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Wochenrückblick

Wie rassistisch sind „Dschungelbuch“, „Dumbo“ und „Peter Pan“?

Trickfilmklassiker wie „Dschungelbuch“, „Susi und Strolch“ oder „Dumbo“ wurden von Disney+ aus der Kinder-Abteilung verbannt und mit Warnhinweisen wegen Rassismus versehen. Was ist da los? Die „Welt“ protokolliert weiter fleißig Clubhouse-Ärger. Und Jörg Kachelmann ist bei Twitter doch noch nicht ganz weg. Der MEEDIA-Wochenrückblick

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Immer wieder Rassismus. Diese Woche machte die Nachricht die Runde, dass der Micky-Maus-Konzern Disney bei seinem Streamingdienst die Trickfilmklassiker „Dumbo„, „Das Dschungelbuch„, „Peter Pan„, „Susi und Strolch“ und „Aristocatsaus der Kinderabteilung schmeißt und bei den Erwachsenen einsortiert. Zudem werden Warntafeln vor den Filmen eingeblendet, die Zuschauer darauf hinweisen, dass dieses Programm „negative Darstellungen und/oder eine nicht korrekte Behandlung von Menschen oder Kulturen“ enthalte. „Diese Stereotype waren damals falsch und sind es noch heute“, heißt es weiter.

Worum geht es konkret?

In „Dumbo“ tauchen singende Krähen auf, die als Hommage an „rassistische Minnesängershows“ gesehen werden können. In einer Szene bauen Schwarze zudem ein Zirkuszelt auf und singen dabei u.a. darüber, dass sie diese Arbeit machen müssen, weil sie nie schreiben und lesen gelernt hätten. In „Peter Pan“ werden amerikanische Ureinwohner als „Rothäute“ bezeichnet und Peter Pan trägt deren Federkopfschmuck. In „Aristocats“ spielt eine Katze mit Stäbchen Klavier. Die Szene sei eine „rassistische Karikatur ostasiatischer Völker mit übertriebenen stereotypen Merkmalen wie schrägen Augen und Buckelzähnen“, heißt es. In „Susi und Strolch“ würden die Figuren „Si“ und „Am“ antiasiatischen Klischeebildern entsprechen. Im „Dschungelbuch“ schließlich sei der Affentanz von King Lui eine Verspottung afroamerikanischer Menschen. Der Film vermittle außerdem die Botschaft, dass man besser unter „Seinesgleichen“ bleibe, da der Junge Mogli am Ende von der Tier- in die Menschenwelt rübermacht.

Das Thema ist nicht leicht. Einige Generationen sind mit diesen Disney-Filmen aufgewachsen (ich auch) ohne das Bewusstsein zu haben, dass an ihnen etwas faul sein könnte. Es ist leicht, in einem ersten Reflex diese Warntafel als grotesk zu empfinden. Denkt man ein bisschen über die oben kurz skizzierten Begründungen nach, ergeben diese aber durchaus Sinn. Ich sehe ein, dass rassistische Inhalte tatsächlich subtil transportiert werden. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass dies heute denselben Effekt hat, wie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Gesellschaft ist heute durchaus weiter als damals. Es gibt auch in den Medien immer mehr positive Rollen-Vorbilder für nicht-weiße Menschen. Natürlich ist nichts perfekt, aber wir sind weiter. Die Warntafeln und das Entfernen aus der Kindersektion sind der Versuch von Disney, der moderner und integrativer gewordenen Gesellschaft Rechnung zu tragen. Auch dieser Versuch ist nicht perfekt. Viel schlimmer wäre es gewesen, die Filme ganz zu entfernen.

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Die „Welt“ macht sich weiter einen Namen als Clubhouse-Protokoll-Medium Nummer 1. So berichtete die Zeitung (€) über einen Clubhouse-Talk mit der Kabarettistin Idil Baydar und dem Berliner Clan-Mann Arafat Abou-Chaker. Frau Baydar verglich dabei wohl die Berichterstattung deutscher Medien über Clans mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. Um das Geradezubiegen würden wohl mehrere Warntafeln nicht ausreichen. Mittlerweile hat sie sich dafür entschuldigt: „Natürlich ist die Berichterstattung über ‚Clans‘ nicht vergleichbar mit dem Antisemitismus der Nazi-Zeit.“ Es tue ihr leid, wenn das „im Eifer des Gefechts“ so geklungen habe. Aha. Abou-Chaker wiederum soll gegen Journalisten „gehetzt“ haben. Mit von der Partie seien zudem Journalisten von „Bild“ und „Spiegel TV“ sowie diverse Rapper gewesen sein.

Ich bin nach wie vor nicht auf Clubhouse und habe bisher noch keine Sekunde das Gefühl gehabt, etwas zu verpassen.

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Jörg Kachelmann hatte früher auf Twitter immer eine ziemlich kurze Lunte. Vor allem, wenn es darum ging, den Umgang von Boulevardmedien mit dem Wetter deftig zu kritisieren. Seit November vergangenes Jahr liegt sein persönlicher Account aber auf Eis. Er hat, wie Christian Drosten sagen würde, Besseres zu tun. Den Twitter-Account seiner Firma Kachelmannwetter gibt es noch und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dem Chef dort bisweilen nach wie vor dann und wann die Hutschnur reißt:

Niemals geht man so ganz. Schönes Wochenende!

PS: In der heutigen Folge unseres Podcasts „Die Medien-Woche“ begrüße ich als Special Guest den PR-Berater und Kommunikationsexperten Hasso Mansfeld. Mit ihm rede ich darüber, wie eine echte, tiefgreifende Reform des öffentlichen Rundfunks in Deutschland aussehen könnte. Es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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