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„FAZ“-Verlag

Neuer „FAS“- Erscheinungstag ist ein gewagtes Manöver

Verlagshaus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ

Verlagshaus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – Foto: imago

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ wird künftig bundesweit am Samstag vertrieben. Das birgt große Risiken beim Absatz und im Vertrieb, meint MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski.

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Vor rund 20 Jahren erschien erstmals die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Damit knackte der „FAZ“-Verlag das jahrelange Monopol der Springer-Presse, die mit der „Bild am Sonntag“ und der „Welt am Sonntag“ bis dahin den Markt der sonntagstäglichen Zeitungslandschaft dominierte. Nun ist damit Schluss. „FAZ“-Geschäftsführer Thomas Lindner hat sich entschieden, die Erscheinungsweise des Blattes auf den Samstag vorzuverlegen. Das bringt der „FAZ“-Spitze sicher große Vorteile im Vertrieb. Der Verlag kann die Zeitung nun kostengünstiger an seine Abonnenten liefern. Zudem sind zu Beginn des Wochenendes mehr Supermärkte und Einzelhandelsgeschäfte geöffnet. Damit liegt die „FAS“ an deutlich mehr Verkaufsstellen aus, was die Reichweite des überregionalen Zeitungstitels erhöht. 

MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski ist von der „FAS“-Umstellung auf den nicht überzeugt – Illustration: Bertil Brahm

Doch die Umstellung des Erscheinungstags birgt große Risiken. Erstmals liegen zwei Produkte des „FAZ“-Verlags zeitgleich in den Regalen des Einzelhandels. Damit müssen sich die Leser entscheiden, zu welchem Titel sie greifen. Es ist aber kaum anzunehmen, dass sich die Konsumenten zwei Blätter in ihren Einkaufskorb legen – auch wenn sich die redaktionellen Profile unterscheiden. Und es gibt ein weiteres Problem. Die Zahl der Remissionen bei der „FAS“ könnte steigen.

Denn greifen die Leser in den Supermärkten zur regulären Samstagsausgabe und lassen die „FAS“ an diesem Tag links liegen, muss diese an den Verlag zurückgeschickt werden. Nur in einigen wenigen touristischen Regionen sind die Geschäfte von Edeka, Rewe und Co. auch am Sonntag geöffnet. Eine weitere Crux ist der Name „FAS“. Er passt nicht ins Bild einer samstäglichen Erscheinung. Dies könnte die Käufer stark verwirren. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass die „FAS“ auf Dauer auf der Strecke bleibt.

Die samstäglich erscheinende „FAS“ könnte ins Hintertreffen geraten

Auch die Abonnenten beider Blätter dürften mit der neuen Vertriebs-Strategie fremdeln. Zeitgleich bekommen sie nun „FAZ“ und „FAS“ in ihre Briefkästen. Sie werden sich entscheiden, ob sie für beide Blätter weiter Geld ausgeben wollen. Da könnte vor allem die samstäglich erscheinende „FAS“ ins Hintertreffen geraten. Denn die Zeitung nimmt wegen des früheren Redaktionsschlusses wichtige aktuelle Entwicklungen nicht mehr mit. 

Und auch die Vermarktung stellt die neue Erscheinungsweise vor große Herausforderungen. Zwar haben die Verlage der „Süddeutsche Zeitung“ und der „FAZ“ ein Werbebündnis geschlossen und umgarnen nun gemeinsam die Anzeigenkunden. Das sind Kombi-Angebote für Werbetreibende sicher sehr interessant, da sie am Samstag gleich in drei Titeln ihre Kampagnen ausspielen können. Dies wird aber auch den Rabattdruck im hart umkämpften Anzeigengeschäft verschärfen. 

Gewinner des neuen „FAS“-Erscheinungstermins ist eindeutig Axel Springer. Der Berliner Medienriese wird nun versuchen seine exponierte Alleinstellung bei der roten und blauen Gruppe auf dem Sonntagsmarkt auszubauen. Vor allem die defizitäre „Welt“-Gruppe könnte von den neuen Marktgegebenheiten profitieren und in die Gewinnzone steuern. Ob die Entscheidung des „FAZ“-Geschäftsführers Thomas Lindner daher wirklich der große Wurf ist, ist stark zu bezweifeln.

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