Anzeige

BDZV- und Schickler-Umfrage

So blicken die Zeitungsverlage auf die Zukunft im Digital- und Printgeschäft

Die Medienbranche befindet sich massiv im digitalen Umbau – andere Industrien wie die Musikbranche erlebten solche Umbrüche schon früher. Die Verlage setzen auf deutliche Umsatzeffekte in wenigen Jahren.

Anzeige

Von Anna Ringle, dpa

Der Umbau in deutschen Zeitungsredaktionen hin zu mehr digitalen Angeboten wird sich nach Einschätzung von Verlagen in den kommenden Jahren deutlich auf die Umsätze auswirken. Das geht aus einer am Dienstag vorgestellten Umfrage des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin hervor. Demnach wird sich der Anteil des digitalen Kerngeschäfts am Gesamtumsatz in drei Jahren mehr als verdoppeln.

Derzeit ist dieser noch vergleichsweise gering: 86 Prozent der befragten Verlage geben die Anteilshöhe aktuell mit bis zu 10 Prozent an, 11 Prozent der Häuser mit bis zu 20 Prozent an. In drei Jahren rechnen 9 Prozent der Medienhäuser bereits mit einem Wert von bis zu 40 Prozent und 16 Prozent von bis zu 30 Prozent. 38 Prozent gehen immerhin von bis zu 20 Prozent Digital-Umsatzanteil aus.

Printgeschäft bleibt entscheidendes Standbein

Seit Jahren verstärkt sich hierzulande der digitale Wandel in Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen. Es gibt auf Webseiten der Medienmarken Bezahlschranken und Abo-Modelle für digitalen Journalismus. Das Arbeiten ist zunehmend darauf ausgerichtet, zuerst für eine digitale Leserschaft zu denken („Digital first“).

Zugleich bleibt für Verlage das Printgeschäft nach wie vor ein entscheidendes Standbein. Abonnements und der Printverkauf sind vergleichsweise lukrativ. In Deutschland gehen seit vielen Jahren allerdings die Auflagen insgesamt zurück. Im dritten Quartal 2020 lag die Höhe von insgesamt 344 Tages-, Sonntags- und Wochenzeitungen bei fast 16 Millionen Exemplaren.

Etwas mehr als die Hälfte der befragten Verlage (58 Prozent) erwarten, dass in fünf Jahren die Rückgänge im Printgeschäft durch Digitalerlöse kompensiert werden könnten. Bis 2030 gehen zudem 60 Prozent davon aus, dass sie mit ihren digitalen Abo-Umsätzen die redaktionellen Kosten decken können.

Vollständige Rückkehr des Anzeigenvolumens wohl unwahrscheinlich

An der Befragung „Trends der Zeitungsbranche 2021“ hatten sich 67 Verleger und Geschäftsführer, 32 Chefredakteure und 30 Digitalpublisher beteiligt. Sie repräsentieren nach Auflage gut die Hälfte (59 Prozent) der Tageszeitungen in Deutschland. Die Umfrage in Kooperation mit der Unternehmensberatung Schickler wurde zum siebten Mal veröffentlicht. Die Befragungen erfolgten im Dezember und Januar.

Branchen-Umsatzzahlen für 2020 liegen dem BDZV noch nicht vor, sie werden zurzeit ermittelt. Was Verleger aber bereits absehen können: Nach dem Einbruch im Anzeigengeschäft des Corona-Jahres 2020 rechnen 92 Prozent der an der Umfrage beteiligten Verlage nicht mehr mit einer vollständigen Rückkehr des Anzeigenvolumens. Durchschnittlich seien im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 die Werbeerlöse im Print um 21 Prozent zurückgegangen.

In der gesamten Medienbranche machten sich die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie im Anzeigengeschäft bemerkbar. TV-Sender, Zeitschriften, Zeitungen und Anzeigenblätter mussten teils massive Rückgänge hinnehmen. Anzeigen-Projekte wurden storniert oder verschoben. Zum Jahresende setzte wieder etwas Erholung der Märkte ein.

Anzeige