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Fehlende Transparenz

Clubhouse-Talk von Elon Musk in der journalistischen Kritik

Elon Musk sorgte für einen Sturm auf die Social-Audio-App Clubhouse, allerdings mussten einige Journalisten draußen bleiben. Der Grund wirft eine wichtige Frage zu Clubhouse auf. Foto: Imago/ Logo Clubhouse

Tesla-Chef Elon Musk hatte ein erstes Gespräch auf der Social-Audio-App und Tausende hörten zu, nicht nur auf Clubhouse. Neben viel Jubel gab es aber auch prominente Kritik an dem Format. Eine Journalistin machte auf einen besonders wunden Punkt aufmerksam.

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Fast 100.000 Follower liegen zwischen der Ankündigung von Elon Musk auf Twitter vom Sonntagabend und diesen Zeilen. Der Tesla-Chef hat auf dem 280-Zeichen-Dienst einen Link gepostet, mit dem Hinweis auf sein erstes Gespräch auf der aktuell viel diskutierten Plattform Clubhouse.     

Mit dem Tweet wuchs sein Profil auf Clubhouse innerhalb von 13 Stunden auf 94.500 Follower. Er selbst folgt einer einzigen Person auf der App: Sriram Krishnan. Der IT-Spezialist hat nach eigenen Angaben verschiedene Projekte für Twitter, Facebook uns Snap umgesetzt und ist jetzt unter anderem Gastgeber des täglichen Tech-Talks „Good Time“ auf Clubhouse. Zu eben dieser Runde und zu Clubhouse selbst konnte Krishnan Elon Musk überzeugen. Über Twitter zog allein Elon Musk schon so viel Aufmerksamkeit auf sich – der Post wurde tausendfach geteilt und geliked –, dass der Raum gleich zu Beginn wegen Überfüllung geschlossen wurde. Mehr als 5.000 Teilnehmer fasst ein Clubhouse-Room aktuell nicht. Aber die Community wusste sich schnell zu helfen.

Weil der Room mit Elon Musk schnell „ausgebucht“ war, eröffnete die Community ebenso schnell weitere Räume zum Streamen des Musk-Talks auf Clubhouse.

Live-Streaming wegen Überfüllung auf Clubhouse

Auf der Social-Audio-App wurden kurzerhand verschiedene Live-Streaming-Räume eröffnet, die selbst schnell wieder die Grenze erreichten. Die Welle schwappte auch auf andere Netzwerke. Auch auf YouTube wurde der Good-Time-Talk gestreamt, dort kann man dem Gespräch mit Musk lauschen, während ein Livestreamer Egoshooter spielt. Auf Twitter gibt es eine Transkription als Thread zum Nachlesen: 

Clubhouse-Investor Andreessen und Robin-Hood-Gründer diskutieren mit Musk

Dort kann man im Detail verfolgen wie Musk über seine Aktivitäten auf Twitter spricht, mehr über seine Ziele für eine Besiedlung des Mars erfahren und warum Bitcoin bald auf Interesse in der breiten Masse stoßen wird. Das Gespräch zog auch prominente Zuhörer an. Waren am Anfang „nur“ Krishnan und seine Frau Aarthi Ramammurthy, die selbst Director of Product bei Facebook ist, an Bord, wurde später etwa Marc Andreessen, der Clubhouse-Investor der ersten Stunde, ins Gespräch geholt.

Der Talk entwickelte eine ganze eigene Dynamik. Krishnan twitterte parallel dazu in Anspielung auf die Science-Fiction-Reihe Matrix, das sei „als würden Morpheus und Neo auf Clubhouse reden.“ Es bliebt nicht nur bei einem Austausch über den Fall „GameStop“ – Musk kam via Clubhouse direkt mit dem Robin-Hood-Gründer Vladimir Tenev ins Gespräch. Die App steht im Zentrum der Geschehnisse um den Börsenkrimi Kleinanleger vs Hedgefonds. 

„The Information“-Gründerin sieht Propaganda statt Information

Aber es bliebt nicht nur beim Staunen ob des Musk-Hypes auf Clubhouse. Jessica Lessin, Co-Gründerin und Chefredakteurin des Tech-Mediums „The Information“, machte via Twitter auf ein gravierendes Problem der Talkrunde aufmerksam, und damit auf ein Problem, dass der App Clubhouse zugrundeliegt, wenn es um das Thema Transparenz geht. 

Ihre Kritik: Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten auf diesem Planeten, nicht nur wenn es um Tech-Themen und Börse geht, spricht öffentlich und wichtige Journalisten dürfen offiziell nicht zuhören. Der Grund für die Blockade: Speaker, die in Clubhouse das Wort haben, bringen ihre eigene Blockliste mit in den Raum. In dem Fall muss Risikokapitalgeber Marc Andreessen, der selbst als Investor zu den Clubhouse-Nutzern der ersten Stunde gehört und aus der Vergangenheit nicht gerade für einen offenen Umgang mit Kritikern bekannt war, dafür gesorgt haben, dass einige Journalisten von dem Gespräch ausgesperrt waren. Natürlich konnten auch die auf die weiteren unzähligen „Streaming“-Räume setzen. Aber der Zugang zum eigentlichen Gespräch blieb weiterhin verwehrt. Laut Lessin verstärke das noch mehr den Effekt, dass so „mächtige Menschen ihr eigenes Narrativ formen können, genauso wie sie es wollen. Die Tech-Journalistin schließt ihren Tweet mit dem Hashtag #Propaganda.       

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