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"Gesund.Bund.de"

Verlage klagen gegen den Bund und Google

Gesundheitsminister Jens Spahn, der Kopf hinter dem Gesundheitsportal – Foto: IMAGO / Jürgen Heinrich

Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums in Zusammenarbeit mit Google, „Gesund.Bund.de“, steht erneut in der Kritik. Laut Informationen des „Handelsblatts“ klagen die beiden Verlage Burda und Wort & Bild gegen das Angebot.

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Das Portal soll eine einfache Übersicht über Krankheiten, Symptome und Therapiemöglichkeiten bieten. Bei einer Google Suchanfrage zu einer Krankheit gelangt man mittlerweile zuerst auf einen farblich hinterlegten Kasten, in dem die Informationen über die jeweilige Krankheit zusammengefasst sind. Verlage hinter Gesundheitsmedien, wie der „Apotheken Umschau“ (Wort & Bild) oder „Netdoktor.de“ (Burda) fühlen sich im Wettbewerb benachteiligt, berichtet das „Handelsblatt„. Das Angebot des Bundes kostet in diesem Jahr 4,5 Millionen Euro, im Jahr 2022 fünf Millionen.

VDZ und BDZV äußerten bereits im vergangenen November Kritik

Bereits im November vergangenen Jahres äußerten der BDZV und der VDZ Kritik am Gesundheitsministerium. Durch die Kooperation mit Google stärke das Ministerium „die quasimonopolistische Stellung des Suchmaschinenkonzerns zu Lasten kleinerer Anbieter“, so der Hauptgeschäftsführer des BDZV Dietmar Wolff. In der Corona-Pandemie hätten Zeitungen „mindestens genauso verlässlich wie das vom Gesundheitsministerium finanzierte Gesundheitsportal“ informiert. „Schon dass ein Bundesministerium überhaupt ein eigenes Fachmedium mit vollwertiger redaktioneller Berichterstattung über Gesundheitsfragen betreibt, ist mit der Staatsfreiheit der Medien nicht vereinbar und ein unannehmbarer Eingriff in den freien Pressemarkt, der sich nach wirtschaftlichen Grundsätzen finanzieren muss“, erklärte Rudolf Thiemann, Präsident der Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger.

Der Vizepräsident des VDZ, Philipp Welte, ergänzte: „Die Kooperation des Gesundheitsministeriums mit Google versetzt der freien journalistischen Gesundheitsinformation einen schweren Schlag und ist nicht zu tolerieren. Das Ministerium setzt sich als staatlicher Sender mit der Unterstützung des Suchmonopols von Google unabhängig von jeder inhaltlichen Qualität vor die journalistischen Angebote der freien Presse. Das Ministerium deklassiert die freien marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsportale und setzt alle Mechanismen der freien Information und damit der freien Meinungsbildung in unserer Demokratie außer Kraft.“

Erstes Urteil wird am Mittwoch erwartet

Am Mittwoch soll laut „Handelsblatt“ das Münchner Landgericht in der ersten Klage von „Netdoktor.de“ (Burda) gegen Google und den Bund entscheiden. Grund sind „schmerzhafte“ Rückgänge bei den Klickzahlen. Auch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein prüft das Angebot wegen Diskriminierung privater Angebote.

ls

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