt.

Eines dürfte Müller-Adams als potenzielle Intendantin bei allen Sparkursen zum Trotz wichtig sein: ein starker, digital fokussierter Regionaljournalismus. Im Herbst 2019 sagte sie hinsichtlich der internationalen Konkurrenz: „Ich glaube, gerade wegen der Globalisierung und der Virtualisierung menschlicher Beziehungen ist die Regionalität Trumpf. Denn die Unübersichtlichkeit und Anonymität des Internets weckt auch eine Sehnsucht nach Nähe und direkten, authentischen Erfahrungen.“ Google und Co. könnten das nicht, sagte sie, vermutlich hätten sie auch kein Interesse daran. Genau das „alles können wir als regionaler Sender bieten“, so die SR-Chefredakteurin. Und das ist doch eine ganze Menge.

Lesen Sie auch die MEEDIA-Porträts über Rainald Becker und Martin Grasmück.

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