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Gastbeitrag

„Nicht für Zahlen verantwortlich“ – von wegen! Eine Replik auf Frank Dopheide

Olaf Peters-Kim

Olaf Peters-Kim Olaf Peters-Kim: „Am Ende einer Kampagne und am Ende eines Geschäftsjahres bleiben für die relevanten Zahlen schlichtweg die Führungskräfte verantwortlich." - Bild: Welect / Montage: MEEDIA

Olaf Peters-Kim, der Co-Founder von Welect und ehemalige Geschäftsführer von WPP ist der Meinung, dass Frank Dopheide nicht ganz richtig liegt mit seiner Auffassung, Führungskräfte sind nicht für Zahlen verantwortlich. Eine Replik auf eine MEEDIA-Kolumne.

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 „Führungskräfte, die glauben, sie seien für Zahlen verantwortlich, liegen falsch!“ schreibt Frank Dopheide in seinem Beitrag für MEEDIA am 26. Januar 2021. Wer ist dann für die Zahlen verantwortlich? Gott? Nein, das kann nicht sein, denn „Gott ist ein Kreativer – kein Controller“, wie der Titel von Herrn Dopheides Buch über die „auserwählte Spezies der Führungskräfte“ lanciert. Lässt sich die Verantwortung für die Zahlen dann womöglich an das Controlling abgeben, oder an die Mitarbeiter?

Call me altmodisch. Während meiner zehn Jahre als Geschäftsführer bei WPP habe ich gute Ergebnisse in erster Linie denen zugeschrieben, die sie maßgeblich durch ihren Einsatz erarbeitet haben: den Mitarbeitern, den Teams, den Menschen. Sie sind es, denen man die gemeinsamen Fortschritte verdankt und denen man wertschätzend auf Augenhöhe begegnen muss, um nachhaltige Erfolge feiern zu können. Anders sah es aus, wenn die Zahlen weniger Grund zur Euphorie boten, denn: Als Geschäftsführer stand ich selbstredend persönlich für die Ergebnisse gerade.

Die Verantwortung für den Geschäftserfolg zu tragen – insbesondere, wenn die Ergebnisse die Erwartungen nicht erfüllen – und durch die Ausrichtung des Geschäfts positiv zu beeinflussen, ist die Aufgabe einer Führungskraft. Es gibt viele gute Führungskräfte deren eigener Anspruch sich aus der Optimierung von business-relevanten Kennzahlen ergibt und die sich an diesen messen zu lassen. Zahlen sind nicht das Einzige, auf das sich Führungskräfte konzentrieren sollten, vielleicht nicht einmal das Wichtigste, dennoch sind sie als neutrale Gradmesser ein praktisches Instrument.

Man muss kein Zahlen-Profi wie Sir Martin Sorrell sein, der in einem Cannes Interview vor wenigen Jahren ganz nebenbei die Revenue Zahlen der WPP Agenturen in Venezuela aufrufen konnte. Es gibt aber einige Kennziffern, auf die sämtliche Führungskräfte aus gutem Grund achten. Ein paar Beispielfragen für wertvolle Zahlen, die keine mir bekannte, erfolgreiche Führungskraft als „abstrakte Wesen“ deklariert:

  • Schreibt das Unternehmen bzw. die Abteilung unter dem Strich schwarze Zahlen und kann damit Monat für Monat für die Gehälter der Mitarbeiter aufkommen?
  • Weist das Unternehmen zum Jahresende mehr oder weniger Kunden auf?
  • Können die Kunden und Projekte profitabel betreut werden?
  • Zahlen die erbrachten Leistungen positiv auf die Verkaufszahlen der Kunden ein?

Mitarbeiter sind definitiv der wertvollste Teil eines Unternehmens. Es gilt mit den Kollegen zu kommunizieren und Ihnen durch klare Ziele, die sich nicht nur an Planzahlen orientieren, Motivation und Teilhabe zu bieten. Meines Erachtens nach zeichnet es gute Führungskräfte aus, Zahlen transparent mit ihren Mitarbeitern zu teilen und wenn notwendig zu erläutern. So fühlen sie sich „abgeholt“, wissen, wieso Entscheidungen getroffen werden und können sich in ihrem Alltag proaktiv und eigenverantwortlich orientieren und ausrichten.

Die Führungskraft als „verantwortlich für die Menschen, die die Zahlen liefern“ gilt, sofern es darum geht, als Vorgesetzter die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die Kollegen ihr Bestes geben können. In Verbindung mit der Aussage Frank Dopheides, als Führungskraft sei man nicht für die Zahlen verantwortlich, kippt diese Aussage. Am Ende einer Kampagne und am Ende eines Geschäftsjahres bleiben für die relevanten Zahlen schlichtweg die Führungskräfte verantwortlich. Fallen die Zahlen schlecht aus, ist davon auszugehen, dass die Vorgesetzten ihre Teams nicht gut geführt haben und das Ergebnis sehr wohl auf ihr Verhalten zurückzuführen ist.

Nach Veröffentlichung des obigen Artikels folgten 83 positive und nur vier kritische Rückmeldungen. Als auf der gleichen Plattform erstmalig „Gott ist ein kreativer – kein Controller.” erschien, gab es 197 Likes und drei kritische Rückmeldungen – eine davon kam von mir. In beiden Fällen waren mehr als die Hälfte der Kommentatoren selbst Führungskräfte. Und darum geht es mir in diesem Artikel. Als Vorgesetzte sind wir auch Vorbilder. Dieser Rolle sollten wir uns mit jedem Like, Kommentar und jeder Headline bewusst sein.

Was möchten wir den Talenten unserer Branche mitgeben? Kreative zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass Sie Dinge umsetzen. In unserer Branche bringen außergewöhnliche Leistungen Inhalte hervor, die nicht nur „geschaltet“ werden, sondern unterhaltend und wirkungsvoll spezifische Nachrichten zu den richtigen Rezipienten transportieren. Als Musiker, wenn Kompositionen von Menschen gehört werden, als Schriftsteller, wenn Texte gelesen werden, als Skater wenn ein neuer Trick nicht nur gedacht, sondern immer wieder geübt wird – bis man ihn nach vielen Stürzen und den dazugehörigen Schmerzen endlich landet. Aber eben auch, wenn die Zahlen, Reportings und Analysen der Buchhalter und Controller im Unternehmen für wertvolle Erkenntnisse sorgen. Wenn Unternehmen nicht nur gegründet werden, sondern nachhaltig erfolgreich sind. Der US-Amerikanische Autor Seth Godin brachte es zuletzt in einem Podcast auf den Punkt: „Creative is not who you are – it is what you do“.

Deswegen die Frage an alle Führungskräfte unserer Branche: Welche Vorbilder möchten wir den jungen Nachwuchstalenten der Branche sein? Ist es nicht, dass Kreative neuartige Lösungsansätze entwickeln und umsetzen, um hochwertige Inhalte zu generieren und dadurch auf den Geschäftserfolg einzahlen? Ist es dann nicht auch konsequent, Buchhalter und Controller zu den Kreativen zu zählen, weil sie ebenfalls neuartige Lösungsansätze finden, um hochwertige Inhalte zu generieren und für Erkenntnisse zu sorgen, die auf den Geschäftserfolg einzahlen? Eine kreative Leistung erbringen sie in jedem Fall, nur ist sie nicht so einfach greifbar, eher abstrakt und für die meisten Menschen vollkommen unsichtbar. Dennoch sollten Führungskräfte, um nachhaltig erfolgreich zu sein und für ihre Mitarbeiter die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, Erfolge zu generieren, alle ihnen zur Verfügung stehenden kreativen Ressourcen nutzen – und das sind eben auch die zu Unrecht als abstrakte Wesen deklarierten Zahlen.

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