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Die GAFA-Kolumne

Big Tech Weekly: Willkommen im GAFA-Zeitalter!

Nils Jacobsen – Illustration: Bertil Brahm

GAFA rules the world: Google, Apple, Facebook und Amazon bestimmen unser Leben wie keine anderen Konzerne in der Geschichte. Höchste Zeit für eine wöchentliche Kolumne von MEEDIA-Autor Nils Jacobsen über die wertvollsten Digitalchampions der Welt, die Folgen ihrer Dominanz und ihre Entwicklung an den Kapitalmärkten!

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Als ich meine ersten Artikel für MEEDIA geschrieben habe, war Steve Jobs noch am Leben, Facebook in Deutschland ein StudiVZ-Herausforderer und Alibaba ein vermeintliches Internet-Märchen aus Tausendundeiner Nacht. 13 Jahre ist das jetzt her – im Digitalzeitalter ein gefühltes Jahrhundert. Genauso lange berichtete ich bei MEEDIA über die einst aufstrebenden und nun etablierten Superstars aus dem Silicon Valley, die sich seinerzeit noch im Herausforderer-Modus befanden und heute vor Kraft kaum mehr gehen können. 

Irgendwann in der letzten Dekade machte das geflügelte Akronym der GAFAs die Runde, das schnell seine Verfremdungen in GAFAM, FAANG oder FANGMAN fand. Gemeint sind damit die führenden Digitalkonzerne unserer Zeit: Apple, Amazon, Google und Facebook (GAFA), aber nach dem starken Comeback auch Microsoft (GAFAM). Netflix und Tesla sind zwei weitere Disruptoren, die zwei Branchen komplett umgekrempelt haben, während die sogenannten BAT-Konzerne Alibaba, Tencent und Baidu auf der anderen Seite der Welt das digitale Leben nach der gleichen Logik dominieren.   

Was sich in den letzten 10 bis 15 Jahren durch den Siegeszug des Internets in der Wirtschaftswelt abgespielt hat, ist beispiellos. Wer online einkauft (also ziemlich jeder), kommt unmöglich an Amazon vorbei. Wer im Internet recherchiert, landet automatisch bei Google. Das soziale Netzwerken oder Kommunizieren führt unmittelbar zu Facebook, Instagram und WhatsApp und damit in jedem Fall zu Facebook Inc. Und um all diese Tätigkeiten auszuführen, benötigt es die entsprechende Hardware, die immer öfter ein iPhone, MacBook oder iPad ist – und Apple bahnbrechend zum wertvollsten Konzern unserer Welt gemacht hat.   

Nie wurden bestehende Industrien so schnell und so umfassend disruptet, und nie wurden Werte so massiv umverteilt. Auf der Gewinnerseite stehen die digitalen Champions, die eine nie dagewesene Konzentration an Kapital aufgesogen haben: Mit Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Facebook und Tesla sind die sechs wertvollsten Konzerne der USA Digitalunternehmen, die es zusammengenommen auf den astronomischen Börsenwert von mehr als 8,7 Billionen Dollar bringen. Ob sie inzwischen zu mächtig geworden sind und aufgebrochen gehören, wie GAFA-Guru Scott Galloway fordert, wird uns an dieser Stelle immer wieder beschäftigten.

Fest steht: Wer so viel Licht (Kapital) aufsaugt, sorgt gleichermaßen für Schatten. Die Medienindustrie kann von diesem Paradigmenwechsel ein Lied singen: Weil Facebook, Google und Amazon inzwischen fast 70 Prozent der globalen Werbegelder absaugen, befindet sich die Branche im permanenten Krisenmodus. Bezeichnenderweise scheint der Ausweg in Erfolgsmodellen des Silicon Valley zu bestehen: Im Abonnenten-Modell der recurring revenues, das Netflix und Spotify vorgemacht und die „New York Times“, „WSJ“ und „WaPo“ erfolgreich in der Verlagsbranche nachgeahmt haben. 

Um all diese Erfolgs- und Verfallsgeschichten soll es in Big Tech Weekly gehen: um die wertvollsten Digitalchampions der Welt, die Folgen ihrer Dominanz (inklusive auf die Medienbranche) und ihre Entwicklung an den Kapitalmärkten! 

Willkommen in den Roaring 20’s, der Dekade der großen GAFAs!

+++ GAFA-Showdown: Die Quartalssaison mit Apple und Facebook startet  +++

Es ist wieder diese Zeit des Jahres: Die wertvollsten Tech- und Internet-Unternehmen müssen bei Vorlage ihrer Unternehmensbilanzen Rechenschaft vor ihren Aktionären ablegen. Den Anfang machte in der vergangenen Woche Netflix mit einer starken Quartalsbilanz, die zum größten Kursfeuerwerk seit vier Jahren führte: einem Plus von 17 Prozent an einem Handelstag!

In Antizipation starker Bilanzen schickten Aktionäre in den vergangenen Handelstagen auch andere Big Tech-Aktien deutlich nach oben: Die GAFAs legten seit der Netflix-Bilanz zwischen fünf und zehn Prozent zu. Nun schlägt die Stunde der Wahrheit. Heute Abend nach Handelsschluss berichten mit Facebook und Apple gleich zwei GAFAs über die Entwicklung des Dezember-Quartals. In beiden Fällen sind die Erwartungen hoch bis turmhoch.   

Apple dürfte erstmals die Fabelmarke von 100 Milliarden Dollar Umsatz in einem Quartal knacken, erwartet der Durchschnitt der befragten Analysten. JP Morgan rechnet gar mit Erlösen in Höhe von 110 Milliarden Dollar. Auch der Nettogewinn dürfte unterdessen für neue Superlative sorgen: Der Kultkonzern aus Cupertino könnte einen Nettogewinn von mehr als 25 Milliarden Dollar eingefahren haben. Wohlgemerkt: In einem Zeitraum von lediglich 91 Tagen!     

Auch Facebook dürfte erneut starkes Wachstum vermelden. Die Konsensschätzungen liegen bei Umsätzen von 26,3 Milliarden Dollar was einem  Erlöswachstum von knapp 25 Prozent entsprechen würde – schneller ist mutmaßlich kein anderes GAFA-Unternehmen im Weihnachtsgeschäft gewachsen. Das Gewinnwachstum dürfte sich nach den Durchschnittsschätzungen (Quelle: Zacks) bei ebenfalls 25 Protezent bewegen und Facebook damit mutmaßlich erstmals in einer Unternehmenshistorie mehr als 9 Milliarden Dollar netto in nur einem Quartal verdienen. Wir berichten ab 22 Uhr über beide Zahlenwerke.

+++ Happy Birthday, iPad! +++

Wirklich wahr: Das iPad ist bereits 11 Jahre alt! Und zwar auf den Tag und auf die Stunde genau. Am 27. Januar 2010 um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit enthüllte Steve Jobs in seiner letzten großen Keynote als Apple-CEO nur zweieinhalb Jahre nach dem iPhone den nächsten großen Wurf: ein Tablet tablet designed in Cupertino.

Jobs kündigte es wie folgt an: „Gibt es Raum für eine dritte Kategorie zwischen Computer und Smartphone?“ hob Jobs bedeutsam an, um sich selbst die Frage zu beantworten: „Wir glauben, wir haben eine Antwort gefunden. Wir nennen es iPad.“ 

Ist das iPad Apples Anspruch und den turmhohen Erwartungen des iPhone-Nachfolgers gerecht geworden? Ja und Nein. Auf einen schnellen und großen Absatzerfolg folgte eine zähe Seitwärts- bis Abwärtsbewegung. Zwischen 2013 und 2018 verkaufte sich das iPad immer ein bisschen schwächer, bis es in der Corona-Pandemie in der neuen Homeoffice – und vor allem: –  Schooling-Realität des Lockdowns in den letzten drei Quartalen eine unerwartete Renaissance feierte. 

Das gilt auch für mich selbst: Ich habe mir Ende 2020 tatsächlich nach acht (!) Jahren ein neues iPad gekauft – ein 9,7 Zoll großes iPad Pro. Das Corona-Elterntum funktioniert nämlich auch anders herum: Es gibt Nachmittage, an denen mir die Idee gefällt, meinem Sohn beim Spielen mit Lego & Co. zuzusehen, während ich auf der Couch auf dem iPad blättere. Geht so zwei Minuten lang gut, dann werde ich von der Couch gezerrt oder das iPad als Bagger-Rampe zweckentfremdet. Ein Schelm, wer da behauptet, es gebe nicht genug Usecases für „das große iPhone“…. 

+++ Short Tech Reads +++

An dieser Stelle möchte ich jede Woche eine kleine Leseliste präsentieren – Artikel über Big Tech & Co., die mir aufgefallen sind. In dieser Woche sind es: 

Marketwatch: Techs letztes Hurra?

Geht das goldene GAFA-Zeitalter in der Biden-Ära zu Ende? Beim Finanzportal Marketwatch warnt ein Vermögensverwalter davor, dass Big Tech in den kommenden Jahren erheblicher Gegenwind droht: durch die regulativen Eingriffe der Biden-Administration und steigende Zinsen. 

The Verge: „Alphabet schließt Loon“

Heimlich, still und ziemlich leise ging Alphabets „Project Loon“ die Luft aus. Nach sieben Jahren beendete die Google-Mutter das Projekt Internetzugang via Heliumballons.  Merke: Nicht jeder Moonshot aus Mountain View zündet. 

Time Magazine: „Big Techs Geschäftsmodell ist eine Gefahr für die Demokratie“

Nach dem Kapitol-Aufstand vom 6. Januar in Washington geht auch das „Time Magazine“ kritisch mit der Allmacht der großen Internetkonzerne ins Gericht und fordert Konsequenzen. 

CNBC: Microsoft vermeldet 17 Prozent Umsatzwachstum wegen starker Cloudsparte

Der 5. GAFAM im Bunde hat schon gestern sein neues Zahlenwerk präsentiert. Microsoft stellte die Bilanz für das Dezember-Quartal vor, das bereits zweite des laufenden Fiskaljahres. CEO Satya Nadella punktete erneut mit weitaus besser als erwarteten Ergebnissen: Die Cloudsparte um Azure verhalf dem Softwarepionier zu 17 Prozent Umsatzwachstum und einem Rekordnettogewinn von bereits 15,5 Milliarden Dollar.   

Seeking Alpha: Wird Amazon Dividendenkönig der nächsten Dekade? 

Für zwei Jahrzehnte waren Profite beim Internet-Pionier Amazon ein Fremdwort. Dank der boomenden Cloudsparte AWS weist CEO Jeff Bezos heute jedoch Milliardengewinne aus. Nach Einschätzung des Finanzportals Seeking Alpha könnte Amazon in den 20er-Jahren gar zum Dividenstar aufsteigen.  

+++ One more Thing: RIP Larry King  +++

Am Wochenende verstarb Reporterlegende Larry King im Alter von 87 Jahren. Larry King war meine Sozialisation des amerikanischen Nachrichtenfernsehens. Seit CNN im Zuge des ersten Irak-Kriegs 1991 in das deutsche Kabelnetz eingespeist wurde, habe ich als Nachtmensch bevorzugt die Late Night-Interviews von Larry King gesehen. Mir gefiel der knorrige Typ mit den Hosenträgern, der scheinbar immer auf Augenhöhe interviewte.

Im Gedächtnis geblieben sind mir lange vor den Präsidentschaftsambitionen unzählige Interviews mit Donald Trump, die im Grunde bis ins Detail vorweggenommen haben, was sich ab 2017 ereignen sollte – etwa dieser vielsagende Auftritt aus dem Jahr 2005, wenige Monate nach der Hochzeit mit Melania. Wie viel glücklicher wirkten doch damals alle: Trump, Melania – und der Rest der Welt! Für Tech-Fans legendär: Larry Kings Interview mit Bill Gates 2010, als der Microsoft-Gründer über den Erzrivalen Apple, das erste iPad und Steve Jobs reflektierte.

Cheers + bis nächste Woche!

 

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