Anzeige

Liane Siebenhaar

„Ich bin schwanger…”

Liane Siebenhaar – Foto: Kolle Rebbe

Im Geschäftsführer-Bewerbungsprozess. Und dann schwanger. Übers Kopf-Zerbrechen und wann es der richtige Augenblick ist, es zu sagen.

Anzeige

Wir waren schon etwas länger in der Kinderplanung. Da kam der Anruf “Hast du mal Lust zu sprechen?”. Ich hatte gerade Sheryl Sandbergs „Lean in“ gelesen. Mit „Gehe nicht vom Gas, bevor du es musst“ beschreibt sie das Phänomen, dass Frauen in der Kinderplanung karriere-technisch anfangen, Kompromisse einzugehen. Ich beschloss, in die Gespräche einzusteigen. Schon nach den ersten Interviews war ich hin und weg… um kurze Zeit später herauszufinden, dass ich schwanger war. Sollte ich es direkt sagen? Was, wenn das Thema den fachlichen Austausch überlagern würde? Und was hätte das gebracht, wenn ich das Kind verliere? Sheryl hatte leider keine Anleitung dazu in ihrem Buch. 

Ich beschloss zu warten, bis ich ein schriftliches Angebot bekomme. Und es zu sagen, bevor ich unterschreibe. Bei einer Absage hätte die Kultur eh nicht zu mir gepasst. Der Bewerbungsprozess dauerte länger als gedacht und ich musste mich einer neuen Realität stellen: Der Bauch wurde sichtbar. Ein Angebot noch nicht. Ich holte mir Rat bei meinem ehemaligen Londoner Recruiter: “Wenn du zu lange wartest, wirkt es für deine künftigen Kollegen vielleicht so, als ob du sie getäuscht hast. Höre auf dein Bauchgefühl.“

Er hatte recht. Es war wichtiger, ehrlich und transparent zu sein, um die richtige Vertrauensbasis für eine künftige Zusammenarbeit zu schaffen, als auf ein offizielles Angebot zu warten. Ich vereinbarte persönliche Gespräche. Und da saß ich nun. Wie bei einer Beichte. Zwar optimistisch, aber sehr nervös. Ich hatte so lange drüber nachgedacht, was das Richtige war, so dass ich das Gespräch mit ein paar Nebenthemen anfing und es dann schon aus mir herausplatzte: „Ich hab da noch ein weiteres Thema: Ich bin schwanger…” 

Die Reaktionen waren durchweg cool. Entspannt, herzlich, unterstützend, offen. Nicht, dass ich es unbedingt anders erwartet hätte, aber es ist keine Selbstverständlichkeit schwanger einen Geschäftsführungsposten antreten zu dürfen. Das habe ich an den Reaktionen aus der Branche zu meinem Wechsel deutlich bemerkt. 

Umso dankbarer bin ich, dass ich mit Kolle Rebbe ein so modernes Unternehmen gefunden habe. 

Liane Siebenhaar ist seit Herbst 2020 Geschäftsführerin bei der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

Anzeige